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Energie-Großverbraucher zahlen weniger

CFOs energieintensiver Industrien profitieren von der EEG-Umlage.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Bundesregierung scheint von der raschen Energiewende abzurücken. Nachdem im letzten Jahr acht der 17 Atomkraftwerke abgeschaltet wurde, sieht Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler nun die Wirtschaft bedroht: „Wir müssen nachsteuern, wenn Jobs und unsere Wettbewerbsfähigkeit bedroht sein sollten.“ Ähnlich äußerte sich Bundesumweltminister Peter Altmaier. „Für mich hat höchste Priorität, dass Strom bezahlbar bleibt“, sagte Altmaier.

Steigen die Strompreise?

Laut Verbraucherportal Verivox stiegen die Strompreise für private Kunden seit nunmehr zwölf Jahren in Folge. „Im Strombereich ist keine Entspannung abzusehen“, meint dazu der Leiter der Energiewirtschaft bei Verivox, Peter Reese. Dies liegt unter anderem an der Strompreisentwicklung im Zuge der Energiewende. Die Preise für Quartals- und Jahresfutures an der europäischen Energiebörse EEX in Leipzig stiegen nach dem Fukushima-Unglück um ca. 10 Prozent. Und auch für 2013 geht Verivox von einer Preissteigerung von rund 80 Euro mehr für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt aus. Preistreiber wäre die im Erneuerbare-Energien-Gesetz(EEG) festgeschriebene Umlage für Ökostrom. Diese Umlage dient der Finanzierung der Differenz zwischen realem Marktpreis und dem Fixpreis, der den Produzenten für die Einspeisung von Ökostrom den Produzenten garantiert wird.

Auch die energieintensive Industrie hat Angst vor steigenden Preisen: „Steigende Energiekosten bedrohen die industrielle Wertschöpfungskette in Deutschland“, behauptet der Verband der Energieintensiven Industrien Deutschland, wo sich u.a. der Verband der chemischen Industrie, der Verband deutscher Papierfabriken und die Wirtschaftsvereinigung Stahl versammeln. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Metalle (WMV), Ulrich Grillo, stößt in einem Statement, dass durch den Bundesverband der deutschen Industrieveröffentlicht wurde, in das gleiche Horn. „Die Herstellung von Metallen ist in Deutschland durch hohe, international nicht mehr wettbewerbsfähige Strompreise gefährdet“, so Grillo. Viele Industrieunternehmen produzieren deshalb schon selbst Strom. Beispielsweise betreibt die BASF ihr Ludwigshafener Werk mit einem firmeneigenen Kraftwerk – eine gute Einsparmöglichkeit für CFOs.Weltweit erzeugt BASF mittlerweile 70 Prozent seines Strombedarfes selbst, sagte ein Sprecher zu FINANCE.

Industrie profitiert zweifach

Doch profitieren gerade stromintensive Industrien von der Energiewende. Dies liegt zum einen an der Befreiung von der Stromumlage für privilegierte Unternehmen und zum anderen an den äußerst günstigen Preisen an der europäischen Strombörse EEX. Zwar stiegen die Strompreise nach dem Fukushima-Unglück und der damit angekündigten Energiewende. Jedoch sind die Preise langfristig immer weiter gesunken. Bewegten diese sich noch Mitte 2008 bei Preisen um 90 Euro pro Megawattstunde, mittlerweile liegen sie unter 50 Euro. Das lässt sich schwarz auf weiß bei der EEX nachlesen. Dieser sinkende Trend wurde durch den Preissprung der Energiewende zwar verzögert, setzt sich aber fort.

Dabei unterstützt die Ausgleichsregelung der Energieumlage die Großverbraucher. Denn Unternehmen zahlen nur für die erste Million Kilowattstunden die volle Umlage, danach zuerst nur noch 10 Prozent und später sogar nur noch 0,05 Cent. Laut Bundesnetzagentur zahlen die von der Ausgleichsregelung betroffenen Unternehmen nur 0,3 Prozent der EEG-Umlage, verursachen aber 18 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. "Sie [die Industrieunternehmen] bekommen Strom so günstig wie lange nicht und profitieren von großzügigen Ausgleichsregeln", sagt Uwe Leprich vom Institut für Zukunftsenergiesysteme. "Ich kann das Gejammer der Industrie nicht nachvollziehen.“ CFOs können zu Normalpreisen an der Börse einkaufen und sparen bei der Umlage. So auch HeidelbergCement, die ihre komplette Stromversorgung für Deutschland über die EEX sicherstellen, was nach Angaben des Dax-Konzerns günstiger ist als die Eigenherstellung von Strom.
So relativieren sich die Klagen der Unternehmen über steigende Energiepreise in Deutschland bei näherem Hinsehen doch erheblich. Genau genommen bezahlen die die Privatversorger die Zeche und die Industriekunden profitieren derzeit. Die Hauptsorge der Unternehmen gilt hingegen der Versorgungssicherheit. Aber das ist eine andere Geschichte.

redaktion[at]finance-magazin.de