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Familienunternehmen wollen ohne Kredit investieren

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Oetker

Die Anzeichen verdichten sich, dass der Mittelstand die deutsche Konjunktur weiter am Laufen halten wird. Die Deutsche Bank hat eine Umfrage unter Finanzentscheidern aus 200 großen deutschen Familienunternehmen (Umsatz über 25 Millionen Euro) vorgelegt, die zeigt, wie stark die Mittelständler weiter investieren und wachsen wollen – und wie wenig sie sich dabei auf externe Finanzierungen verlassen müssen.

So planen 85 Prozent der Befragten, noch in diesem Jahr größere Investitionen anzustoßen, bei 42 Prozent dieser Unternehmen belaufen sich die geplanten Investitionen auf (zum Teil weit) über 2,5 Millionen Euro. Das Geld soll vor allem in eine bessere Unternehmensinfrastruktur wie IT und Fuhrpark (66 Prozent) sowie in neue Maschinen (55 Prozent) fließen.

Wie aggressiv die Mittelständler dabei vorgehen, zeigt der Blick auf ihre Motive: 74 Prozent wollen wachsen, um ihren Marktanteil auszubauen, 71 Prozent, um ihre Wettbewerbssituation weiter zu festigen. Die meisten ausländischen Konkurrenten können von so viel Offensivgeist im Moment nur träumen. Deutsche Familienunternehmen könnten so die Konkurrenz in Punkto Wettbewerbsfähigkeit trotz der steigenden Löhne noch weiter abhängen.

Geldpolitik sichert den Vorsprung

Dies scheint eine direkte Folge der unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklung in der Euro-Zone zu sein. Weil weite Teile der Währungsunion in einer hartnäckigen Rezession stecken, hält die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins mit 1 Prozent auf einem für die deutsche Industrie viel zu niedrigen Niveau.

Die Folgen: 88 Prozent der Umfrageteilnehmer halten das aktuelle Zinsniveau für so attraktiv, dass die niedrigen Zinsen bei ihnen einen klaren Impuls für zusätzliche Investitionen auslösen. Und der Rückenwind dürfte noch stärker werden: Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die EZB am Donnerstag den Leitzins weiter senken wird, manche erwarten sogar eine Halbierung des Leitzinses auf das Rekordtief von 0,5 Prozent.

Für die Wettbewerber aus dem Ausland sind das verheerende Nachrichten. Denn es wird immer offensichtlicher, dass der Versuch der EZB, mit Zinssenkungen die Wirtschaft in den kriselnden Euro-Staaten wieder ins Laufen zu bringen, letztlich nur der deutschen Industrie beim Ausbau ihrer überlegenen Wettbewerbsposition hilft.

Deutschbanker Wisskirchen: „Wollen mehr Kredit vergeben“

Nicht einmal die prekäre Lage am Banken- und Kapitalmarkt scheint die Mittelständler bremsen zu können, denn 74 Prozent der investitionswilligen Unternehmer können die neuen Investitionen aus der vorhandenen Liquidität finanzieren, besagt die Umfrage. Nur jeder Vierte ist dafür auf zusätzliche Bankfinanzierung angewiesen.

Das ist auch für die Deutsche Bank, die die Befragung in Auftrag gegeben hat, eine schlechte Nachricht. Denn die will „die Kreditausreichungen an den deutschen Mittelstand weiter ausbauen“, wie Cornel Wisskirchen, einer der Chefs des deutschen Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bank, ankündigte. Doch die Kreditnachfrage seitens der Kunden dürfte auch in den nächsten Monaten nicht so stark ausgeprägt sein, wie die Bank das gerne hätte.        

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