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Gimv-Chef Sage: „Wir brauchen freie Hand“

Gimv-Chef Hansjörg Sage:
Gimv

Sie sind bei dem etablierten deutschen PE-Fonds Halder ausgestiegen und wollen in Deutschland nicht mehr nur VC-Investments machen, sondern auch Buy-outs und Wachstumsfinanzierungen. Ist der Wettbewerb durch andere PE-Investoren hier in Deutschland nicht viel zu hart für einen Neuankömmling wie Gimv?
Ja, es gibt viele Wettbewerber, auch in unserem Größensegment mit Equity Tickets zwischen 3 und 30 Millionen Euro. Aber Gimv ist nicht neu in diesem Geschäft und tätigt schon seit vielen Jahren Growth-Deals in Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Damit sind wir paneuropäisch aufgestellt, viele unserer Wettbewerber nicht. Und im Gegensatz zu vielen anderen PE-Häusern investieren wir aus einem Evergreen-Fonds ohne Laufzeitbegrenzung. Das passt für Wachstumsunternehmen.

Wieso haben Sie sich von dem etablierten PE-Investor Halder gelöst und tauchen jetzt selbst in das Haifischbecken des deutschen PE-Markts ein? Über Halder hätten Sie auch von deutschen PE-Investments profitieren können.
Der PE-Markt hat sich verändert, tiefes Sektorwissen ist eminent wichtig geworden. Eine Sektorspezialisierung spielt man am besten über mehrere Länder hinweg aus, und dafür brauchen wir in Deutschland freie Hand.

Wie viele Mittel können Sie investieren, und auf welche M&A-Targets haben Sie es abgesehen?
In den vergangenen Jahren haben wir über all unsere Zielländer ungefähr 250 Millionen Euro pro Jahr investiert. Neben den Aktivitäten in Belgien und in den Niederlanden, stehen jetzt vermehrt auch Frankreich und Deutschland im Vordergrund, aber das muss nicht zwingend heißen, dass wir hier auch den Großteil unserer Investments tätigen werden. Wir investieren auf der Grundlage  von vier Investmentideen beziehungsweise -plattformen: Consumer 2020, Health & Care, Smart Industries und Sustainable Cities. Und dort jeweils von VC-nahen Wachstumsfinanzierungen im 5 bis 10-Millionen-Euro-Bereich über reine Wachstumsfinanzierungen von 10 bis 25 Millionen Euro bis hinauf zu kleineren Buy-outs mit Dealvolumina von 50 bis 60 Millionen Euro. All unsere M&A-Targets sollten wachstumsstarke Marktführer sein.

In welchen Sektoren findet man diese M&A-Targets in Deutschland?
Wir hoffen hier in Deutschland vor allem auf Medizintechnikspezialisten und Dienstleister im Gesundheits-und Pflegebereich, aber auch auf Unternehmen aus dem Bereich Smart Industries, wo Deutschland mit seinem Ingenieurswissen eine feste Größe ist. Wir sehen gute Chancen in Nischen wie zum Beispiel Karbonfasern im Automobil- oder Flugzeugbau. Dort entstehen dank einer neuen Technologie komplett neue Zulieferbedürfnisse, in die wir investieren wollen.

Wir beobachten, dass inzwischen auch schon bei kleinen M&A-Deals am deutschen Private-Equity-Markt die Bieterprozesse hoch kompetitiv sind.
Ja, das ist so, fast alle M&A-Deals werden von M&A-Beratern strukturiert begleitet. Der Kaufpreis ist ein wichtiges Kriterium, die Konkurrenz hart.

Bärenstark aufgestellt für diesen Wettbewerb scheinen Sie ja auf den ersten Blick nicht zu sein, in Ihrem Münchener Büro sind Sie gerade einmal zu dritt.
Ja, aber unser deutsches Team wächst, bald werden wir zu viert oder zu fünft sein. Jeder unserer Investmentmanager konzentriert sich ausschließlich auf einen unserer Kernsektoren, und wenn sich Transaktionen anbahnen, arbeiten wir in internationalen Transaktions-Teams mit Verstärkung aus unseren ausländischen Büros, wo insgesamt mehr als 40 Sektorexperten sitzen.

Wir bezweifeln ein wenig, dass zum Beispiel ein Belgier aus einem Brüsseler Büro heraus bei einem deutschen Deal wirklich helfen kann.
Sicher kann er das. Er kennt zwar nicht alle lokalen Besonderheiten, deshalb sitzt auf jedem Deal auch mindestens ein deutscher Investmentmanager. Aber Sektor- und Transaktionswissen ist eher international als national. Und gerade dadurch, dass der Deal aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird, ergeben sich die besten Ideen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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