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Karlie-CFO Rainer Uhlhorn: „Irritiert über Scope“

Karlie Group-CFO Rainer Uhlhorn (links) im Einsatz: Diesmal für Tierheimspenden in den Hochwassergebieten.
Karlie Flamingo

Rainer Uhlhorn, vergangene Woche hat Scope Ihnen eine unliebsame Überraschung beschert: Die Ratingagentur prüft ein Downgrade Ihres BB-Ratings. Scope begründet dies mit der Einführung einer neuen Ratingmethodik. Wie sehen Sie das?
Wir waren irritiert, zumal wir uns als Emittenten in der passiven Rolle befinden. Operativ hat sich ja nichts geändert – Scope hat uns auch nicht aufgefordert, Informationen vorzulegen. Die Agentur stützt sich beim Folgerating rein auf öffentlich verfügbare Informationen wie den Halbjahresbericht und die geplante Übernahme unseres chinesischen Zulieferers Best Quality, die sich im Fluss befindet. Wir waren schon überrascht und fühlen uns kurzfristig informiert. Interessant finden wir es auch, dass eine Agentur die Methodologie so kurzfristig ändern darf.

Die Mittelstandsanleihe ist bei geringen Börsenumsätzen im Anschluss kurz stark gefallen, hat sich dann aber wieder bei knapp 90 Prozent eingependelt. Möchten Sie Ihren Anleihegläubigern etwas mitteilen – angesichts der schlechten Nachrichten im Segment der Mittelstandsanleihen?
Wir beobachten das natürlich. Unseren Anleihegläubigern möchte ich versichern, dass keine Gefahr besteht, dass Lagen entstehen könnten, in denen Karlie seinen Zinszahlungspflichten nicht nachkommen wird. Das werden unsere Zahlen, die wir derzeit auswerten und im Mai vorlegen, auch nachweisen.

Wie viel des ursprünglich geplanten Emissionsvolumens Ihrer Mittelstandsanleihe über 30 Millionen Euro sind denn platziert? Ihr Eigentümer, der PE-Investor Perusa, hatte zuletzt Bereitschaft signalisiert, Teile der Anleihe zu zeichnen.
Ungefähr 6,5 Millionen Euro sind platziert. Wir haben mit Perusa ein Modell erarbeitet, den Erwerb der chinesischen Gesellschaft Best Quality gegen die Ausgabe von Anleiheanteilen zu finanzieren und dies steuer- und gesellschaftsrechtlich geprüft. Das geht in Ordnung.

Perusa würde dann also über seinen flexiblen Investmentansatz auch Debt zur Verfügung stellen. In welchem Umfang?
Das kommt darauf an, welche Höhe sich dann steuerrechtlich ergibt. Wir sind mit den chinesischen Behörden gerade im engen Austausch. Wir gehen aber davon aus, dass es in etwa die im Anleiheprospekt angegebene Größenordnung sein wird – also vielleicht 6 bis 7 Millionen Euro.

Karlie-CFO Rainer Uhlhorn: Weitere Gespräche über M&A-Deals

Sie stemmen nach den Zukäufen von Sharples & Grant und Flamingo bereits große Integrationsaufgaben. Der Aufbau einer eigenen Produktion in China, den sie durch den Zukauf von Best Quality schaffen würden, wäre ein wichtiger Bestandteil der Karlie-Strategie. Wie weit sind Sie schon mit der geplanten Rückwärtsintegration?
Businessmäßig arbeiten wir schon eng mit den Kollegen von Best Quality zusammen. Wir glauben weiterhin, dass wir am Markt ganz andere Möglichkeiten der Preissetzung haben und unsere Gewinnmargen deutlich steigern können, wenn wir eigenes Design und eigene Produkte anbieten und auf Landesgeschmäcker individuell reagieren können.

Angesichts der vielen Aufgaben, die vor Ihnen liegen, dürfte es noch etwas dauern, bis Sie die Ernte einfahren können, oder?
Das kommt darauf an, ob Sie die volle Ernte meinen oder eine Teilernte. Wir glauben schon, dass wir dieses Jahr deutliche Fortschritte zeigen können. Wir arbeiten intensiv an der Sortimentsbereinigung von über 16.000 Artikeln zum Teil noch in verschiedenen Varianten auf nur noch 10.000 bis 11.000. Wenn wir hier vereinheitlichen und Dopplungen vermeiden, erreichen wir durch die Sortimentszusammenführung schon ganz andere Losgrößen gegenüber Lieferanten und vermeiden sprungfixe Kosten. Bei der SAP-Einführung und der Zusammenführung der Standorte kommen wir ebenfalls gut voran.

2012 hatte Karlie erst einen Pro Forma-Abschluss vorlegen können, was Investoren kritisch sahen. Wie wird sich die Karlie-Bilanz durch die mögliche Integration von Best Quality verändern?
Die Erstellung des Pro-Forma-Abschlusses ist aus unserer Sicht eher positiv zu bewerten, da wir auf diese Weise ein Mehr an Information gegenüber den Einzelabschlüssen bieten konnten. 2013 wurde die belgische Flamingo-Gruppe nun erstmalig voll konsolidiert.
Durch die mögliche Integration von Best Quality dürfte unsere Verschuldung in Höhe der gezeichneten Anleihe steigen.

Angesichts der vielen erfolgten Zukäufe nehme ich an, dass derzeit keine weiteren Zukäufe anstehen. Oder liegen wir falsch?
Wir führen weiterhin Gespräche über selektive Zukäufe, sei es, um Lücken in der regionalen Abdeckung oder von Produktionskompetenzen zu schließen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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