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Keine außerordentliche Hauptversammlung bei Grammer

Bei Grammer wird es keine außerordentliche Hauptversammlung geben. Das erhöht die Chancen, den weißen Ritter Ningbo Jifeng ins Spiel zu bringen.
Grammer

Die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, die über das Investmentvehikel Cascade International auf Einfluss bei dem Automobilzulieferer Grammer drängt, hat vor Gericht eine Niederlage eingesteckt. Das Amtsgericht Amberg hat entschieden, Cascades Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung zurückzuweisen. Es sei dem Aktionär zuzumuten, mit dem Anliegen bis zur planmäßigen Hauptversammlung am 24. Mai zu warten, hieß es zur Begründung.

Cascade hält nach jüngsten Stimmrechtsmitteilungen mindestens 10,2 Prozent der Stimmrechte und gehört zur Eastern Horizon Group Netherlands, an der die Brüder Kenan und Damir Hastor mit je 35 Prozent beteiligt sind. Beide sind auch Gesellschafter des Vehikels Halog, das ebenfalls rund 10 Prozent der Grammer-Anteile hält.

Cascade wollte auf der Hauptversammlung fünf der sechs Aufsichtsratsvertreter der Aktionärsseite neu besetzen und den Vorstandsvorsitzenden Hartmut Müller abberufen. Auch die Begebung einer Pflichtwandelanleihe über 60 Millionen Euro stieß bei Cascade auf Kritik, der Aktionär will auf einer Hauptversammlung Schadensersatzansprüche prüfen lassen. Diese Forderungen müssen nach dem Willen der Richter nun bis zum 24. Mai warten.

Ningbo Jifeng könnte auf der Hauptversammlung mitstimmen

Grammer dürfte die Entscheidung gelegen kommen. Denn gerade auf die Anteile, die über die Pflichtwandelanleihe an den chinesischen Wettbewerber und möglichen weißen Ritter Ningbo Jifeng ausgegeben wurden, setzt der bayerische Zulieferer. Die Chinesen haben das Recht, über die Wandelanleihe rund 9,2 Prozent der Anteile zu übernehmen – allerdings frühestens nach acht Wochen. In einer Stimmrechtsmitteilung wird die Zeitspanne ab dem 11. April als Wandlungszeitraum angegeben.

Bei Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, die bereits Mitte April hätte stattfinden können, wäre dies zu einem Problem geworden. Denn ein Aktionär, der mitstimmen möchte, muss sich nicht nur fristgerecht zur Versammlung anmelden, er muss auch nachweisen, dass er 21 Tage vor der Versammlung bereits im Besitz der Aktie war. Nur jetzt, wo die Hauptversammlung wie ursprünglich geplant am 24. Mai stattfindet, dürfte dieser Zeitplan für die Chinesen einzuhalten sein. 

Wie viele Anteile kontrolliert Hastor bei Grammer?

Selbst mit einem Anteil von 9,2 Prozent könnte Ningbo Jifeng allerdings keines der Hastor-Vehikel überstimmen – womöglich könnten die Anteile aber eine wichtige Sperrminorität darstellen, um eine Mehrheit zu verhindern. In den vergangenen Jahren lag die Präsenz auf den Grammer-Hauptversammlungen durchschnittlich zwischen 40 und 50 Prozent. Stimmen beide Vehikel, die dem Hastor-Umfeld zuzurechnen sind, in einem Punkt gleich ab, kämen sie bereits auf einen Anteil von mindestens 20,2 Prozent.

Das Problem für Grammer: Es ist gut möglich, dass die aktivistischen Investoren ihren Anteil bereits weiter ausgebaut haben. Beide Vehikel werden getrennt gewertet – die Zugehörigkeit zu einer Familie reicht nicht aus, um den Gesellschaftern ein mögliches „Acting in Concert“ zu unterstellen. Damit erreichen sowohl Cascade als auch Halog jeweils erst bei 15 Prozent die nächste Meldeschwelle. Auf einen Anteil von 14,9 Prozent könnte also jedes Vehikel seinen Anteil weiter ausbauen, ohne dies publik machen zu müssen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Welche Unternehmen gerade noch mit unliebsamen Attacken aus dem Aktionärskreis zu kämpfen haben, lesen Sie auf der FINANCE-Themenseite über aktivistische Investoren

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.