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„Keine Stimmrechte bei Koinvestments mit LPs“

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Schnellläuferpresse von Karl Eugen Fischer - einem Portfoliounternehmen von Equistone.
Karl Eugen Fischer

Herr Hammermann, Equistone war mit acht Beteiligungen, davon zwei in Deutschland, im Jahr 2013 wieder aktiver als viele andere Fonds . Wie war 2013 – ein gutes Jahr für Exits, die Ihnen z.B. bei Computerlinks in Deutschland und der englischen Allied Glass gelangen, und ein teures für Zukäufe?
Der Dealflow war nicht geringer als in den Vorjahren. Uns werden viele Projekte angeboten, die wir nach unseren Opportunitätskriterien prüfen. Wir erwarten in Kürze noch ein weiteres Signing. Wir sehen sehr unterschiedliche Preise für unterschiedliche Branchen. Sicher werden Deals mit potenziell höheren Risiken auch von uns anders bewertet.

Das Finanzierungsumfeld hat sich deutlich aufgehellt. Die Banken sind in der zweiten Jahreshälfte mit Macht zurückgekommen. Inzwischen sind wieder deutlich aggressivere Finanzierungen möglich, auch riskante Finanzierungsmittel wie PIK Notes stehen zur Verfügung. Oder gilt das nur für das Large Cap-Segment?
Für vernünftige Finanzierungen waren die Banken aus meiner Sicht immer da. Dieses Bild hat sich, zumindest für uns, über die Jahre hin gezeigt. Aber Sie haben recht: Inzwischen werden im Durchschnitt wieder 50 Prozent der Finanzierungssumme von den Banken an Fremdkapital angeboten bei Multiples von 3,5 bis 4,5. Dass manche Banken aggressiver werden, habe ich auch gehört. Und PIK-Notes begegnen uns auch. Sie sind für uns allerdings selten ein Thema.

Equistone-Chef Hammermann: „PIK-Notes begegnen uns auch“

Wie optimistisch sind Sie für den Mid Market 2014? Der Markt läuft ja wieder richtig an.
Wir erwarten ein ähnliches Niveau wie in diesem Jahr.

Es gibt einen starken Trend der Private Equity-Branche zu immer mehr Koinvestments von LPs mit GPs. Auch bei Ihnen?
Das ist ein Trend, da  haben Sie Recht. Man ist damit konfrontiert, auch wenn es sich bei uns bisher auf ein oder zwei Einzelfälle beschränkt hat und im Übrigen nicht immer nur für die Deals mit dem ganz großen Exposure. Das ist ein subjektives Gefühl. Dabei entsteht auch ein natürlicher Konflikt zwischen GP und LP…

…den man wie löst?
…Man gibt keine Stimmrechte.
 
2013 ist auch das Jahr, in dem Equistone Neumayer Tekfor  nach der Insolvenz abgegeben hat. Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen? Blicken Sie jetzt anders auf die Automobilzuliefererindustrie?
Nein. Wir haben im Jahr 2012 ja bereits eine weitere Beteiligung in der Zuliefererindustrie getätigt. Unsere Investments in dieser Branche waren bislang immer erfolgreich. Ohne die zusätzlichen Schwierigkeiten durch die Finanzkrise wäre auch das bei Neumayer Tekfor  nicht passiert. 2009 haben wir das Unternehmen erfolgreich neu ausgerichtet, leider hat sich jedoch die Gesellschaft als nicht nachhaltig stabil erwiesen.  

Lektionen aus dem Fall Neumayer-Tekfor

Und welche Lektion haben Sie dem Verlust des Portfoliounternehmens entnommen?
Wir sind bei unseren Finanzierungsstrukturen immer konservativ gewesen, investierten 40 Prozent Eigenkapital und jetzt noch mehr. Heißt das, dass dies immer reicht? Nein. Kann sich ein solcher Fall damit nicht wiederholen? Nochmals nein. Es hat ja nicht nur Private Equity-finanzierte Zulieferer getroffen. Wir haben versucht, Neumayer Tekfor erfolgreich zu restrukturieren. Aber die Finanzierungsseite war dauerhaft schwierig. Das hat sich in Verbindung mit operativen Schwächen kumuliert.

Wie haben Sie Ihren Investoren erklärt, was bei Neumayer Tekfor und Novem passiert ist? Was wollten die LPs von Ihnen wissen?
Natürlich fragt ein Investor danach. Und wir sind sehr offen damit umgegangen. Unsere Investoren hatten Verständnis für die außergewöhnliche Konjunkturkrise und zwei Fälle mit besonderen Managementkonstellationen. Am Ende zählt für die Investoren die attraktive Gesamtrendite des Fonds. Und wir hatten bislang eine hervorragende Performance – besonders in Deutschland. Bis 2008  mussten wir in Deutschland keinen Cent an Wertberichtigungen vornehmen, was im Vergleich mit anderen Fonds außergewöhnlich ist.

Wie sieht es mit der Performance von ihrem dritten Fonds aus, den Sie noch mit Barclays begeben hatten? Sie haben hier mit Computer Links und Allied Glass zwei Exits gezeigt und beim letztgenannten mit 2,5 Mal Geld auch offenbar gut verdient. Ist das die Zielrendite für den Fonds?
Wir peilen wieder eine attraktive Rendite an. Es ist aber noch zu früh, konkret darüber zu sprechen.

Wie steht der vierte Fonds?
Wir sind zu mehr als 50 Prozent investiert, haben eine gute Pipeline und wollen 2014 noch vier bis fünf Projekte machen. Bis dato sieht unser Portfolio dabei attraktiv aus.

Wie wohl fühlen Sie sich eigentlich noch mit Ihrem Zielland Frankreich? Dort verdüstert sich die Lage ja zusehends, was Equistone nicht von Investments abhält.
In der Tat sind die Stimmung und die Gesetzeslage nicht optimal. Der Markt ist verhaltener als in Deutschland, was auch mit dem Regulierungsumfeld zusammenhängt. Trotz allem performt unser Portfolio dort aber recht gut.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de