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Klett-Finanzchef Hartl: „Wir hätten unter 4 Prozent geboten“

Herr Hartl, Sie haben Ihre Mittelstandsanleihe Mitte Dezember zurückgezahlt. In der Anlegerinformation von Mitte Oktober noch kündigen Sie eine Emission für „Mitte Mai 2014“ an. Jetzt haben Sie Ihre Meinung offenbar geändert. Warum?
Sie haben recht. Wir verfolgten zu dem Zeitpunkt tatsächlich noch den Plan, erneut eine Mittelstandsanleihe in Eigenemission zu begeben. Aber als EZB-Präsident Mario Draghi dann im November die Leitzinsen gesenkt und zudem angekündigt hatte, dass diese auch mittelfristig so tief bleiben, sind wir bei Klett angesichts der hohen Differenzkosten zwischen Bank- und Anleihefinanzierung – sogar noch ohne Emissionskosten gerechnet – nochmal ins Grübeln gekommen.

Also ging es vor allem um Konditionen?
Nicht nur. Unsere Liquiditätslage hat sich im letzten halben Jahr nochmals verbessert. Deswegen wäre das Anleihevolumen automatisch kleiner geworden, also die reinen Emissionskosten überproportional teuer. Außerdem hatten wir bei unseren Planungen die implizite Erwartung, unsere mögliche dritte Anleihe mit einem Kupon von unter 4 Prozent anzubieten…


…das entspricht einem Spread zur Bankfinanzierung von wieviel? 150 Basispunkte?
…Das ist annähernd die richtige Größenordnung. Das hätte sich über 5 Jahre auf einen erheblichen Betrag summiert.


Sie haben jetzt 50 Millionen Euro zurückgezahlt und keine Vorratsfinanzierung mehr. Ist die neue Konzernfinanzierung in trockenen Tüchern?
Ja. Wir haben den Finanzierungssockel, der zuvor bei 50 Millionen Euro lag, reduziert und sind jetzt nicht mehr überliquide. Wir haben derzeit einfach nicht so viel Liquiditätsbedarf. Als wir das Klett Bildungswertpapier II 2009 begeben haben, kurz nach Lehman, war die Finanzierungswelt noch eine ganz andere, das Sicherheitsbedürfnis war enorm. Wir setzen zukünftig verstärkt auf maßgeschneiderte Projektfinanzierung, die auch den Cashflow berücksichtigt. Darüber hinaus haben wir Kontokorrentlinien bei unseren Hausbanken. Durch die Rückzahlung hat sich die Bilanzstruktur weiter verbessert.

Klett-Finanzchef: Kein Zusammenhang mit Krise der Mittelstandsanleihen

Wäre ein Schuldscheindarlehen keine Option?
Doch ganz sicher, aber auch hier müsste man sinnvollerweise mindestens 20 bis 25 Millionen Euro emittieren, damit sich die Kosten rechnen. Und wir sind zur Zeit nicht auf das Geld angewiesen. Unsere Finanzierung ist sicher.


Geben Sie die Option der Mittelstandsanleihe vollständig auf? Immerhin haben Sie sich eine treue Anlegerschar für Eigenemissionen erarbeitet.
Wir geben die Option nicht auf und werden die Kommunikation mit den Anlegern in bewährter Weise zum status quo der Unternehmensgruppe aufrechterhalten. Zukünftige Emissionen schließen wir nicht aus.


Welche Rolle spielt die Krise der Mittelstandsanleihen an den Börsensegmenten bei Ihrer Entscheidung?
Keine! Auch wenn andere Häuser mit bis zu 6 oder gar 8 Prozent platzieren, hätten wir mit einem guten Stamm an Anlegern, einer langen Anleihegeschichte, unserem stabilen, verlässlichen und bekannten Unternehmen keine Probleme gehabt, zu guten Konditionen Geld bei unseren Privatanlegern aufzunehmen.


Haben Sie Transaktionsrisiken für eine eigene Emission befürchtet?
Nein. Unsere Anleger der ersten und zweiten Anleihe vertrauen uns. Viele hatten bereits Interesse an einer Folgeanleihe geäußert und hätten sicherlich auch gezeichnet. Aufgrund der günstigen Bankzinsen sprach am Ende aber dennoch alles für die Bank.

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Mehr zum Thema Mittelstandsanleihen finden Sie auf unserer Themenseite.