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Lautere Klagen über Energiewende

Voerdal

Steigende Stromkosten haben dazu beigetragen, dass die Aluminiumhütte Voerdal Insolvenz anmelden musste. Entsprechende Aussagen aus Gewerkschaftskreisen bestätigte Voerdal-Personalleiter Reiner Rode gegenüber FINANCE. Sie seien aber, anders als in einigen Presseberichten dargestellt, nicht der Hauptgrund für die Pleite: „Entscheidend war der Preisverfall für Aluminium, die hohen Stromkosten haben allerdings einen Beitrag geleistet.“  Voerdal, das seit 2009 dem Londoner Investor Gary Klesch gehört, produziert im niederrheinischen Voerde mit 410 Mitarbeitern Aluminium unter anderem für die Automobilindustrie.

Einige Politiker und Stimmen aus der Wirtschaft sehen den Fall Voerdal als Beleg für ihre Warnungen, die Energiewende bedrohe die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die Bundesregierung müsse jetzt „ein klares Signal für den Erhalt des Industriestandortes setzen“, zitierte das Handelsblatt aus einem Brief des wirtschaftspolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU) an Kanzlerin Angela Merkel. Der nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Energie-Minister Harry K. Voigtsberger (SPD) hält die Bundesregierung gar für mitverantwortlich an Voerdals Pleite: „Sie hat stromintensive Unternehmen nicht entlastet und mit dazu beigetragen, dass Voerdal nun Insolvenz anmelden musste.“ Beide fordern nun, die EU-Richtlinie der Strompreiskompensation umzusetzen. Nach dieser steht den energieintensiven Unternehmen ab 2013 eine Kompensation für die zusätzlichen Kosten, die durch den Emissionshandel entstehen, zu. Außerdem solle die geplante Verordnung über die Vergütung abschaltbarer Lasten schnell verabschiedet werden. Der Entwurf sieht vor, dass große Stromverbraucher aus der Industrie gegen eine Vergütung vom Stromnetz genommen werden können, wenn dadurch das Netz stabilisiert werden kann.

Mit der Georgsmarienhütte (GMH) hatte im April ebenfalls ein energieintensives Unternehmen Konsequenzen aus den steigenden Strompreise gezogen: Das Stahlunternehmen wechselt 2013 den Stromanbieter. Der derzeitige Energieversorger EnBW habe aufgrund des Atomausstiegs kein gutes Angebot vorlegen können, sagte GMH-Geschäftsführer Peter van Hüllen auf der Jahrespressekonferenz. Ab kommendem Jahr wird die Georgsmarienhütte ihren Strom von Enovos, einem deutsch-luxemburgischen Energieversorger, beziehen. Außerdem stellt GMH einige größere Investitionsvorhaben ein, da es wegen der Energiewende an Planungssicherheit mangele.

Wirtschaftsverbände warnen seit längerem, die Energiewende bedrohe die Versorgungssicherheit und führe zu steigenden Stromkosten für Industrieunternehmen. Im vergangenen Winter kam es zwar auch nach dem Abschalten der Atomkraftwerke nicht zu einem großen Stromausfall, die Preise legten allerdings zu. Dieser Trend wird sich nach jüngsten Berechnung von McKinsey fortsetzen: Die Unternehmensberatung erwartet, dass die Industrie 2020 14,7 Cent je Kilowattstunde bezahlen muss, derzeit liegt der Preis bei 12,7 Cent. Davon entfallen 4,9 Cent auf die Kosten der Energiewende.

redaktion[at]finance-magazin.de

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