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Mahle schreibt wieder schwarze Zahlen

Mahle konnte im ersten Halbjahr wieder ein positives Ergebnis erzielen. Foto: Mahle
Mahle konnte im ersten Halbjahr wieder ein positives Ergebnis erzielen. Foto: Mahle

Ist Mahle über den Berg? Seit 2018 fährt der Autozulieferer einen strikten Sparkurs und versucht wieder in die Spur zu kommen. Die neusten Halbjahreszahlen 2021 zeigen nun ein erfreuliches Bild – der Konzern schreibt wieder positive Zahlen.

So verbuchten die Stuttgarter im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum wieder einen Gewinn. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im ersten Halbjahr 2021 auf knapp 201 Millionen Euro, vor einem Jahr zählte der Autozulieferer hier noch einen Verlust von 146 Millionen Euro. Auch das gesamte Geschäftsjahr 2020 schlossen die Stuttgarter letztlich noch mit einem Verlust von 192 Millionen Euro ab.

Auch die Ebit-Marge verbesserte sich im 1. Halbjahr von -3,4 Prozent auf 3,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2020 lag sie noch bei -2,0 Prozent. Unterm Strich schrieb Mahle mit 55 Millionen Euro nun auch wieder einen Gewinn, nach einem Verlust von 292,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Beim Umsatz erreichte der Zulieferer im ersten Halbjahr dieses Jahres 5,7 Milliarden Euro, 32 Prozent mehr als im Vorjahrszeitraum.

Die besseren Zahlen gehen nach eigenen Angaben aus der „guten Autokonjunktur“ hervor, von der Mahle profitiert hat. Die höchsten Zuwächse kamen dabei aus dem Bereich Elektronik und Mechatronik. Neben einem gestiegenen Umsatz hätten laut Mahle auch die konzernweiten Produktivitätssteigerungen sowie Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramme zu der positiven Entwicklung beigetragen. Diese hätten die gestiegenen Materialpreise ausgeglichen. „Wir haben damit den angestrebten Turnaround erreicht. Die positiven Zahlen belegen, dass wir insgesamt profitabler und effizienter geworden sind,“ sagt Interims-CEO und CFO Michael Frick.

Mahle muss Schuldenberg noch abtragen

Doch ob der Turnaround wirklich nachhaltig gelungen ist, ist noch offen. Immerhin schiebt Mahle zum ersten Halbjahr 2021 mit 920 Millionen Euro einen ähnlich großen Schuldenberg wie im Vorjahr vor sich her, was einer derzeitigen Nettoverschuldungsquote von 4,6x entspricht. In der längerfristigen Betrachtung hat sich aber auch das schon etwas verbessert: 2019 lag die Nettoverschuldung noch bei 1,34 Milliarden Euro.

Hinzu kommt, dass hohe Rohstoffpreise und Engpässe bei den Halbleitern die Branche weiterhin belasten und für ein volatileres 2. Halbjahr sorgen könnten. Mahle zeigt sich deshalb vorsichtig, erwartet aber dennoch für das Gesamtjahr Umsatzwachstum und ein positives Ergebnis – ohne auf konkrete Zahlen einzugehen. Zusätzlich zu diesen Herausforderungen muss der Konzern immer noch ohne CEO auskommen, seit März hat Michael Frick diese Rolle neben den CFO-Aufgaben interimistisch inne.

Finanzierungsmäßig will Mahle die Transformation aus dem laufenden Cashflow bezahlen, der von 2019 bis 2020 von 514 auf 877 Millionen Euro gestiegen ist. Neue Mittel sollen nicht aufgenommen werden, wie CFO Frick im Juli im Interview mit FINANCE sagte. Darüber hinaus besteht das Finanzierungspaket des Zulieferers aus einer im Mai begebene Anleihe von 750 Millionen Euro, Schuldscheinen in Höhe von 750 Millionen Euro sowie einer RCF von 1,8 Milliarden Euro.

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Mahle will zum Konsolidierer werden

Wie Mahle weiterhin den Turnaround vorantreiben will, steht schon fest. „Wir wollen bis 2030 den Anteil des Umsatzes, den wir unabhängig von Pkw-Verbrennern erzielen, von aktuell 60 Prozent auf 75 Prozent steigern. Dafür werden wir uns auf unsere Strategiefelder Elektromobilität und Wasserstofftechnologie konzentrieren. Aber wir setzen auch weiterhin auf Verbrennungsmotoren“, sagte Frick im Interview mit FINANCE.

Damit geht Mahle einen anderen Weg als viele Wettbewerber, die nicht mehr an diesem Geschäftsfeld festhalten wollen. „Wir bieten die Produkte so lange an, wie sie von unseren Kunden nachgefragt werden“, so Frick. Dafür will Mahle auch die Rolle des Konsolidierers einnehmen.

Wird Mahle aktiver auf dem M&A-Markt?

Zuletzt kaufte Mahle im Februar die Thermomanagement-Sparte des US-Autozulieferers Delphi Automotive. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Die besseren Zahlen scheinen bei dem Zulieferer die Shoppinglaune weiter angefacht zu haben. So hätte Mahle laut mehreren Medienberichten auch ein Übernahmeangebot für den Wettbewerber Hella eingereicht. Der Zulieferer ging Mitte August allerdings für 6,8 Milliarden Euro an den französischen Konkurrenten Faurecia.

Ende Juni schrieb das „Handelsblatt“ zudem, dass Mahle Interesse an dem südkoreanischen Konkurrenten Hanon Systems haben soll. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung „Korea Economic Daily“ sollen die Finanzinvestoren Carlyle und Bain Capital, der Konkurrent Valeo sowie Mahle unverbindliche Gebote für ein Paket von 70 Prozent im Wert von 6,6 Billionen Won (umgerechnet 4,9 Milliarden Euro) abgegeben haben. Die Verhandlungen laufen noch.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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