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MBB-Chef Nesemeier: „Ein neuer Zukauf wäre perfekt“

Produktionsanlage der MBB Fertigungstechnik: MBB-Vorstand Christof Nesemeiner will weiter zukaufen.
MBB

Herr Dr. Nesemeier, die Marktkapitalisierung von MBB Industries liegt inzwischen deutlich über 100 Millionen Euro. Einen deutlichen Schub brachte der Zukauf der heutigen MBB Fertigungstechnik . So langsam werden Sie ein Kandidat für den S-Dax. Ist das attraktiv für Sie?
Die wachsende Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt freut uns, wir sehen sie aber lediglich als angenehme Begleiterscheinung, nicht als Ziel selbst. Mit einer direkten Aufnahme in den S-Dax rechnen wir aktuell aber auch gar nicht. Die MBB hat das Ziel, auch zukünftig solide und substantiell zu wachsen, so wie uns das in der Vergangenheit gelungen ist. Dann sehen wir weiter.

Dann müssen Sie wohl noch etwas weiter wachsen, bevor Sie den nächsten Sprung am Kapitalmarkt machen können.
Das mag sein. Aber ganz unabhängig davon  wollen wir unser Portfolio von sechs Beteiligungsunternehmen weiter entwickeln und den Umsatz steigern. Dazu investieren wir in diesem Jahr nahezu 20 Millionen Euro, allen voran in die MBB Fertigungstechnik und in unsere Portfoliounternehmen Hanke Tissue  und Delignit. Wenn wir dann noch gezielt zukaufen könnten, wofür wir gerne Teile unseres traditionell hohen Liquiditätsbestand investieren würden, wäre die Entwicklung perfekt.

Benötigen Sie dafür eine Kapitalerhöhung?
Eine Kapitalerhöhung sehe ich aufgrund der guten Substanzausstattung und des hohen Cashflows nicht.

„Wir sehen viele neue PE-Investoren und Family Offices“

Wie erleben Sie den Markt denn als klassischer Value-Investor derzeit? Kann man den berühmten Euro noch für 60 oder 80 Cent kaufen?
Der Markt ist geprägt von billigem Geld. Wie vor ein paar Jahren entstehen in unserem SmallCap-Marktsegment eine Menge neuer PE-Investoren  und Family Offices, die bisher keiner kennt. Das treibt die Preise, insbesondere wenn ein Verkaufsprozess rein finanziell getrieben ist. Die großen klassischen PE-Häuser treffen wir eher nicht.

Beunruhigt es Sie, dass die Konkurrenz größer wird?
Nein, wir sehen die Entwicklung gelassen, da wir vergleichbare Situationen in der Vergangenheit schon oft erlebt haben. Meist folgt auf diese Phase eine Entwicklung, bei der die Zahl der Anbieter sich wieder deutlich reduziert und die zu teuer eingekauften oder schlecht finanzierten Unternehmen dann zu attraktiven Preisen wieder auf den Markt kommen. Wie in der Vergangenheit warten wir lieber ab, als uns an einem Bieterwettstreit zu beteiligen.

Das bedeutet, dass Sie derzeit schlechte Karten in den M&A-Prozessen haben. Was sind Sie zu zahlen bereit?
Wenn es rein um den Preis geht, ja, dann haben wir aktuell vermutlich schlechte Karten. Wir leben nach wie vor von unserem guten Ruf in der M&A-Welt, aber auch in unseren Zielbranchen und unserer Schwerpunktregion  Westfalen.  Wenn Transaktionen wirklich gut passen und ein Portfoliounternehmen nachhaltig stärken können, sind wir auch mal dazu bereit, einen 5er EBITDA-Multiple zu bezahlen.

Was ist Ihr Konjunkturszenario?
Ich glaube, dass die Wirtschaft ohne Absturz weiter dahin wabern wird, ohne große Impulse. Unterm Strich erwarte ich  ein Nullwachstum. Deutschland und seine Unternehmen stehen im internationalen Kontext aber gut da, diese Position gilt es zu verteidigen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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