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Mega-Deal: PNE-Wind-Vorstand zieht Kopf aus der Schlinge

Befreiungsschlag für PNE Wind: Der Verkauf von Windparkprojekten in Großbritannien bringt dem Unternehmen bis zu 140 Millionen Euro ein.
Andre Valadao/Thinkstock/Getty Images

Einen Tag vor der richtungsweisenden Hauptversammlung, auf der es zum Showdown mit Großaktionär Volker Friedrichsen kommen wird, hat das Management von PNE Wind in Großbritannien einen wichtigen Exit eingefädelt. Der große M&A-Deal dürfte die Position von CEO Martin Billhardt und CFO Jörg Klowat erheblich stärken.

Für bis zu umgerechnet 141 Millionen Euro hat der Cuxhavener Windparkprojektierer seine britische Tochtergesellschaft inklusive der gesamten Projektpipeline mit einer Nennleistung von bis zu 1.200 Megawatt an den US-Vermögensverwalter Brookfield verkauft. Beraten wurde PNE Wind dabei von der Londoner Investmentbank Augusta & Co und der Rechtsanwaltskanzlei Watson, Farley & Williams.

54,8 Millionen Euro wird PNE Wind sofort kassieren, beim Erreichen bestimmter Meilensteine könnten dem Unternehmen bis zum Jahr 2020 noch bis zu 86,4 Millionen Euro zusätzlich zufließen. Insgesamt kann PNE Wind im besten Fall 103 Millionen britische Pfund kassieren – investiert haben die Norddeutschen in den Aufbau der britischen Windparkpipeline in den vergangenen sechs Jahren lediglich 27 Millionen Pfund. Damit könnte Billhardt den Einsatz im besten Fall nahezu vervierfacht haben.

Der PNE-Wind-Chef hatte schon im April im Interview mit FINANCE-TV davon berichtet, dass sich in Großbritannien ein großer Deal anbahnt. Nun hat er geliefert. Billhardt bezeichnet den M&A-Deal als „entscheidenden Meilenstein für die Entwicklung von PNE Wind“.

PNE-Wind-Chef Martin Billhardt kämpft um seinen Job

Für Billhardt hätte der Deal zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Morgen muss er sich auf der Hauptversammlung dem Machtkampf mit Großaktionär Volker Friedrichsen stellen, der den Aufsichtsrat neu besetzen will und der PNE-Wind-Führung Selbstbedienungsmentalität vorwirft.

Friedrichsen hat in den vergangenen drei Wochen weiter kräftig Aktien dazugekauft und damit den Druck auf Billhardt erhöht. Aktuell dürfte Friedrichsens Anteil bei gut 15 Prozent liegen – angesichts der HV-Präsenzen von 20 beziehungsweise 30 Prozent in den vergangenen beiden Jahren ein echtes Pfund. Würde er sich morgen durchsetzen und den Billhardt wohlgesonnenen Aufsichtsratschef Dieter Kuprian stürzen, müsste Billhardt seinen Posten vermutlich räumen.

Mit dem Verkauf des Großbritanniengeschäfts hat Billhardt die Chancen schlagartig erhöht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Der Deal ist nach dem Verkauf mehrerer Offshore-Windparkprojekte an den dänischen Dong-Konzern im Jahr 2012 der zweitgrößte Exit der Unternehmensgeschichte und nicht nur wegen der hohen erzielten Rendite ein großer wirtschaftlicher Erfolg für PNE Wind.

Cash-Zufluss bringt PNE-Wind-Bilanz wieder ins Lot

Auch die Bilanzqualität wird sich durch den Deal stark verbessern. Aktuell lasten auf PNE Wind langfristige Anleiheschulden in Höhe von 96,4 Millionen Euro. Hinzu kommen noch einmal 80 Millionen Euro kurzfristige Finanzschulden. Die Nettoverschuldung belief sich Ende des ersten Quartals auf 157,3 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote liegt bei 34 Prozent.

Weil Billhardt mit dem Aufbau einer „YieldCo“-Gesellschaft – einem IPO-fähigen Paket selbst entwickelter Windparks – eine Unternehmensstrategie verfolgt, die bis mindestens Ende 2016 viel Kapital binden wird, waren die Sorgen um die finanzielle Stabilität des Unternehmens zuletzt gewachsen. Billhardt musste 2014 und 2015 jeweils Kapitalerhöhungen vornehmen und auch eine Wandelanleihe platzieren, um die Bilanz im Lot zu halten.

Ein Covenant-Bruch bei der 2013 zugekauften Tochterfirma WKN hat die Nervosität in den vergangenen Monaten verstärkt. Dank des kurzfristigen Cash-Zuflusses aus dem heute verkündeten M&A-Deal sind die Finanzierungssorgen jetzt aber deutlich weniger geworden.

PNE Wind: YieldCo-Eigenkapital ist jetzt gesichert

So wird PNE Wind nach Erhalt der ersten Zahlung über mehr als 100 Millionen Euro Cash verfügen. Damit ist der Eigenkapitalbeitrag des Konzerns für die Finanzierung der YieldCo-Projekte in Höhe von voraussichtlich rund 90 Millionen Euro laut eines Firmensprechers gesichert. Zudem dürften nun auch die Gespräche mit den Banken der WKN bezüglich der Heilung des Covenant-Bruchs einfacher werden.

Auch für die Investoren der bis 2018 laufenden Anleihe haben sich die Aussichten verbessert: „Wir erwarten den Eingang eines großen Teils der Meilensteinzahlungen innerhalb der nächsten drei Jahre“, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber FINANCE. In diesem Fall wäre für die Rückzahlung schon einmal ein Sockelbetrag gesichert, zu dem allerdings noch Verkaufserlöse aus den YieldCo-Projekten hinzukommen müssen – entweder wie geplant gebündelt Ende 2016 oder in Form von späteren Einzelverkäufen der Windparks.

Der UK-Deal hat auch Folgen für die Gewinn- und Verlustrechnung. Bis jetzt hat PNE Wind seine britische Tochter FINANCE-Informationen zufolge über ein Intercompany-Darlehen in Höhe von rund 25 Millionen Euro finanziert. Dieses kann jetzt zurückgeführt werden. Von dem dann noch übrigen Verkaufserlös werden noch in diesem Jahr voraussichtlich zwischen 20 und 25 Millionen Euro als Ebit-Gewinn hängenbleiben. Die späteren Meilensteinzahlungen von bis zu 86 Millionen Euro wird das Unternehmen dann nahezu komplett ergebniswirksam verbuchen können. 
   
Die Investoren reagieren erfreut auf die Dealankündigung: Der Aktienkurs von PNE Wind steigt um mehr als 5 Prozent auf über 2,30 Euro, die 2018 auslaufende Anleihe hält sich konstant bei einem Kurs um 104 Prozent.
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Was ist los bei PNE Wind, und was ist der Grund für die herbe Schlammschlacht? Alle Hintergründe dazu auf unserer FINANCE-Themenseite zu PNE Wind.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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