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Merck droht mit Forschungsstop in Portugal

Merck droht damit, millionenschwere künftige Forschungsprojekte in Portugal aufzugeben.
Merck

Deutschlands drittgrößtes Pharmaunternehmen Merck erwägt einen Stopp seiner Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in Portugal, falls der Staat die ausstehenden Schulden der öffentlichen Krankenhäuser nicht bezahlen sollte. Dies berichtet die Financial Times Deutschland. „Unsere Investition in Forschung ist langfristig angelegt, sagte Fritz Sacher, der Geschäftsführer von Merck in Portugal, der Zeitung. „Gegenseitiges Vertrauen ist eine wichtige Grundlage dafür. Doch die fehlende Zahlungsmoral des portugiesischen Staates untergräbt dieses Vertrauen.“ Zum Gesamtvolumen der ausstehenden Forderungen machte das Unternehmen keine Angaben. Da Portugal eine wichtige Rolle in der Pharmaforschung spielt, soll die Aussicht, Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe sowie talentierte Wissenschaftler zu verlieren, den nötigen Druck auf die Regierung ausüben.

Merck ist nicht das einzige Unternehmen, das Probleme mit ausstehenden Schulden in den Krisenstaaten der Eurozone hat. Die European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA) schätzt, dass Griechenland, Portugal, Spanien und Italien der Pharmaindustrie im Februar insgesamt 12 bis 15 Milliarden Euro schuldeten – und die Zahl ist in den letzten Monaten vermutlich noch gestiegen. Im Schnitt müssen Hersteller von Medikamenten 550 Tage auf die Bezahlung einer Rechnung warten. Während die spanische Regierung ihre Bereitschaft zur Lösung des Problems gezeigt und einen Kredit in Höhe von 35 Milliarden Euro zur Tilgung der Krankenhausschulden bereitgestellt hat, blieb die portugiesische Regierung bislang untätig. Und das obwohl das EU-Rettungspaket sie dazu verpflichtet, Rechnungen binnen 90 Tagen zu bezahlen.

Furcht vor dem öffentlichen Aufschrei

Als Konsequenz aus den Zahlungsschwierigkeiten hat das Schweizer Unternehmen Roche kreditfinanzierte Medikamentenlieferungen an die betroffenen Länder eingestellt, und verlangt eine Bezahlung zum Zeitpunkt der Lieferung. Andere Pharmariesen zögern angesichts ihrer humanitären Verantwortung mit solch drastischen Maßnahmen. Sie fürchten einen öffentlichen Aufschrei, wenn Medikamente in den Krisenländern knapp werden sollten. Stattdessen suchen sie nach anderen Möglichkeiten, um ihr Exposure in Ländern mit schlechter Zahlungsmoral zu reduzieren: Sanofi und Novo Nordisk haben ihre Versorgung mit den neusten Arzneimitteln zurückgefahren und bieten stattdessen ältere und billigere Medikamente an. Andere Pharmaunternehmen haben die Lieferungen an öffentliche Krankenhäuser eingestellt und beliefern nur noch Privatkliniken, die eine bessere Zahlungsmoral haben.

Die verschuldeten Staaten zahlen jedoch nicht nur langsam, sie versuchen auch die Preise für Medikamente zu drücken. Im Juni forderte die EFPIA andere europäische Staaten dazu auf, die Preissenkungen in Griechenland, Portugal und Spanien nicht als Messlatte für ihre Verhandlungen anzulegen. Die Unternehmen fürchten finanzielle Verluste, falls die Preise in ganz Europa unter Druck geraten sollten.

redaktion[at]finance-magazin.de