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Mercuria-CFO: “Müssen die Logik der Rohstoffflüsse verstehen“

Mercuria verlässt sich nicht nur auf klassische Arbitrage, berichtet der CFO im Interview.
Thinkstock / Getty Images

Ihre Wettbewerber treiben die Vertikalisierung stark voran. Warum hören wir von Mercuria keine Neuigkeiten aus dieser Richtung?
Das Geschäftsmodell von Mercuria ist anders. Wir sehen uns eher als ein Unternehmen, das Dienstleistungen und Lösungen anbietet, um natürliche Ineffizienzen in der Lieferkette auszugleichen. Wir können diese Ungleichgewichte entlang der Wertschöpfungskette korrigieren, indem wir unsere logistische Expertise einbringen. Damit werden wir den Anforderungen unserer Kunden gerecht, die immer komplexer werden. Wir sind nicht für die einmalige attraktive Marge da, sondern für die Langzeitbeziehung.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Wir sind weltweit vertreten und haben ein tiefes Wissen über die verschiedenen Rohstoffe, mit denen wir handeln. Das versorgt uns mit Informationen, die wir dann mit unseren Kunden teilen, um ihr Geschäft weniger risikobehaftet zu machen. Wir haben alle Werkzeuge, um einem Produzenten, Endverbraucher oder einem anderen Akteur entlang der Wertschöpfungskette zu helfen.

Bedeutet das, dass Sie sich nicht mehr nur auf das klassische Arbitragegeschäft verlassen?

Arbitrage ist nicht verschwunden. Es ist aber schwieriger geworden, sie zu identifizieren. Darum müssen wir global sein und die Logik der weltweiten Rohstoffflüsse verstehen, um immer einen Schritt voraus zu sein. Wir konzentrieren uns darauf, unseren Partnern dieses Mehr an Informationen zur Verfügung zu stellen. Die klassische Arbitrage ist nicht mehr so wertvoll, wie sie früher war.

Welche Finanzierungsprojekte sind nach der Refinanzierung vom Sommer geplant?
Im Juli haben wir unsere europäische revolvierende Kreditlinie über 1,8 Milliarden US-Dollar erneuert. Wir werden sehr bald wieder auf dem Kapitalmarkt aktiv sein, um unseren 800 Millionen Dollar schweren asiatischen Revolver, denominiert in Dollar und Offshore Renminbi, zu erneuern. Wir sind sehr darauf bedacht, unsere Finanzierungsquellen zu diversifizieren. Der Bankenmarkt ist allerdings der natürliche Markt für unsere Finanzierungsaktivitäten, wir pflegen Beziehungen zu mehr als 100 Banken. Unser laufendes Eigenkapitalprojekt  ist der nächste unmittelbare Schritt. Es wird uns Raum geben, weitere Fremdkapitalinstrumente einzusetzen.

Reagieren Sie damit auf einen erschwerten Kreditzugang?
Wir haben eine Hinwendung zur Qualität erlebt. Im Grundsatz haben davon die guten und starken Tier 1-Unternehmen wie Mercuria sogar noch durch weitere Bankunterstützung profitiert. Die Banken haben stattdessen vermutlich ihre Beziehungen zu Tier 2- und Tier 3-Unternehmen gekappt, um sich auf Unternehmen wie uns zu konzentrieren.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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