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NTT Com Security-CFO: „Erträge waren in Abwärtsspirale“

Heiner Luntz, CFO von NTT Com Security, musste das Unternehmen für sich selbst und den neuen Mehrheitsgesellschafter in Tokio verstehen.
NTT Com Security

Herr Luntz, Sie sind seit dem 1. April 2010 CFO. Damit kamen Sie genau sechs Monate nachdem der japanische Telekommunikationskonzern NTT die Mehrheit an dem damaligen Münchener IT-Unternehmen Integralis übernommen hatte, an Bord. Mittlerweile ist das Unternehmen in NTT Com Security umbenannt. Welche Situation haben Sie damals vorgefunden?
NTT hatte im Oktober 2009 einen Anteil von 78 Prozent an der damaligen Integralis gekauft und die Beteiligung dann ruhen lassen, das heißt, keine weiteren Anstrengungen unternommen, die Beteiligung auf 100 Prozent auszubauen. Die Herausforderung war die Kommunikation auf der einen Seite mit den Minderheitsgesellschaftern und auf der anderen Seite mit der japanischen Gesellschaft, die zu dem Zeitpunkt das Selbstverständnis hatte, ein vollständiges Tochterunternehmen hinzugekauft zu haben. In dieser Situation hat mich NTT als externen CFO hinzugeholt.

Was war zu dem Zeitpunkt Ihre Hauptaufgabe?
Es galt zunächst die wesentlichen Werttreiber zu identifizieren. Von Anfang an habe ich sehr eng mit dem heutigen CEO Simon Church zusammengearbeitet. Bei der Analyse zeigte sich: Rund 80 Prozent des Umsatzes sind damals aus dem Value Added Reselling erwirtschaftet worden. Die Erträge in dem Geschäftsmodell befanden sich jedoch klar in einer Abwärtsspirale, da zwar immer mehr verkauft werden konnte, die Margen aber unter erheblichem Druck standen. Weitere 10 Prozent entfielen auf die Installation von Software, in diesem Bereich hatten wir durchaus eine hohe Kompetenz. Der dritte Bereich, Managed Security Services, war der interessanteste. Hier ging es um langfristige Kundenbeziehungen. Es war klar, dass wir dort in Beratung und externes Personal investieren mussten.

Das klingt sehr klar und fast so, als hätten Sie sich mehr als externer Berater denn als CFO verstanden …
… ein bisschen habe ich mich auch so gefühlt. Mein Ansatz ist es immer zuerst zu verstehen. Ich musste das Unternehmen selbst verstehen und als CFO jeden Bereich analysieren und die dadurch gewonnen Erkenntnisse auch für Tokio zugänglich machen. Wir hatten altes Geschäft mit schrumpfenden Margen und Investitionsgeschäft. Im Laufe der Zeit sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass die drei Bereiche dennoch alle zusammengehören. 

Einfluss des regionalen Managements beschnitten

Wie lange hat dieser Prozess gedauert?
Bis zum Sommer 2011. Da haben wir in einer großen Präsentation unsere Strategie vorgestellt. Die Aufgabe war aus einem zwar insgesamt profitablen Unternehmen bestehend aus vielen Ländergesellschaften, die auch unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolgten, ganz unterschiedlich dastanden, ein wirklich einheitliches Unternehmen zu schaffen.

Das hat doch bestimmt für Diskussionen gesorgt. Wie haben Sie es geschafft, alle Parteien zu überzeugen?
Ja, es gab sehr intensive Diskussionen. Das regionale und damals auch sehr autonome Management hat an Einfluss verloren. Als CFO habe ich den Nutzen des Change Prozesses kommuniziert. Doch es war auch klar, dass wir von unserer Struktur her mit unserer Eigenkapitalausstattung und der Minderheitsstruktur das Thema gar nicht alleine stemmen können. Wir haben einen zweistelligen Millionenbetrag gebraucht.

Und wie bekommen?
Wir haben unsere Managed Security Plattform und Entwicklungsleistungen verkauft. Da musste ich mit Kreativität gestalten und NTT davon überzeugen, für etwas zu bezahlen, was nach ihrem Verständnis ohnehin schon dem Mutterkonzern gehört hatte. Doch nach deutschem Aktiengesetz sind wir trotz des Mehrheitsanteils eine unabhängige rechtliche Einheit. Das zu verstehen, hat einen Lernprozess auf beiden Seiten gebraucht. Es ist immer ein Balanceakt mit den verschiedenen Gesellschaftern.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

Lesen Sie im zweiten Teil des CFO-Interviews mit Heiner Luntz, welche Freiheiten ihm die japanische Muttergesellschaft NTT bei M&A-Deals einräumt und über erste Anlaufschwierigkeiten mit der japanischen Kultur. 

Info

Der CFO

Heiner Luntz ist seit dem 1. April 2010 Finanzvorstand von NTT Com Security. Zu dem Zeitpunkt hieß das Unternehmen noch Integralis. Für 2014 erwartet NTT Security einen Umsatz von 100 Millionen Euro in der DACH-Region und 250 Millionen Euro auf Gruppenebene. Vor seiner Zeit bei Integralis war Luntz unter anderem CFO der Friedrichshafener ND SatCom und Vice President bei dem US-amerikanischen Unternehmen First Data. Dort verantwortete er die Bereiche Finanzen und M&A. Luntz begann seine Karriere bei Arthur Andersen in Stuttgart.

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