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Peter Sielmann: „Wir haben den Schuldschein zum Teil selbst arrangiert“

Peter Sielmann, Group CFO der Neumann Kaffee Gruppe, berichtet von seinen Erfahrungen bei der Platzierung des US-Dollar-Schuldscheins und erläutert seine Pläne für die künftige Kreditfinanzierung.
FINANCIAL GATES

Herr Sielmann, das war der Debütschuldschein der Neumann Kaffee Gruppe. Warum haben Sie sich direkt für ein auf US-Dollar lautendes Darlehen entschieden? Solche Schuldscheine sind bislang noch sehr selten …

Peter Sielmann: Wir brauchen für die Finanzierung des Rohkaffeeeinkaufs und -verkaufs ausschließlich US-Dollar. Mit dem Schuldschein wollten wir uns langsam dem Kapitalmarkt öffnen und gleichzeitig den Risikoappetit der Investoren testen.

Sie haben den Schuldschein im Spätsommer 2012 platziert. Im vergangenen Jahr hatten europäische Banken Probleme, sich US-Dollar zu organisieren. War es schwierig, über den Schuldschein US-Dollar einzusammeln?

Ja, es war schwierig, mittelfristig US-Dollar-Commitments in einer Zeit zu bekommen, als die Dollarliquidität in Westeuropa begrenzt war. Wir konnten vor allem bei denjenigen Banken platzieren, die eine eigene US-Dollar-Passivseite (US-Dollar-Einlagen) halten. Inzwischen hat sich die Situation aber gebessert, weil unter anderem die EZB den Banken diese Währung über einen US-Dollar-Swap zur Verfügung stellt.

Der Schuldschein wird immer internationaler, auch auf der Investorenseite. Bei welchen Investoren haben Sie das Papier platziert?

Zum zeichnenden Bankenkreis gehören neben den beiden Arrangeuren, der NordLB und der HSBC, ausschließlich international tätige Institute. Zwei brasilianische Banken, die Banco do Brasil und die Itaú Unibanco, zählen zu den Investoren, aber auch die Bank of China, die Vietinbank aus Vietnam sowie die Züricher Kantonalbank. Später könnten auch Versicherungen und Pensionskassen mögliche Anleger sein. Für den deutschen Sparkassensektor ist ein Schuldschein in US-Dollar wohl nicht interessant.

Sie haben den Schuldschein zum Teil selbst arrangiert. Warum kam es dazu?

Wir kannten die Investoren, bei denen wir platzieren wollten, schon sehr gut und wickeln auf lokaler Basis mit ihnen seit langer Zeit unsere Geschäfte ab. Da war es für uns leichter, die arrangierenden Banken bei der Platzierung zu unterstützen.

Welchem Recht unterliegt der neue Schuldschein?

Die Dokumentation ist nach deutschem Recht. Durch den unterschiedlichen Investorenkreis und die NKG-Regionalisierung nach Südamerika und Asien sind die Anforderungen an die Dokumentation und die Legal Opinion deutlich größer als beim Euro-Schuldschein. Wir benötigten beispielsweise auch eine Legal Opinion von unseren Tochtergesellschaften in Südamerika.

Wie sind Sie in der Vermarktung vorgegangen?

Bereits 2011 und im ersten Halbjahr 2012 haben wir Vorgespräche mit den potentiellen Investoren geführt, ob sie an einer Schuldscheinzeichnung interessiert wären. Wir streben mit den internationalen Banken eine langfristige Zusammenarbeit an – auch bei anderen Finanzierungsinstrumenten. Unser syndizierter Kredit auf Borrowing-Base-Grundlage ist der Eckpfeiler unserer Fremdfinanzierung.

Sie wollen zukünftig das Konsortium Ihres syndizierten Kredits, das derzeit aus 18 Banken besteht, verändern. Inwiefern?

Wir wollen die Regionalisierung unseres syndizierten Kredits nach Nord- und Südamerika sowie Asien vorantreiben und gegebenenfalls das derzeitige Kreditvolumen in drei SynLoans aufsplitten. Geplant ist, die Kredite weiterhin auf US-Dollar laufen zu lassen. Zudem würden wir probieren, auch zukünftig deutsches oder maximal englisches Recht anzuwenden. Wir wollen jetzt versuchen, dass gerade die brasilianischen und asiatischen Banken, die den Schuldschein gezeichnet haben, sich künftig auch bei dem syndizierten NKG-Kredit engagieren.

Haben Sie auch über ein US-Private-Placement nachgedacht?

Ja, das ist sicher eine gute Alternative. Allerdings war für uns bei einem US-Private-Placement die Laufzeiterwartungen der Investoren problematisch, da diese sehr viel länger als beim Schuldschein sind. Zudem stellen die Investoren stellen auf Fixed Assets als Besicherung des Private Placements ab, die wir als Handelsunternehmen in dieser Form nicht haben.

Herr Sielmann, vielen Dank für das Gespräch.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Der Rohkaffeedienstleister Neumann Kaffee Gruppe hat ein ausschließlich in US-Dollar denominiertes Schuldscheindarlehen platziert. Das Volumen beläuft sich auf insgesamt 70 Millionen US-Dollar. Das Papier läuft drei Jahre bis November 2015.

Auf US-Dollar lautende Schuldscheindarlehen sind noch sehr selten. Im Jahr 2012 gab es nur sehr wenige Transaktionen dieser Art im Markt. Das Schweizer Life-Science-Unternehmen Lonza hat beispielweise ein Schuldscheindarlehen mit einem Gesamtvolumen im Gegenwert von 170 Millionen Euro platziert. Der Schuldschein wurde in zwei Währungen mit Laufzeiten von drei, fünf und sieben Jahren begeben, wobei der Dollar-Anteil mit 60 Prozent größer war als der Euro-Anteil von 40 Prozent. Auch das österreichische Chemieunternehmen Borealis hat Ende 2012 einen Schuldschein mit zwei Währungstranchen – Euro und US-Dollar – begeben.

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.