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Quadriga-Partner Fendel: „Kurz vor der Ziellinie abgebrochen“

Andreas Fendel, Partner des PE-Investors Quadriga, glaubt, die schwierige Marktlage in diesem Jahr überwinden zu können.
Quadriga

Das Private-Equity-Geschäft in Deutschland läuft im Moment recht zäh, vor allem im mittleren Marktsegment, wo Quadriga zu den Marktführern zählt. Und auch von Ihnen hat man 2013 kein Neu-Investment gesehen. Wie ernst ist die Lage? 
Die Feststellung ist korrekt, dass der Markt schwierig ist. Alle PE-Investoren suchen nach Unternehmen, die von Megatrends profitieren. Auf der anderen Seite trauen sich viele keine Einschätzung zur aktuellen Geldpolitik zu. Deshalb kalkulieren sie bei den Kaufpreisen recht vorsichtig, während die Verkäufer darauf setzen, dass die Geldschwemme anhält. Man kommt einfach häufig nicht zusammen.

Ist Ihnen das auch passiert?

Ja, im vergangenen Jahr sogar vergleichsweise oft. Einige Male standen wir kurz vor der Ziellinie, mussten dann aber abbrechen, weil uns die Kaufpreiserwartungen der Verkäufer zu hoch erschienen.

Dieses Problem nehmen Sie ins neue Jahr mit, die Bewertungen scheinen ja weiter anzuziehen. 
Nicht quer durch die Bank, und es ist auch kein großes Problem. Wir arbeiten schon wieder an einigen interessanten Projekten und sind zuversichtlich, mindestens zwei davon in den nächsten Monaten auch abschließen zu können, und zwar ohne unsere Limits bei den Kaufpreisen nach oben zu verschieben. Wir spüren auch keinen großen Investitionsdruck, denn die Investitionsphase unseres neuen Fonds, der ein Volumen von 530 Millionen hat, läuft gerade erst seit zwei Jahren, und wir haben schon 30 Prozent der Mittel investiert. Auch wenn 2013 unerfreulich war: Wir liegen auf Kurs.

Das können viele PE-Investoren nicht behaupten – einigen läuft die Zeit davon.
Ja, aber das war schon immer so. Der deutsche Markt ist seit je her umkämpft, er ist schon immer unterversorgt gewesen mit guten Transaktionsgelegenheiten. Das Deal Sourcing war, ist und bleibt schwierig – alles nichts Neues. 

Fendel: „Branche entwickelt sich weiter – Quadriga auch“

Das stimmt, aber wir haben den Eindruck, dass es schlimmer wird: Die Anzahl der Transaktionen geht zurück, und mehr und mehr PE-Investoren spüren hohen Investitionsdruck.
Diese Einschätzung teile ich nicht. Sicher, die Anzahl der Wettbewerber wird eher größer als kleiner, inzwischen haben auch einige Fund of Funds wie zum Beispiel die Partners Group damit begonnen, direkt im deutschen Mittelstand zu investieren. Aber es gibt auch Aspekte, die sich verbessern.

Welche denn zum Beispiel?

Das Fundraisingumfeld hat sich 2013 deutlich entspannt, und ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend auch in diesem Jahr fortsetzen wird. Die institutionellen Investoren stellen wieder mehr Kapital für Private Equity zur Verfügung. Natürlich liegt das Kapitalangebot noch immer weit unter der Nachfrage, aber die Lücke ist deutlich kleiner geworden. 

Auch diese zusätzlichen Mittel müssen investiert werden – und der Markt ist, wie er ist. Verschärft das bessere Fundraisingumfeld das Problem nicht noch?
Nein, denn die Branche entwickelt sich weiter – das gilt natürlich auch für Quadriga. Wir nehmen das Entwicklungspotential von potentiellen Zielunternehmen heute viel genauer unter die Lupe als früher. Dafür mussten wir unsere industrielle Kompetenz deutlich ausbauen, aber dadurch können wir ruhigen Gewissens auch Unternehmen erwerben, bei denen noch Hausaufgaben zu erledigen sind, zum Beispiel ein Turnaround oder eine Expansion. Viele unserer internen Prozesse und Methoden sind im Vergleich zu vor fünf Jahren nicht mehr wiederzuerkennen, die Lernkurve ist steil. 

Mit Blick auf ähnliche Entwicklungen bei anderen PE-Investoren könnte man behaupten: Sie laufen schnell, um am Ende aber auf der Stelle zu treten. 
Das stimmt mit Sicherheit nicht. Die Weiterentwicklung unserer Strategie erfordert erhebliche Investitionen in unser Team und unsere Systeme. Es gibt nicht viele PE-Häuser im deutschen Mittelstand, die das auch so konsequent vorantreiben können wie Quadriga. Das verschafft uns einen Vorsprung. Unseren Investoren können wir den Erfolg unserer Strategie spätestens dann nachweisen, wenn wir trotz der schwierigen Marktlage genügend Transaktionen abschließen können und diese Investments sich dann auch gut entwickeln. Meiner Meinung nach wird das die Bruchstelle sein, an der sich der deutsche PE-Markt aufspalten wird: Wir werden relativ wenige sehr institutionalisiert funktionierende Anbieter sehen, die ihre Marktanteile tendenziell ausbauen werden und andererseits weniger institutionalisierte Anbieter, die nach einer gewissen Zeit den Markt wieder verlassen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de     

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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