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Reimann Family Office: „Keine Schiffe, sondern Direktinvestments“

Michael Riemenschneider investiert für das Family Office Reimann Investors auch in Unternehmen. Dabei sind Fintechs besonders gefragt.
Reimann Investors

Herr Riemenschneider, bei dem Family Office Reimann Investors verwalten Sie das Vermögen von Mitgliedern der Unternehmerfamilie Reimann, die sich Ende der Neunziger Jahre von ihrer Beteiligung am früheren Familienunternehmen getrennt haben. Die Anlagemöglichkeiten für Family Offices sind vielfältig, einige investieren in Oldtimer und Kunstsammlungen, in Wälder und Grundstücke, viele auch in Immobilien. Reimann Investors geht einen anderen Weg.
Ja, wir konzentrieren uns auf Kapitalmarktinvestitionen und auf Direktinvestments in Unternehmen. In andere Sachanlagen wie Immobilien, Grundstücke oder Schiffe investieren wir nicht. Der größere Teil der Mittel ist am Kapitalmarkt angelegt, dort kann man in liquide Titel investieren und Geld bei Bedarf jederzeit umschichten. Unsere Direktinvestitionen dagegen haben einen langfristigen Anlagehorizont. Im Gegensatz zu Private Equity- oder Venture-Fonds müssen wir unser Geld nicht nach einigen Jahren abziehen und haben keine zeitliche Obergrenze für unsere Beteiligungen. Das ist ein Kernargument, mit dem wir uns vom Wettbewerb abgrenzen.

Was muss ein Unternehmen mitbringen, damit Sie investieren?
Wir haben ein sehr enges Profil für Direktinvestitionen und setzen ausschließlich auf Expansionsfinanzierungen. Dort ist das Eigenkapital produktiv eingesetzt, und man hat eine hohe Wachstumsdynamik. Entsprechend sind die Unternehmen, mit denen wir arbeiten, noch recht jung. Allerdings müssen sie schon beweisen können, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert. Eine Anfangsfinanzierung für ein Start-up wäre uns zu riskant. In der Regel beteiligen wir uns zunächst über eine Kapitalerhöhung mit einer Minderheit am Unternehmen. Oft gehen wir dann in den Folgejahren in weiteren Finanzierungsrunden mit und bauen dadurch unsere Position aus. Wir sehen uns bei unseren Beteiligungen nicht als Investoren, sondern als aktiver Gesellschafter.

Das klingt, als ob Sie auf Mitspracherechten bestehen.
Wir sind nah am Unternehmen dran, formal wird dies in der Regel durch die Gesellschafterversammlung oder einen Sitz im Beirat oder Aufsichtsrat geregelt. Wenn aber ein solcher institutionalisierter Zugang der einzige Weg wäre, um mit dem Management in Kontakt zu treten, dann liefe etwas falsch. Uns geht es auch nicht darum, das Management zu kontrollieren. Es hat sich aber gezeigt, dass viele junge Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Dort können wir mit  unserer Erfahrung helfen. In dieser Hinsicht sind wir operativer aufgestellt als andere Family Offices.

Das Reimann Family Office investiert auch in Fintechs

Welche Themen bereiten Ihren Zielunternehmen denn immer wieder Schwierigkeiten?
Unsere Direktbeteiligungen erzielen Wachstumsraten von 50 Prozent und mehr im Jahr. In dieser Phase stehen die Unternehmer vor der Herausforderung, zum einen das operative Geschäft zu skalieren und zum anderen die Weichen für die Zukunft zu stellen. Mittelfristig muss sich die Geschäftsführung immer mehr aus dem operativen Tagesgeschäft herausziehen und sich auf strategische Themen konzentrieren. Als Gesellschafter haben wir die Aufgabe, die Unternehmer bei dieser Entwicklung zu unterstützen und die Unternehmensressourcen entsprechend zu gestalten. Häufig muss eine zweite Führungsebene geschaffen und das Personal aufgestockt werden. Diese Prozesse sind in der Regel für den Unternehmer neu, für uns jedoch nicht.

Man sieht Family Offices in der Regel nicht in großen Bieterverfahren. Finden Sie Ihre Beteiligungen im direkten Umfeld?
Ja, vornehmlich kommen die Anfragen für Beteiligungen aus unserem Netzwerk, das ja auch mit jeder Beteiligung weiter wächst. Ein Beispiel: Fintechs sind zurzeit im Trend, aber wir haben den Bereich schon 2008 für uns entdeckt und uns am Finanztechnologieunternehmen „Sofort“ beteiligt, dem Betreiber des Online-Zahlungssystems „Sofortüberweisung“. Hier haben wir unseren Anteil schrittweise von 30 auf mehr als 90 Prozent ausgebaut. Als die weitere Internationalisierung anstand, war klar, dass wir einen neuen Partner mit internationalem Netzwerk brauchen, daher haben wir das Unternehmen Ende 2013 an den schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna verkauft und uns gleichzeitig an Klarna beteiligt. Diese Transaktion hat uns in der Branche eine gewisse Bekanntheit verschafft. Außerdem investieren wir im Bereich E-Commerce. Aus diesen Branchen kommen regelmäßig Anfragen an uns.

Sehen Sie sich mit Ihrem Finanzierungsangebot als Konkurrenz zu einer Bank?
Ich würde uns nicht als direkte Konkurrenten bezeichnen, unser Angebot ist eher die Basis für eine ergänzende Zusammenarbeit mit Banken. Wir investieren unser Eigenkapital in Unternehmen, die langfristig aufgebaut werden müssen. Das bedeutet auch, dass wir die typischerweise anfallenden Anfangsverluste finanzieren. Das müssen Gesellschafter übernehmen und nicht die Banken. Wir arbeiten aber gern mit spezialisierten Banken zusammen, wenn es beispielsweise um die Finanzierung des Working Capitals geht. Für stark wachsende Unternehmen ist das immer ein wichtiges Thema.

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