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Restrukturierungswelle droht

Volkswagen gilt bei den Zulieferern als besonders harter Verhandlungspartner.
Volkswagen

Wo man sich umhört in der Branche der deutschen Autozulieferer, die Aussagen ähneln sich. Das finanzielle Polster vieler deutscher Mittelständler sei derzeit dünner als vor der Krise des Jahres 2008/2009. Betroffen sind dabei keineswegs Conti, Bosch, Schaeffler, ZF oder eine ElringKlinger, die mit ihren Margen fast Branchenbenchmark ist. Diese erwirtschaften alle sehr auskömmliche Margen. Es geht um die kleineren Betriebe bis zu 1 Milliarde Euro Umsatz. Alle klagen über den Klammergriff der OEMs. Nur ein gutes Jahr 2010 gestanden die Autobauer ihren Zulieferern zu, 2011 wurden die Preise bereits wieder nachverhandelt. Zugleich stiegen die Beschaffungspreise für Rohstoffe in vielen Fällen dramatisch an. Working-Capital musste finanziert werden. Zudem sicherten sich die Automotives gleich große Mengen zu hohen Preisen, da hohe Auftragseingänge vorliegen. Nun blicken viele Zulieferer in leere Kassen und fürchten den nächsten Nachfragerückgang.

Es wird interessant sein, wie sich die OEMs dann verhalten. Zwar sind diese ebenso bekannt wie gefürchtet für das Auspressen ihrer Zulieferer. Am Verschwinden der Lieferanten haben sie indes auch kein Interesse. Denn Konsolidierung bedeutet nichts anderes als steigende Preise. So werden die OEMs wie schon in der letzten Krise wieder darüber entscheiden, wen sie stützen, und wen sie fallen lassen.

Ein CFO, der bereits in der letzten Krise als damals noch branchenfremder Manager mit dem Unternehmen vor der Insolvenz stand, berichtete aus Restrukturierungsverhandlungen, dass die OEMs sich ohnehin immer als eigentliche Besitzer der Unternehmen angesehen hätten. Sie entschieden über Frühzahlungen und gewährte Preise, legten fest wer überlebt und wer fällt. So drängten die OEMs in seinem Fall auch die Finanzinvestoren aus dem Unternehmen, indem sie weitere Aufträge und Early-Payment-Zusagen zur Liquiditätssicherung an den Einstieg eines strategischen Investors knüpften. Am Ende kamen sie damit durch.

Das ist keine Ausnahme, sondern gang und gäbe im ständigen Kampf zwischen Päppeln und Pressen, den OEMs und Zulieferer austragen. Derzeit schlägt das Pendel wieder zugunsten der OEMs aus. Aber wie lange noch?

mark-christian.ollrog[at]finance-magazin.de