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Rheinmetall greift nach ThyssenKrupps U-Boot-Sparte

Rheinmetall produziert schon den Puma zusammen mit Krauss-Maffei Wegmann – geht da noch mehr?
Rheinmetall

Der deutschen Rüstungsbranche könnte ein großer Umbruch bevorstehen: Offenbar will Rheinmetall die Marinesparte von ThyssenKrupp übernehmen. Wie das Handelsblatt in Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, haben die Konzerne bereits erste Sondierungsgespräche geführt. Für Rheinmetall-CEO Armin Papperger und CFO Helmut Merch dürfte vor allem der U-Boot-Bau relevant sein. Um den Deal zu finanzieren, könnte das Unternehmen seine Automotive-Sparte an Thyssen-Krupp abgeben, heißt es in dem Bericht.

Die als KSPG AG geführte Automobilsparte (vormals Kolbenschmidt Pierburg) erzielte 2013 einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro bei einem Ebit von 115 Millionen Euro und beschäftigt 11.750 Mitarbeiter. Bereits vor zwei Jahren wollte Rheinmetall die Autosparte an die Börse bringen, hatte den Börsengang aber im Herbst 2012 im Zuge der Euroturbulenzen abgesagt. ThyssenKrupps Marinesparte erzielte zuletzt einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro, Ergebniszahlen weist der Dax-Konzern für den Geschäftsbereich nicht einzeln aus.

Rheinmetall-CFO Helmut Merch schielt auch auf Airbus

ThyssenKrupp-CFO Guido Kerkhoff steckt mitten in einem Restrukturierungsprogramm, das den weiteren Portfolioumbau explizit miteinbezieht. Beide Unternehmen waren für einen Kommentar nicht erreichbar.

Doch die Expansionspläne des Düsseldorfer Konzerns reichen noch weiter: Offenbar will er auch bei Airbus zugreifen und eine der beiden Töchter Atlas Elektronik oder Opronics erwerben. Atlas Elektronik ist auf Ausrüstung und Systeme für Über- und Unterwasser-Seestreitkräfte spezialisiert und ein  Zulieferer der Marinesparte von ThyssenKrupp. Mitte August berichteten Medien bereits davon, dass Airbus einen Ausstieg aus dem Bremer Unternehmen erwägt. Airbus hält derzeit noch 49 Prozent daran. Optronics stellt unter anderem Präzisionsmessgerät und Lasersysteme her.

Was will die Politik?

Die Abgabe der Rüstungssparte würde gut zur neuen Airbusstrategie passen, denn das Unternehmen scheint sich aus der Rüstungsindustrie zurückziehen zu wollen. Bis Ende 2016 sollen mit der Zusammenlegung der Sparten Defence und Space 5.800 Stellen gestrichen werden, das sei angesichts der der deutlich rückläufigen Verteidigungs- und Rüstungsausgaben der europäischen Regierungen unumgänglich, wie Airbus CFO Harald Wilhelm Ende Juni gegenüber FINANCE erklärte. Das Umsatzwachstum von Airbus wird vor allem durch den zivilen Bereich getrieben, weniger durch den Verteidigungssektor.

Zuletzt soll Rheinmetall um den Münchener Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW), eine Tochter der Kasseler Wegmann GmbH, werben. Die Unternehmen arbeiten bereits in mehreren Gemeinschaftsunternehmen zusammen und produzieren etwa den Kampfpanzer Leopard 2, den Schützenpanzer Puma und den Transportpanzer Boxer gemeinsam. Das KMW-Management jedoch zeigt den Düsseldorfern die kalte Schulter und forciert seinerseits einen Zusammenschluss mit der französischen Nexter Systems.

Doch noch könnten die nationalen Regierungen den Konzernen einen Strich durch die Rechnung machen. Bislang wachen die Verteidigungsminister nämlich argwöhnisch über den Erhalt ihrer nationalen Rüstungschampions. Aber angesichts der zunehmenden Auftragsflaute für die europäischen Rüstungskonzerne könnte es damit bald vorbei sein. Rheinmetall jedenfalls rüstet sich dem Anschein nach für seinen Aufstieg in die erste Liga der Industrie.

julia.becker[at]finance-magazin.de