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RWE: Städte fordern Umbau

Die kommunalen Aktionäre wollen eine Neuausrichtung von RWE - aber eher ohne Finanzinvestor.
Thinkstock/Getty Images

„Vorweggehen“ ist der Marketing-Slogan von RWE. Doch davon kann beim zweitgrößten deutschen Versorger vor der Hauptversammlung am Donnerstag keine Rede sein. Denn RWE steckt auch finanziell in einer tiefen Krise, und der Konzern um CEO Peter Terium und CFO Bernhard Günther hat noch nicht gezeigt, wie er aus ihr herauskommen will.

Das hat sich auch auf der turbulent verlaufenen Hauptversammlung von RWE am Donnerstag gezeigt. Auf der Veranstaltung in Essen wurden das Management und die Anteilseigner von Aktionärsschützern und Fondsmanagern scharf kritisiert. Terium erklärte auf der Veranstaltung, dass er eine Aufspaltung des Konzerns nach dem Vorbild von Konkurrent Eon nicht mehr kategorisch ausschließt.

Ein wichtiger Anteilseigner des Stromkonzerns sind die Städte, Kreise, Stadtwerke und Sparkassen, die 24 Prozent an der RWE halten. Sie werden vom Verband kommunaler Aktionäre (VKA) vertreten. Der VKA hat sich etwa zu Wort gemeldet, als Mitte März bekannt wurde, dass ein arabischer Investor an einer Zusammenarbeit mit RWE interessiert ist. Damals haben die Kommunen sich strikt gegen eine Kapitalerhöhung oder den Einstieg eines Finanzinvestors ausgesprochen.

VKA-Geschäftsführer Gerlach: „Modell des strategischen Investors“

„Es ist unseres Erachtens falsch zu glauben, dass nur über eine Maximierung der kurzfristigen Rendite eine Stärkung der Eigenkapitalbasis zu erreichen sei“, untermauert VKA-Geschäftsführer Ernst Gerlach im Interview mit FINANCE die Position der Kommunen. „Das in der deutschen Wirtschaft genauso anzutreffende Modell des strategischen Investors zeigt die alternative Möglichkeit auf“.

Während der Wettbewerber Eon beschlossen hat, sich aufzuspalten, schreckt RWE vor einem radikalen Schritt zurück – noch. „Wer seine Hausaufgaben in Sachen Restrukturierung rechtzeitig und gut erledigt hat, wird sich in der Zukunft zeigen“, kommentiert Gerlach das Manöver des Konkurrenten. „Ein aktueller Knaller allein reicht dazu nicht aus“.

VKA verlangt „Neuausrichtung des Geschäftsmodells“

Am Tag der Hauptversammlung scheint RWE weit davon entfernt, eine Strategie für die Zukunft zu haben. RWE ächzt, wie auch Deutschlands größter Stromversorger Eon, unter den Folgen der Energiewende: Der Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken lohnt sich kaum noch, weil der Ausbau erneuerbarer Energien den Strompreis im Großhandel in den Keller gedrückt hat.

Gerlach kündigt gegenüber FINANCE jedoch an, der VKA werde „den Vorstand dafür loben, dass er seine Aufgaben beim Kostenabbau erfolgreich auf den Weg gebracht hat“. Gleichzeitig werde der VKA das Management „bitten, sich nun intensiv auf die Neuausrichtung des Geschäftsmodells zu konzentrieren“.

„Immer zur falschen Zeit am falschen Ort“

Doch RWE hat neben den operativen auch bilanzielle Themen: Die immer weiter fallenden Rechnungszinsen treiben die immensen Rückstelllungen für Pensionen und nukleare Altlasten in die Höhe. Während die Nettofinanzschulden 2014 um 1,8 Milliarden Euro zurückgingen, nahmen die Pensions- und Nuklearrückstellungen von RWE um 1,6 Milliarden auf 18,2 Milliarden Euro zu. Alles zusammengerechnet stiegen 2014 die Nettoschulden des RWE-Konzerns sogar leicht von 30,7 auf 31,0 Milliarden Euro an, obwohl der Energieriese 1 Milliarde Euro aus Asset-Verkäufen erlöste und 5,6 Milliarden Euro Cashflow erwirtschaftete.

Analysten sind üblicherweise nicht für überspitzte Formulierungen bekannt. Die französische Großbank Société Générale brachte das Dilemma von RWE aber pointiert auf den Punkt: „Irgendwie schafft es der Konzern immer, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein“, schreiben die Bankanalysten in einer Studie zum Energiemarkt. CFO Bernhard Günther versucht bereits, mit Finanztransaktionen gegenzulenken: Das Eigenkapital stärkte der Konzern jüngst durch Ausgabe einer neuen Hybridanleihe über 1,25 Milliarden Euro.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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