Newsletter

Abonnements

Schmolz+Bickenbach kämpft gegen hohe Finanzierungskosten

Die Finanzierungskosten von Schmolz+Bickenbach sind zuletzt stark gestiegen.
iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Lage bei Schmolz+Bickenbach bleibt angespannt. In einem nach Konzernangaben schwierigen Marktumfeld vermeldete der Konzern für die ersten sechs Monate dieses Jahres ein operatives Ergebnis (EBITDA), das im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 28,4 Prozent auf 90,4 Millionen Euro zurückging (H1 2012: 126,3 Mio. Euro). Bereinigt hat der Konzern diese Werte um die Kosten für die Investorensuche, die anstehenden Maßnahmen zum Schuldenabbau und um Beratungskosten für Rechtsstreitigkeiten über insgesamt 5,6 Millionen Euro. Der Einstieg des russischen Investoren Viktor Vekselberg hatte für einigen Wirbel gesorgt. Das bereinigte EBITDA von Schmolz+Bickenbach liegt im ersten Halbjahr 2013 bei 96 Millionen Euro. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,74 Milliarden Euro. Schmolz+Bickenbach erklärt dies durch niedrigere Rohmaterialpreise und das allgemein niedrigere Preisniveau.

Netto-Finanzaufwand gestiegen

Nach wie vor beschäftigt das Unternehmen auch die Blockierung einer dringend benötigten Kapitalerhöhung. Nach der außerordentlichen Hauptversammlung am 13. September soll Klarheit herrschen, in welcher Höhe eine Kapitalerhöhung umgesetzt werden kann. Diese soll dann zügig kommen und könnte letztlich zwischen den 434 Millionen Franken liegen, die die S+B KG um die Konzern-Erben und das Vekselberg-Unternehmen Renova gefordert hatten, und den vom Verwaltungsrat avisierten 330 Millionen Franken, sagte Schmolz+Bickenbach-CFO Hans-Jürgen Wiecha heute in einer Telefonkonferenz zur Präsentation der Halbjahreszahlen. Dem CFO könnte eine Kapitalerhöhung bei weiteren Bankverhandlungen helfen.

Zwar hat Wiecha im März einen Etappensieg in Sachen Finanzierung errungen, die Finanzierungskosten des kriselnden Konzerns sind dadurch jedoch stark gestiegen. Die Anpassung der Konzernfinanzierung war dem Konzern zufolge mit zusätzlichen Gebühren und Margenerhöhungen verbunden. Im März hatten die Banken Anpassungen bei bestehenden Kreditverträgen von Schmolz+Bickenbach genehmigt. Die Finanzierungslinien haben ein Volumen von rund 930 Millionen Euro und laufen jetzt bis März und April 2015. Zudem ergeben sich höhere Finanzierungskosten durch die im Mai 2012 begebene Anleihe: Der Netto-Finanzaufwand ist im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich um 35,1 Prozent auf 45 Millionen Euro gestiegen. Höchster Kostenpunkt ist der um 14,4 Millionen Euro gestiegene Zinsaufwand. Die bessere Kapitalstruktur nach einer Kapitalerhöhung wäre eine Möglichkeit, die zurzeit teuren Finanzierungskonditionen mehr zu Gunsten des Stahlkonzerns zu verschieben. Das Konzernergebnis insgesamt fällt mit -18,9 Millionen Euro negativ aus, nach einem leichten Plus von 15,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Restrukturierung geht voran

Doch der Konzern sieht auch erste kleine Lichtblicke: Der Auftragseingang lag in allen Monaten bislang über dem Vorjahreszeitraum, die Programme zur Personalkostensenkung zeigen Wirkung. Die volle Wirksamkeit werde sich aber erst nach Ablauf von 2013  zeigen. Der Personalaufwand sank im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum um 23,3 Millionen Euro. „Mit den eingeleiteten Restrukturierungs- und Kosteneinsparungsprogrammen kommen wir gut voran“, teilt das Unternehmen mit. Etwa zwei Drittel der im Geschäftsjahr 2012 eingeleiteten Einsparungen über 35 Millionen Euro wirkten sich bereits 2013 positiv auf das bereinigte EBITDA aus. Man sei zuversichtlich, am Jahresende ein bereinigtes EBITDA von 150 bis 200 Millionen Euro zu erzielen. Die hohen Investitionen der vergangenen Jahre, ein Erbe der Buy-and-Build-Strategie, sind dem Unternehmen zufolge weitestgehend abgeschlossen. In diesem Jahr sollen die Investitionen auf ein moderates Niveau von unter 100 Millionen Euro gesenkt werden. Allzu viel jedoch dürfte der Konzern  bei den Investitionen nicht sparen können, sonst droht ein Investitionsstau.

Die zurückhaltenden Prognosen von Schmolz+Bickenbach stehen insgesamt auf wackeliger Basis: Sie setzen voraus, dass die Konjunktur, die Rohmaterialpreise und die Fremdwährungskurse des Schweizer Franken und des US-Dollar zum Euro stabil bleiben. CEO Johannes Nonn bestätigte heute auch, dass CEO und CFO Verträge mit Ausstiegsklauseln bei Mehrheitswechseln haben. Ob diese genutzt würde, hinge letztlich vom Vertrauensverhältnis zum neuen Verwaltungsrat und vom Festhalten an der aktuell erarbeiteten Strategie für Schmolz+Bickenbach ab. Die Entscheidung über den neuen Verwaltungsrat fällt ebenfalls am 13. September.

Info

Themenseite Schmolz+Bickenbach

Weitere Artikel zu den jüngsten Entwicklungen finden Sie auf der zugehörigen FINANCE-Themenseite zu Schmolz+Bickenbach.