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Schmolz+Bickenbach: Verwaltungsrat tappt bei Renova-Plänen im Dunkeln

Der Verwaltungsrat tappt im Dunkeln, was die Pläne der neuen Hauptaktionäre Renova und S+B KG für das Unternehmen angeht.
Thinkstock/Getty Images

Die Lage bei Schmolz+Bickenbach hat ein neues Stadium der Undurchsichtigkeit erreicht: Der Verwaltungsrat der AG weiß nach eigener Aussage weiterhin nicht, was er vom neuen Hauptaktionär, der Renova-Gruppe um den russischen Investor Viktor F. Vekselberg, zu erwarten hat. Die Gruppe hält über die Tochter Venetos Holding 25,3 Prozent der AG-Anteile und hat sich zudem mit der S+B KG um die Erben von Schmolz+Bickenbach zusammengeschlossen. Zusammen kommen sie als S+B/Renova-Gruppe auf 40,5 Prozent der Anteile.

Die Unruhe im Unternehmen steigt, wie eine Stellungnahme des Verwaltungsrats verdeutlicht. Ein von S+B/Renova vorgelegtes Übernahmeangebot von 2,85 Schweizer Franken pro Schmolz+Bickenbach-Aktie lehnte der Verwaltungsrat in seiner heutigen Stellungnahme erwartungsgemäß als zu niedrig ab. Der Verwaltungsrat kritisierte, der Bieter habe den laut Börsengesetz tiefsten zulässigen Angebotspreis offeriert. Laut Fairness Opinion der Bank Safra Sarasin wäre ein Angebot zwischen 3,95 und 5,70 Franken pro Aktie finanziell angemessen gewesen.

Renova will Wechsel im Verwaltungsrat

Auch ohne Übernahme weiterer Aktien ist jedoch klar, dass Renova eine gewichtige Rolle im Unternehmen spielen wird. Der Verwaltungsrat hat ein Memorandum of Understanding mit der S+B/Renova-Gruppe geschlossen, mit dem „ein geordneter Ablauf der Kontrollübernahme durch die S+B/Renova-Gruppe und die Durchführung der nötigen Kapitalerhöhung“ sichergestellt werden sollen. Dabei darf die Gruppe um Vekselberg eine Due Diligence vornehmen und wird zur Teilnahme an Bankengesprächen eingeladen. Sie wird entweder die Registersperre gegen die Kapitalerhöhung zurückziehen oder ein alternatives Angebot vorlegen.

Zudem drängt die Gruppe auf eine stärkere Vertretung im Verwaltungsrat.  Der Verwaltungsrat soll neu besetzt werden, „wobei die gegenwärtigen Mitglieder (soweit sie selbst oder Renova dies wünschen) zurücktreten werden“, teilt der Verwaltungsrat mit. Über die Wahlvorschläge der S+B/Renova-Gruppe soll eine außerordentliche Generalversammlung am 13. September abstimmen. Sieben aktuelle Verwaltungsräte haben am vergangenen Freitag bereits ihren Rücktritt zu diesem Tag angekündigt. Die S+B/Renova-Gruppe hat bislang fünf von sieben Vorschlägen für neue Verwaltungsratsmitglieder publiziert.

Änderungsklauseln für CEO und CFO

Heikel sind diese Entwicklungen auch aus einem anderen Punkt: CEO Johannes Nonn und CFO Hans-Jürgen Wiecha haben beide Klauseln im Vertrag, die ihnen erlauben, im Falle eines Kontrollwechsels der Gesellschaft sowie im Falle der Auswechslung einer Mehrzahl der amtierenden Verwaltungsratsmitglieder ihr Arbeitsverhältnis mit einer Frist von sechs Monaten zu kündigen. Dem CEO stünde eine Brutto-Abfindung von 4,4 Millionen Franken, dem CFO von 2,1 Millionen Franken zu. „Die allfälligen Absichten der Herren Nonn und Wiecha hinsichtlich dieser Kontrollwechselklauseln sind dem Ausschuss zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bekannt“, ließ Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder wissen.

Auch die S+B/Renova-Gruppe hat gegenüber den Verwaltungsräten anscheinend noch keine Details über ihre Führungsstrategie preis gegeben: „Der Ausschuss hat keine Kenntnis darüber, ob und gegebenenfalls welche personellen Änderungen auf Managementstufe erfolgen sollen.“ Dabei geht es um noch viel mehr als das Führungstableau, denn eine kontrollierende Stellung der Renova könnte auch den finanzierenden Banken und Gläubigern von Schmolz+Bickenbach das Recht geben, gewährte Kredite fällig zu stellen, fürchtet der Verwaltungsrat. In der aktuellen Situation des Stahlkonzerns dürfte ein frühzeitiger Ausstieg vielen Gläubigern attraktiv erscheinen.  

Nächster kritischer Termin ist nun der Donnerstag kommender Woche: Bis dahin soll der Verwaltungsrat entscheiden, ob die derzeit blockierte Kapitalerhöhung über 330 Millionen Franken ausgeführt wird oder ob der Verwaltungsrat ein alternatives Angebot der S+B/Renova-Gruppe annimmt.

Info

Themenseite Schmolz+Bickenbach

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