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Suhrkamp: Hans Barlach wäre der Verlierer einer AG-Umwandlung

Die Umwandlung von der KG in eine AG soll Suhrkamp die Rettung bringen. Für Minderheitsgesellschafter Hans Barlach wäre dies ein schwerer Schlag.
Thinkstock / Getty Images

Die Kulturelite gibt sich nur selten am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg die Ehre. Doch gestern waren Schriftstellergrößen wie Durs Grünbein, Andreas Maier und Rainald Goetz gekommen, um zu erfahren, wie es mit dem Suhrkamp Verlag weitergeht. Seit Jahren ringen die Verlagsgesellschafter, die mit 61 Prozent beteiligte Familienstiftung um Ulla Berkéwicz-Unseld und die Medienholding AG um Hans Barlach, um die Vormachtstellung im Verlag.

In ihren erbitterten Streit sind zahllose Geschäfts- und Finanzierungspartner mit hineingezogen worden – rund zweieinhalbtausend Gläubiger wären bei der Gläubigerversammlung von Suhrkamp stimmberechtigt. Ein erster Schritt zur Sanierung des Verlags ist nun getan: Die Gläubigergruppen haben sich vor Gericht auf ein Sanierungskonzept geeinigt. Der Insolvenzordnung zufolge muss das Gericht die Annahme des Insolvenzplans durch die Gläubigerversammlung nun bestätigen. Dies könnte rund vier Wochen dauern, sagte der gerichtlich bestellte Sachwalter Rolf Rattunde gegenüber der Agentur dpa. Ob das Gericht den Plan bestätigt, hängt auch davon ab, ob genug Grundkapital vorhanden ist. Gibt es grünes Licht, könnte Suhrkamp in wenigen Wochen die Insolvenz beenden und als AG neu auferstehen.

Barlach fürchtet um seinen Einfluss

Dies wäre ein schwerer Schlag für Hans Barlach, der über seine Medienholding 39 Prozent der Suhrkamp-Anteile hält. Barlach ließ den Insolvenzplan über seine Anwälte ablehnen. Ihm stehen Rechtsmittel offen. Er könnte demnach beispielsweise innerhalb von zwei Wochen Widerspruch gegen den Insolvenzplan einlegen.

Der Grund, weshalb Barlach gegen den nun gewählten Weg aus der Finanzierungskrise kämpfen dürfte: Durch die Umwandlung des Verlags in eine AG würde der Unternehmer weite Teile seiner Mitspracherechte verlieren. Ein Gesellschaftervertrag billigt ihm bei Suhrkamp zurzeit ein starkes Mitspracherecht bei wichtigen Geschäftsführungsentscheidungen zu, etwa beim Erwerb von Autorenrechten oder Immobilien. Hintergrund dieser ungewöhnlichen Regelungen ist der umstrittene Umzug des Verlags nach Berlin. Verlegersohn Joachim Unseld, ein Gegner des Umzugs, war damals noch mit 20  Prozent beteiligt. Um dessen Veto zu umgehen, willigte Barlach ein, Unselds Anteile mit aufzukaufen. Im Gegenzug, so monieren Kritiker rückblickend, habe sich Barlach sein Entgegenkommen durch Regelungen im Gesellschaftervertrag teuer bezahlen lassen.

Sollte der Verlag künftig als AG weiter bestehen, wären diese Sonderregelungen hinfällig. Als Aktionär könnte Barlach bei jeder Entscheidung der Hauptversammlung mit seinem Anteil von 39 Prozent abstimmen – aber keinen zusätzlichen Einfluss mehr ausüben. Bei normalen Entscheidungen, die mit einfacher Mehrheit getroffen werden können, wäre er damit dem Willen der Familienstiftung um Ulla Berkéwicz-Unseld ausgeliefert, die den Rest der Anteile hält. Barlach dürfte als Minderheitsaktionär dann weitgehend auf verlorenem Posten stehen.

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