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Takkt-CFO Tomaszewski: „Der Engpass liegt im Recruitment“

Takkt investiert unter CFO Claude Tomaszewski in den kommenden Jahren 50 Millionen Euro in Digitalisierungsprojekte.
Takkt AG

Eine Verdoppelung des E-Commerce-Geschäfts bis 2020, eine Veränderung der Organisationsstruktur, Investitionen in Mitarbeiter und neue Technologien: Takkt, ein Versandhändler für Geschäftsausstattung, hat sich in den kommenden Jahren viel vorgenommen.

Das Unternehmen besteht aus einer AG als Management-Holding mit sechs Sparten. Um die Digitalisierungsprojekte zu strukturieren, hat jede dieser Einheiten eigene Inhalte für die digitale Agenda beigesteuert. „Jede Sparte hat etwa 20 konkrete Maßnahmen eingebracht, die wir in sechs vorgegebene Handlungsfelder eingeteilt haben. Hinzu kommen die Maßnahmen zur Digitalisierung der Takkt AG, wie etwa die Gründung der Takkt Beteiligungsgesellschaft oder das konzernweite Traineeprogramm für ‚Digital Entrepreneurs‘. Aus all diesen Maßnahmen haben wir den Fahrplan und die benötigten Investitionen hochgerechnet“, sagt CFO Claude Tomaszewski.

Rund 50 Millionen Euro will Takkt bis 2020 investieren, der Großteil werde auf Technologie- und Personalinvestitionen entfallen. 

Takkt braucht Spezialisten für Digitalisierungsprojekte

Finanziell kann Takkt diese Investitionen gut verdauen. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Der Cashflow lag bei gut 125 Millionen Euro. „In der Budgetplanung gehen wir davon aus, dass wir 2017 etwa 20 Millionen Euro in Digitalisierungsmaßnahmen investieren werden, in den folgenden drei Jahren dann je 10 Millionen Euro“, sagt Tomaszewski.

Herausfordernd ist es aus seiner Sicht, die richtigen Spezialisten an Bord zu bekommen. „Der Engpass liegt nicht in der Finanzierung, sondern im Recruitment“, sagt der CFO. In den Marketing- und Finanzabteilungen seien beispielsweise Data Analysts und Data Scientists sehr gefragt, die es schaffen, aus einer Vielzahl an Daten die richtigen Trends und Informationen herauszulesen und damit Steuerungsimpulse zu geben.

CDOs begleiten Digitalisierungsprojekte der Sparten

Die Top-50-Führungskräfte des Konzerns hat Takkt bereits im vergangenen Sommer in Barcelona zu einer Schulung zusammengeholt, in der Breite gibt es Weiterbildungsangebote für alle Mitarbeiter. „Darin geht es um neue Arbeitstechniken wie agile Projektmanagementmethoden, aber auch um das Gesamtkonzept der digitalen Transformation. Die umfassenden internen Angebote dienen dazu, allen Kollegen und Mitarbeitern einen Eindruck zu verschaffen, welchen Wandel wir in der Organisation anstreben und was es dazu bedarf.“

Zum Start der digitalen Agenda hat Takkt in jeder Sparte auf Geschäftsleitungsebene einen Chief Digital Officer (CDO) berufen. Die Takkt AG hat zusätzlich einen CDO auf Bereichsleiterebene, der die Arbeit seiner sechs Kollegen in den Sparten koordiniert.

Takkt setzt auf Controlling der Digitalisierungsprojekte

Um zu verhindern, dass die Digitalisierungsprojekte am Ende wirkungslos verpuffen, setzt Takkt auf ein intensives Controlling: Ergebnisse und Fortschritt der Maßnahmen werden mithilfe einheitlicher Kennzahlen regelmäßig überprüft. Die CDOs und Mitarbeiter des Controlling bereiten die Daten auf – auch wenn dies in manchen Bereichen schwierig ist. „Man kann recht gut mit Daten darstellen, wie sich das E-Commerce-Geschäft entwickelt. Schwieriger wird es, wenn man sich Themenbereiche anschaut, die eher auf die Unternehmenskultur abzielen“, sagt Tomaszewski.

„Unser Ziel ist es, dass wir jedes Thema am Ende konkret abbilden können“, sagt der CFO. Um beispielsweise zu messen, wie stark die Digitalisierung in der Belegschaft verankert ist, schaut man sich bei Takkt nun an, wie viele Schulungen zu agilen Arbeitsweisen besucht wurden und welche Mitarbeiter das Gelernte im Alltag konkret anwenden. „Wenn wir die Fortschritte objektivieren, können wir mit den Sparten zielgerichteter diskutieren und besser voneinander lernen.“

Ein intensives Controlling der Digitalisierungsprojekte haben noch nicht alle Unternehmen eingeführt. In Umfragen hatten Controller zuletzt beklagt, in Digitalisierungsprojekte außerhalb ihres eigenen Bereichs häufig nicht eingebunden zu sein.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den Werdegang des Takkt-CFOs finden Sie im CFO-Almanach FINANCE-Köpfe im Steckbrief von Claude Tomaszewski

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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