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„Viele PE-Fonds werden nicht mehr weiter wachsen“

Diskussionsrunde auf der letztjährigen Super Return: Wegweisende Phase für Private-Equity-Investoren
ICBI

Worüber spricht die Branche am Vorabend der Super Return, des großen Branchentreffens, das nächste Woche in Berlin stattfinden wird?

Auf der positiven Seite über den sich lösenden Exit-Stau, über den Sie ja auch gestern schon als Ergebnis Ihres aktuellen Private Equity Panels berichtet haben. Die Dealpipeline füllt sich, und die Verfügbarkeit von Fremdfinanzierungen wird besser. Auf der anderen Seite ist und bleibt das schwierige Fundraising-Umfeld ein Thema. Fakt ist: Zahlreiche Fonds werden nicht mehr weiter wachsen können oder sogar kleiner werden. Damit geraten auch die Management-Gebühren und Teamgrößen unter Druck, was bei manchen Teams zu Motivationsproblemen führen könnte. Und auf Ebene der Portfoliounternehmen dominieren die Herausforderungen, die sich aus dem schwachen Wirtschaftswachstum im Euroraum ergeben. Viele Portfoliounternehmen lagen Ende 2012 nur noch mit Ach und Krach im Rahmen der Budgets, und die PE-Investoren müssen jetzt kreativ werden, um diese Situation zu verbessern.

Was heißt das konkret?
Es geht um viele Dinge, bei denen Kreativität gefragt ist, etwa beim Aufspüren von Wachstumsoptionen für die Portfoliounternehmen, zum Beispiel durch Add-on-Akquisitionen. Dafür sollten die PE-Investoren durchaus auch mal nach Südeuropa schauen, dort lässt sich im Moment vergleichsweise günstig zukaufen. Neue Wachstumschancen können aber auch in Innovationen, im Ausbau von Auslandsaktivitäten oder Servicemodellen liegen.

Kosten sind kein Thema im Moment?
Oh doch, ein großes. Die schnell wirkenden, naheliegenden Einschnitte haben viele Unternehmen schon gemacht, auch dort ist jetzt mehr Einfallsreichtum gefragt. Im Einkauf können viele Unternehmen ihre Lieferanten nicht mehr weiter drücken, jetzt müssen sie das Produktdesign verbessern oder neue Lieferquellen erschließen, wenn sie weitere Einkaufsvorteile erzielen möchten. Und für so manches Portfoliounternehmen ist jetzt auch der Zeitpunkt gekommen, einen strukturellen Umbau anzugehen und den Footprint zu überdenken. Einige CEOs und deren PE-Investoren fragen sich im Moment: Brauchen wir wirklich noch jeden einzelnen Fertigungs- und Logistikstandort in seiner heutigen Form? 

„Manchen PE-Fonds fehlt das Detailwissen“

Sind die PE-Investoren überhaupt dazu in der Lage, ihren Portfoliounternehmen in der aktuellen Situation zu helfen?
Nicht alle. Manche PE-Häuser werden merken, dass ihnen das Detailwissen fehlt, insbesondere die tiefe Sektorenkenntnis und das relevante Know-how für operative Wertsteigerung in ihren Portfoliofirmen. Wenn sie in der immer reifer werdenden PE-Industrie überleben wollen, werden sich die PE-Fonds spezialisieren müssen. Das gilt nicht nur für die Betreuung der Portfoliounternehmen, sondern auch für M&A-Deals, die inzwischen schon weit im Vorfeld vorbereitet werden müssen, wenn man einem Auktionsprozess zuvorkommen oder ihn am Ende zumindest gewinnen will.

Wie soll das gehen, wenn viele PE-Häuser gleichzeitig sparen müssen?
Viele Fonds wird das vor Herausforderungen stellen. Aber ein spezialisiertes Know-how und auch ein entsprechend ausgerichtetes Netzwerk werden in ein paar Jahren Standard sein. Wer das dann nicht hat, wird es schwer haben, den Erfolgskurs zu halten. Deshalb müssen die PE-Investoren ihre Spezialisierung selbst dann vorantreiben, wenn die Ressourcen weniger werden – notfalls auf Kosten anderer Vorhaben. 

Haben die deutschen PE-Investoren den Knall gehört?
Ja. Die Branche hat das erkannt und ist auf einem guten Weg.

Info

Tobias Eichner ist Partner der Strategieberatung Oliver Wyman und leitet dort die Private Equity Practice in Zentraleuropa.