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Wohin mit dem Gewinn?

Viele Mittelständler wissen nicht, wie sie mit ihren Überschüssen umgehen sollen: Ausschütten oder investieren?
Thinkstock/Getty Images

Dem Mittelstand geht es gut: Rund die Hälfte der Unternehmen ist mit den im vergangenen Jahr erzielten Gewinnen zufrieden. Aber wohin mit dem Geld?

Der Vorstand, die Mitarbeiter und die Eigentümer sind sich oft nicht einig, wofür das erwirtschaftete Geld verwendet werden soll. Dadurch entgehen den Unternehmen Chancen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Beratungshauses Deloitte.

Etwa 70 Prozent des Gewinnes wird bei den mittelständischen Unternehmen im Durchschnitt thesauriert, bleibt also im Unternehmen. Rund 30 Prozent werden dem Unternehmen entnommen oder ausgeschüttet. Laut Deloitte zeigt sich, dass Mittelständler mit höheren Entnahme- beziehungsweise Ausschüttungsquoten langfristig signifikant niedrigere Gewinne erzielen. Bei einigen Unternehmen werden bis zu 60 Prozent des Gewinns ausgeschüttet. Das kann ein Unternehmen auf Dauer stark belasten.

Konfliktpotential im Mittelstand

Vor allem in mittelständischen Unternehmen, in denen die Eigentümer nicht mehr operativ im Unternehmen tätig sind, kommt es häufig zu Konflikten mit den angestellten Managern über die bestmögliche Gewinnverwendung und über die Höhe der Ausschüttungsquoten. Die Familieninteressen können dann stark von denen des Unternehmens abweichen.

Insgesamt hat allerdings der CEO bei den meisten Mittelständlern den größten Einfluss auf die Zielbildung – und damit auch auf die Frage nach der Gewinnmaximierung und Gewinnverwendung. Bei 66 Prozent der Unternehmen übernimmt er die Federführung. In 57 Prozent der Unternehmen liegt die Zielbildung jedoch vor allem in den Händen der Eigentümer. Aber auch die Finanzchefs übernehmen in diesem Bereich eine wichtige Rolle bei den Mittelständlern. In 26 Prozent der befragten Unternehmen übernehmen die CFOs sogar die Federführung. Bei weiteren 38 Prozent sind sie am Entscheidungsprozess beteiligt.

Mehr Erfolg bei klaren Regelungen für die Gewinnverwendung

Gut ausgehandelte Gesellschaftsverträge, in denen auch die Gewinnverwendung genau geregelt ist, können Konflikte zwischen den einzelnen Parteien mindern. Davon profitiert das gesamte Unternehmen. In einigen Unternehmen sind beispielsweise auch Sonderentnahmen bereits vertraglich geregelt. Das kann anstrengende Machtkämpfe zwischen Vorstand und Eigentümern vermeiden. Es ist vor allem entscheidend bei älteren Unternehmen mit mehreren Familiensträngen auf der Eigentümerseite, da in diesem Firmen die Auseinandersetzungen deutlich komplexer sein können.

Ein weiterer Punkt in dem sich erfolgreiche von weniger erfolgreichen Mittelständlern unterscheiden, ist die Konkretisierung der Ziele. Währen einige Unternehmen Ziele als grobe Richtungsvorgabe ansehen, setzen andere auf genau definierte und messbare Zielvorgaben, wie zum Beispiel eine konkrete Ebitda-Margen. Unternehmen, die solche Ziele einsetzen und das Erreichen durch spezifisches Controlling auch nachvollziehen, sind in der Regel erfolgreicher. In diesen Fällen spielt in der Regel der CFO eine größere Rolle bei der Festlegung der Ziele und der Entscheidung darüber, wie man sie messbar macht.

Nachholbedarf für Mittelstand bei der Vergütung

Bei der Gewinnverwendung spielen im Mittelstand vor allem Investitionen und Wachstum eine große Rolle. 83 Prozent halten Investitionen in das eigene Personal für wichtig oder sehr wichtig. Dem folgen Investitionen in Technologie und Wachstum.

Gerade bei der Vorstandsvergütung verschenken Mittelständler laut Deloitte wichtige Möglichkeiten. Einige Unternehmen disqualifizieren sich selbst als attraktiver Arbeitgeber durch eine zu geringe Vergütung ihrer Top-Manager. Das ist vor allem relevant, weil die Managementkompetenz in den Unternehmen als wichtigster Schlüssel für den Erfolg gesehen wird. Um durch den Fachkräftemangel nicht abgehängt zu werden, sollten Unternehmen deshalb ihre Vergütungssysteme überdenken und einen Teil des Gewinns auch gezielt für die Incentivierung von Spitzenpersonal einsetzen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

In der Studie „Optimale Gewinnverwendung im Mittelstand“ von Deloitte wurden 70 mittelständische Unternehmen befragt. Darüber hinaus wurden 16 Fallstudien für die Analyse herangezogen. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl der befragten Unternehmen lag bei 755, der Umsatz bei 136 Millionen Euro.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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