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Air-Berlin-Chef Winkelmann kämpft um seinen Ruf

Der Ruf von Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hat in den vergangenen Monaten gelitten. Nun verteidigt der CEO sein Vorgehen beim Verkauf der insolventen Airline.
Jens Oellermann/Air Berlin

Während die Filetierung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin voranschreitet, beginnt Airline-Chef Thomas Winkelmann, um seinen Ruf zu kämpfen. Gegenüber dem Luftfahrt-Presse-Club legte Winkelmann die Gründe für die Pleite offen und verteidigt die damit einhergehenden Notverkäufe.

Winkelmann zufolge sei er im November 2016 engagiert worden, um die restlichen 80 Flugzeuge innerhalb von zwei bis drei Jahren „in einen sicheren Hafen zu bringen“, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Das hätte aber nur funktionieren können, wenn Großaktionär Etihad weiter Geld in den Air-Berlin-Konzern gepumpt hätte. Doch genau diese Unterstützung blieb aus: Im August dieses Jahres erklärte Etihad, keinen weiteren finanziellen Beistand mehr leisten zu wollen und schickte Air Berlin damit in die Insolvenz.

Finanzierungsstrategie war „wie ein Schneeballsystem“

Mit einem krassen Beispiel versucht Winkelmann jetzt, darzustellen, wie schlecht es um die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft bei seinem Dienstantritt stand: „Air Berlin hatte seit zwei Jahren nicht einmal mehr so viel Kredit, um einen VW Polo zu leasen.“ In zehn Jahren hatte Air Berlin 3 Milliarden Euro Verluste eingeflogen, Etihad musste immer wieder mit Finanzspritzen aushelfen. Insgesamt haben die Araber über Kapitalerhöhungen, viel zu teure M&A-Deals und diverse Schuldpapiere weit mehr als 1 Milliarde Euro in Air Berlin investiert.

Air Berlin hatte seit zwei Jahren nicht einmal mehr so viel Kredit, um einen VW Polo zu leasen.

Thomas Winkelmann, CEO von Air Berlin

Ulf Hüttmeyer, Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG

Von 1996 bis 2006 arbeitet Hüttmeyer als Analyst der Commerzbank im Bereich Kreditvergabe und Finanzierung. Seine Einsatzorte sind Bremen, Berlin und für drei Jahre auch Singapur. Anfang 2006 wird er zum Director ernannt. Kurz darauf, im Februar 2006, wechselt Hüttmeyer als CFO zu Air Berlin und ist seit Oktober 2012 Mitglied des Management Boards der Air Berlin Group.

Ende September 2014 übernimmt er zusätzlich eine Führungsaufgabe im globalen Finanzteam bei der Muttergesellschaft Etihad Airways, zu der er im Frühjahr 2015 komplett wechselt und im Zuge dessen seinen CFO-Posten bei Air Berlin aufgibt.

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Laut Winkelmann hat Air Berlin vor allem die falsche Strategie seit dem Börsengang im Jahr 2006 in den Ruin getrieben. Es sei ständig frisches Geld beschafft worden, mit dem dann Unternehmen wie LTU und DBA gekauft worden seien, um die Airline größer zu machen.

Letztlich habe das Management aber nicht darauf geachtet, die Zukäufe richtig zu integrieren. „Das war wie ein Schneeballsystem“, sagte Winkelmann und erhebt damit schwere Vorwürfe nicht nur gegen Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold, sondern auch gegen Ulf Hüttmeyer, der von 2006 bis 2015 CFO von Air Berlin war und damit für die vielen Finanzierungsmanöver verantwortlich zeichnete.

Piloten-Krankmeldungen störten Verkaufsprozess

Nach der Insolvenz von Air Berlin im Sommer dieses Jahres hatte sich eine bunte Bieterschar zusammengefunden, die sich für die gesunden Teile der Airline interessierte. Dazu gehörten Konkurrenten wie die Deutsche Lufthansa, Easyjet und Condor sowie die Unternehmer Rudolf Wöhrl und Niki Lauda.

Schließlich übernahm die Lufthansa große Teile von Air Berlin. Viele Strecken gingen auch an die britische Easyjet. Zu diesem Deal wäre es laut Winkelmann um ein Haar nicht gekommen, denn just an jenem Tag, als das Easyjet-Management in Berlin war, hatten hunderte Air-Berlin-Piloten Krankschreibungen eingereicht – Medienberichten zufolge aus Protest gegen die Restrukturierungs- und Verkaufspläne des Managements.

Die Easyjet-Delegation hätte dies massiv abgeschreckt. „Die sind abgereist. Wir haben sie aber wieder zurückgeholt“, berichtet Winkelmann. Der Warnschuss der Piloten drückte jedoch den Kaufpreis. „Easyjet hat ein echtes Schnäppchen gemacht“, meint Winkelmann.

Von der schlussendlich gefundenen Lösung zeigt er sich überzeugt: „Wir haben ein Unternehmen, das völlig kaputt war, erst einmal gerettet,” zitiert Reuters den Manager. Gut 80 Prozent der Air-Berlin-Mitarbeiter hätten nun die Chance auf einen sicheren Job.

Winkelmann verteidigt auch sein Millionengehalt

Auch zu seinem abgesicherten Millionengehalt äußerte sich Winkelmann. Der frühere Lufthansa-Manager erhält durch eine besondere Vertragskomponente trotz der Pleite Air Berlins große Teile seines Gehalts: Aufgrund einer Bankgarantie fließen Winkelmann bis 2021 insgesamt 4,5 Millionen Euro zu. Vor allem Arbeitnehmervertreter und Politiker hatten diese Vertragsklausel scharf kritisiert.

Die in schwerer Schieflage befindliche Airline habe ihm wegen der häufigen Wechsel an der Konzernspitze einen Vierjahresvertrag angeboten, berichtet das „Handelsblatt“. Seinerzeit habe Winkelmann noch nicht ahnen können, dass Etihad so schnell den Stecker ziehen würde.

Vor seinem Dienstantritt in Berlin hatte der Air-Berlin-Chef laut eigenen Angaben kaum etwas über das Insolvenzrecht gewusst. Nun als „Manager mit goldenem Fallschirm“ hingestellt worden zu sein, tue weh, beklagt sich Winkelmann.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Info

Lesen Sie die gesamte Geschichte des spektakulären Untergangs der zweitgrößten deutschen Airline auf unserer FINANCE-Themenseite zu Air Berlin.

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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