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Burkhard Schwenker: CFOs, habt eine langfristige Vision

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iStock / Thinkstock / Getty Images

Ein öffentliches Geburtstagsgeschenk der besonderen Art präsentierte Burkhard Schwenker, Nachfolger von Roland Berger an der Spitze der Beratungsgesellschaft und heute Aufsichtsratschef, dem legendären Berater zu seinem 75. Geburtstag. Herausgekommen ist ein lesens- und bedenkenswerter Band. Schwenkers Analyse der veränderten Anforderungen an Manager und ihre Führungsrolle im Strom der Zeit ist insbesondere für CFOs interessant. Schließlich zielt er mit einigen starken Thesen voll in ihren Verantwortungsbereich.

Doch zunächst zur Ausgangssituation, die Schwenker in eine Denkkette umsetzt. Wenn Trends nicht verlässlich sind (Volatilität), helfen Zahlen als Entscheidungsgrundlage nur bedingt weiter. Daher könne man nicht jede unternehmerische Entscheidung quantifizieren. Umso wichtiger sei ein Gespür für Technologie, Kundenbedürfnisse und grundlegende volkswirtschaftliche sowie für gesellschaftspolitische Strömungen. Kurzfristiges Denken hilft aufgrund der hohen Volatilität nicht weiter. Die Orientierung behalten Führungskräfte nur, wenn sie ein langfristiges Zukunftsbild haben. Und diese ist wiederum Voraussetzung dafür, dass CFOs und andere Führungskräfte einer ihrer Kernaufgaben nachkommen: Die Verunsicherung der Menschen infolge der Komplexität zu beruhigen. Dies kann nur durch Vertrauen in die Führung geschehen, argumentiert Schwenker und fordert von Unternehmensführungen, Sicherheit, Vertrauen plus die Integrität ein, „dies im Sinne der Mitarbeiter umzusetzen“.

CFOs müssen sich von quantitativen Modellen lösen

All dies relativiert die Bedeutung rein quantitativer Modelle in ihrer Bedeutung für  die Planung von Unternehmen. Schwenker wendet sich zugleich gegen die Shareholder-Value-Philosophie, die er als Irrtum entlarvt. Die neue Welt stelle weit höhere Anforderungen an CFOs sowie andere Konzernlenker, als nur die Zahlen im Griff zu haben: „Interdisziplinäre Ausbildung ist notwendig, um Muster zu erkennen.“  Darunter versteht der Mathematiker nicht arithmetische oder sonstige Reihen, sondern das Querdenken über unterschiedliche Bereiche hinweg, das nicht silohaft in einzelnen Bereichen stecken bleibt.

Zwar handelt Schwenker nicht exklusiv über CFOs. Doch richtet sich der Vorwurf, „Unternehmen würden zu stark finanziell geführt“ natürlich vor allem an CFOs.  Stattdessen muss gute Führung strategisch sein, gerade weil Unternehmen heutzutage anders als früher ständig und fortlaufend unter dem Druck zur Transformation stehen.

Unternehmen müssen beim Durchlauf des Lebenszyklus, dem Wachstumsimperativ befolge. Dabei sollten sie die Vertrauensorganisation einführen.  Wegweisende Brüche und Revolutionen von Geschäftsmodellen gibt es dabei selten. Daher habe Effizienz den Vorrang vor Innovation, aus Fehlern muss gelernt werden. Über allem steht: Führung muss sensibel gestaltet werden.

Ein Appell an alle CFOs

Gute Führung bedeutet deswegen für Schwenker vor allem, die Balance zu halten zwischen der Überforderung der Mitarbeiter durch zu viele Projekte und der Unterforderung, die zu Langeweile und As-Usual-Mentalitäten führt. Ebenso muss zwischen starker Fokussierung, die unternehmerische Spielräume einschränkt, und einer Verzettelung, die Komplexität treibt, vermittelt werden. CFOs, denen diese  Gratwanderung häufig gelingt, können sich für gute Führer halten. Gehören Sie dazu?
 
Buchtipp: Burkhard Schwenker/ Mario Müller-Dofel: Gute Führung. Über den Lebenszyklus von Unternehmen. Ein Essay und Interviews mit Franz Fehrenbach, Jürgen Hambrecht, Wolfgang Reitzle und Alexander Rittweger. Roland Berger School of Strategy and Economics. Köln 2012

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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