Newsletter

Abonnements

CFOs sehen in Energiekosten neues Risiko

Energiewende in Deutschland: Die CFOs rechnen mit steigenden Kosten.
Thinkstock / Getty Images

Die Optimisten gewinnen unter den CFOs wieder die Oberhand. „Die Unternehmen stehen wieder in den Startlöchern“, sagt Dr. Alexander Börsch, Leiter Research bei Deloitte bei der Präsentation der aktuellen Deloitte CFO Survey, in deren Rahmen 124 deutsche CFOs aus verschiedenen Branchen im März dieses Jahres befragt worden sind. Rund 60 Prozent schätzen die Konjunkturaussichten heute positiv ein, der Indexwert für die Umsatzerwartungen stieg von 3 auf 42 Prozent. Zu ähnlichen Ergebnissen ist auch das vierte FINANCE CFO Panel, das dieses Frühjahr erhoben wurde, gekommen: Nach der trüben Stimmung vom Herbst 2012 erwarten CFOs jetzt wieder mehr Umsatz und Gewinn.

Dennoch treten die Finanzchefs Deloitte zufolge bei Investitionen auf die Bremse. „Im Zeitablauf sind die Erwartungen der CFOs sehr volatil und es gibt eine Lücke zwischen optimistischen Konjunkturerwartungen und defensiven Unternehmensplanungen. Dies deutet darauf hin, dass der erwartete Aufschwung nicht geradlinig, sondern eher im Stop-and-Go-Modus verlaufen dürfte“, erklärt Börsch weiter.

Die positive Grundstimmung hat auch Auswirkungen auf das Aufgabenportfolio der CFOs. Ihr Fokus hat sich innerhalb eines Jahres deutlich gewandelt: Eurokrise, instabiles Finanzsystem und Rezessionsängste, die im vergangenen Jahr die Gemüter der Finanzchefs bewegt haben, treten derzeit in den Hintergrund. Glaubten vor einem Jahr noch mehr als die Hälfte der deutschen CFOs, dass der Euro-Währungsraum in den kommenden Jahren schrumpfen oder gar auseinanderbrechen wird, rechnet jetzt mehr als die Hälfte der befragten CFOs damit, dass die Euro-Zone stabil bleibt.

Steigende Energiekosten bereiten CFOs Sorgen

Stattdessen bekommen die Finanzchefs neue Risiken auf den Radar. Der neue Risikofaktor Nummer eins sind die Energiekosten. Für 45 Prozent stellen sie ein hohes Risiko dar, in der Fertigungsindustrie sind es 58 Prozent. Schon im vergangenen Herbst, rechneten mehr als ein Drittel der damals 125 befragten deutschen Finanzchefs mit steigenden Energiekosten. „Die Gefahren aus der Energiewende sind auf dem Radar der CFOs sehr weit oben“, sagte Börsch damals. Bei der Energiewende selbst sehen die CFOs derzeit zudem eher die Risiken als die Chancen. 70 Prozent fürchten steigende Kosten, knapp die Hälfte geht von einer fehlenden Beständigkeit in den Rahmenbedingungen aus. Für das eigene Unternehmen wollen die meisten CFOs die Energieeffizienz erhöhen und die Energiebeschaffung optimieren, um dadurch die Kosten soweit es geht zu optimieren.

Mittelfristig wird auch die Inflation für die CFOs ein Thema. Während 97 Prozent der CFOs auf kurze Sicht weniger als 3 Prozent Inflation erwarten, so ändert sich das auf Sicht von drei Jahren. Über ein Drittel der CFOs erwartet dann eine Inflationsrate von 3,0 bis 3,9 Prozent.

CFOs wollen IT-Landschaften harmonisieren

Neben den neuen externen Risikofaktoren, die die Finanzchefs derzeit beschäftigen, haben sie auch intern verschiedene Projekte auf der Agenda. Stolze 82 Prozent wollen der Deloitte-Studie zufolge ihre Prozess- und IT-Landschaft standardisieren. Die Gründe hierfür sind naheliegend: Unternehmen wollen Kosten einsparen und zwischen einzelnen Landesgesellschaften mehr Synergien heben.

So ist es auch bei Lekkerland: Neu-CFO Edgar Lange erbt bei dem Lebensmittel- und Tabakgroßhändler ein extrem wichtiges SAP-Projekt, mit dem der Konzern innerhalb von drei Jahren einheitliche, standardisierte IT-Strukturen schaffen will. Doch solche IT-Megeprojekte sind nicht einfach umzusetzen wie das Beispiel der Otto Group zeigt: Der Hamburger Handels- und Dienstleistungskonzern musste im Herbst sein IT-Megaprojekt „Passion for Performance“ (P4P) abbrechen – das Vorhaben hatte sich als zu komplex herausgestellt, das Management den Überblick verloren. Otto-CFO Jürgen Schulte-Laggenbeck musste die Verantwortung übernehmen und das IT-Ressort abgegeben. CFOs, die IT-Verantwortung haben und solche Großprojekte starten wollen, sollten gewarnt sein.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.