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Coronakrise: Wie viel Zeit hat Condor noch?

Condor leidet massiv unter der Coronakrise. Wie lange kann der Ferienflieger der Krise noch standhalten?
Condor

Insolvenzverfahren, geplatzter Distressed M&A Deal und dann die Coronakrise: Kaum ein deutsches Unternehmen ist so gebeutelt worden wie Condor. Eigentlich glaubte der Ferienflieger, nach Abschluss des Schutzschirmverfahrens im November 2020 fit genug zu sein, um auch noch die Coronakrise zu überstehen. Doch selbst mit schlankesten Kostenstrukturen und einer Zweitverwendung einzelner Ferienflieger als Cargojets verbrennt Condor derzeit – glaubt man Berichten aus dem Unternehmensumfeld – rund 20 Millionen Euro pro Monat.

Deshalb kämpft das Management nun ein weiteres Mal um eine Finanzspritze und verhandelt darüber sowohl mit der Bundesregierung als auch mit angeblich interessierten Investoren. „Wir können bestätigen, dass wir uns derzeit mit den Möglichkeiten zu einer finanziellen Unterstützung für Condor auseinandersetzen und dazu konstruktive Sondierungsgespräche führen“, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber der „F.A.Z“. 

Laut Informationen des „Handelsblatts“ geht es um eine Summe von rund 150 Millionen Euro. Am wahrscheinlichsten ist eine erneute Stütze durch den Staat. Falls es tatsächlich dazu käme, wäre dies bereits die dritte Staatshilfe für Condor. Im Herbst 2019, nach dem Zusammenbruch des Mutterkonzerns Thomas Cook, sprang Berlin Condor mit einem 380 Millionen Euro schweren Überbrückungskredit zur Seite, nach dem Platzen der geplanten Übernahme durch die polnische Airline LOT im April 2020 schoss Berlin weitere 550 Millionen Euro zu. Wie viel Zeit hat Condor noch, bevor die Liquidität zur Neige geht? 

Condor läuft die Zeit davon

Die Lage ist klar: Condors Kassen sind so gut wie leer. Wie eng es ist, gibt Condor nicht preis. Aber sicher ist, dass weit über die Hälfte des Darlehens weg ist: 256 Millionen Euro nutzte die Airline, um das erste Staats-Darlehen abzubezahlen. 40 Millionen Euro soll die Airline für das Schutzschirmverfahren ausgegeben haben. 

Übrig blieben also noch rund 250 Millionen Euro, von denen Condor nun schon seit elf Monaten zerrt. Stimmen die Gerüchte um den Cash-Burn von 20 Millionen Euro pro Monat, wäre es für Condor fünf vor zwölf. Gemäß dieser Rechnung lägen aktuell nur noch rund 30 Millionen Euro in der Kasse – vermutlich zu wenig, um bis zum wichtigen Sommerreisegeschäft durchzuhalten.

Profitiert Condor von der Schwäche der Wettbewerber?

Da Condor traditionell zwischen Juni und September das Geld für den langen, cashflow-negativen Winter verdient, bräuchte es für eine stabile Überlebensperspektive vermutlich nicht nur eine neuerliche Finanzspritze, sondern auch ein Wiederanspringen von Urlaubsreisen im Sommer.

Dann aber hätte Condor womöglich tatsächlich eine Perspektive: In dem vor wenigen Wochen veröffentlichten Geschäftsbericht prognostiziert Condor im Zeitraum Dezember 2020 bis November 2021 zwar 41 Prozent weniger Flüge als im Geschäftsjahr 2018/2019. Doch wegen „verschiedener kostenseitiger Effekte, insbesondere dem gegenüber Vorjahren niedrigeren Kerosinpreis sowie der im Schutzschirmverfahren erzielten Kostensenkungen“ glaubt das Management, mit dieser Auslastung einen Gewinn von 8 Millionen einfliegen zu können. Als Grund für ihren Optimismus führt die Condor-Führung auch die Schwäche der Konkurrenz an: die geplante Halbierung der Flotte von TUI fly, die Liquidation von Sun Express Deutschland und die Einstellung des Flugbetriebs von Laudamotion.

Condor: Wann Finanzinvestoren zuschlagen könnten

Die Tonalität im Geschäftsbericht schwankt zwischen Zweckoptimismus und Warnungen: So schreibt Condor Stand März, dass „trotz bilanzieller Überschuldung keine bestandsgefährdenden Risiken bestehen, da die Zahlungsfähigkeit von Condor mittelfristig gesichert ist“. Bei der Untersuchung zu dem Sachverhalt „Beurteilung des Vorliegens von Insolvenzeröffnungsgründen“ habe PwC eine positive Fortbestehungsprognose testiert.

Im Geschäftsbericht steht aber auch: „Wegen der Entwicklung der Pandemie können potenzielle Abweichungen zwischen prognostizierten und tatsächlichen Ergebnissen wahrscheinlich wesentlich größer sein als in der Vergangenheit.“

Mögliche Kaufkandidaten wie die Finanzinvestoren Apollo und Greybull dürfte diese unsichere Perspektive abschrecken – zumal sie keine Angst zu haben brauchen, dass ihnen kurzfristig ein strategischer Käufer Condor vor der Nase wegschnappt. Für Finanzinvestoren könnte der Moment für eine Übernahme gekommen sein, wenn die Corona-Pandemie überwunden ist und Condor bewiesen hat, auch in einem Umfeld mit geringerer Nachfrage profitabel fliegen zu können. Dies könnte nächstes Jahr der Fall sein, aber eher nicht mehr im Lauf von 2021. 

Damit käme wieder der Bund ins Spiel, um mit einer dann dritten Finanzspritze Condor noch einmal über Wasser zu halten. Die in der Presse gehandelten 150 Millionen Euro dürften dafür aber nicht reichen. 

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.