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Deutsche Wirtschaft schwächelt

Durch die Schuldenkrise schwächelt auch die deutsche Konjunktur. Aber noch sieht es gut aus, glauben Ökonomen - im Gegensatz zu anderen Ländern der Eurozone.
Victor Correia_iStock_Thinkstock_Getty Images

Es mehren sich die Hiobsbotschaften von der Konjunkturfront. Nach dem überraschend starken Rückgang des ifo-Geschäftsklima-Index im Mai, Ist auch der Einkaufsmanagerindex der Londoner Unternehmensberatung Markit deutlich unter den Erwartungen geblieben: Für die deutsche Industrie ging er im Mai um 1,2 Punkte auf 45 Punkte zurück, in der Eurozone liegt er nach einem Rückgang von 0,9 Punkten ebenfalls bei 45 Zählern. Erst ein Wert von über 50 Punkten deutet auf Wachstum hin. Nach einem überraschend starken ersten Quartal, in dem die deutsche Volkswirtschaft um 0,5 Prozent zugelegt hatte, droht der Wachstumslokomotive der Eurozone nun schon wieder die Puste auszugehen.

„Unternehmen gehen nicht in die Eisen“
„Die Unternehmen sind wegen der Schuldenkrise verunsichert und halten sich mit Investitionen zurück“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus, gegenüber FINANCE. „Voll in die Eisen gehen sie aber nicht.“ Er warnt deshalb davor, die Daten überzubewerten und verweist auf die Subindikatoren. So beurteilen Unternehmen ihren Geschäftsausblick laut Ifo mit100,9 Punkten immer noch deutlich besser als Ende 2011, und der Markit-Index für Dienstleistungen ist mit 52,2 Punkten weiterhin stark. Zwar lasse der Export,  der das BIP-Wachstum im ersten Quartal noch maßgeblich angetrieben hatte, im Sommer nach; im Gegenzug werde der private Konsum in den kommenden Monaten aber anziehen, glaubt HSBC-Ökonom Schilbe.

Seine Bank ist daher für die deutsche Wirtschaft verhalten optimistisch: „Wir rechnen nicht mit einer Rezession in Deutschland und halten an unserer Wachstumsprognose von 0,8 Prozent in diesem Jahr fest.“ Auch Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland der UniCredit, glaubt nicht, dass Deutschland im Jahresverlauf in die Rezession rutschen wird. Im Gegenteil: Im kommenden Jahr hält er sogar eine positive Überraschung für möglich.

Die Volkswirte der Commerzbank sind etwas pessimistischer: Sie haben ihre BIP-Prognose für das zweite Quartal revidiert und rechnen nun mit einem leichten Minus. Weil das dritte Quartal aber wieder stärker werde, komme Deutschland aufs Jahr gerechnet an einer Rezession vorbei.
Im Rest der Eurozone ist das anders. Hier macht die Kreditklemme den Unternehmen zu schaffen, während Steuererhöhungen den privaten Konsum lähmen. Für Spanien und Italien rechnet HSBC Trinkaus deshalb mit einem Minus von 2 Prozent, die gesamte Eurozone wird laut Prognose in diesem Jahr um 0,6 Prozent schrumpfen, die Commerzbank rechnet mit einem Minus von 0,4 Prozent.

redaktion[at]finance-magazin.de