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Diese Spitzenbanker müssen vor dem Wirecard-Ausschuss aussagen

Nun sind die Banken dran: Mehrere prominente deutsche Bank-Vorstände müssen vor dem Wirecard-Ausschuss aussagen.
picture alliance/dpa/Kay Nietfeld

Der Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag zur Aufklärung des Milliarden-Betrugsskandals bei Wirecard ist in vollem Gange. Seit Anfang Oktober wurden 15 Personen befragt, darunter auch der „Financial Times“-Journalist Dan McCrum, der die Aufklärung des Skandals erst ins Rollen brachte. Auch die Rolle der Prüfer wurde näher beleuchtet: Neben Alexander Geschonneck von KPMG wurden auch zwei Zeugen von EY gehört. Aufgrund ihrer Weigerung auszusagen, verhängte der Untersuchungsausschuss ein Ordnungsgeld von jeweils 1.000 Euro. Dokumente der Prüferaufsicht APAS sollen die Wirtschaftsprüfer von EY teilweise schwer belasten. Die Prüfer von EY selbst berufen sich noch auf ihre Schweigepflicht.

Wenig aussagekräftig war bisher auch die Zeugenvernehmung von Ex-Wirecard-CEO Markus Braun, der mit seiner Aussage ebenfalls viele Fragen offen ließ. Nun könnte eine andere Gruppe womöglich Licht ins Dunkel bringen: FINANCE-Informationen zufolge sind in Kürze die Banken an der Reihe, den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Betroffen sind demnach mehrere namhafte deutsche Spitzenbanker.

Commerzbank, Deutsche Bank und Co. müssen aussagen

Neben Commerzbank-CEO Martin Zielke und Risikovorstand Marcus Chromik soll auch Deutsche Bank-Chef Christian Sewing eine Vorladung erhalten. Außerdem auf der Liste: Marcus Kramer, Chief Risk Officer bei der BayernLB, LBBW-Boss Rainer Neske sowie Klaus Michalak, Chef der staatlichen KfW IPEX Bank. Auf diese Namen haben sich die Obleute der Fraktionen in ihrer heutigen Sitzung verständigt. FINANCE-Informationen zufolge soll auch Wolfgang Fink, der die Geschäfte von Goldman Sachs in Kontinentaleuropa verantwortet, zu den Personen gehören, die die Obleute vor dem Ausschuss sehen wollen. Fink leitete viele Jahre gemeinsam mit Jörg Kukies das Goldman-Sachs-Geschäft in Deutschland und Österreich.

Die finale Abstimmung über die betroffenen Personen erfolgt zwar erst am morgigen Donnerstag, FINANCE-Informationen zufolge wird das heutige Ergebnis aber aller Wahrscheinlichkeit nach von den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses bestätigt werden. Dafür sprechen zwei Gründe: Zum einen waren sieben der neun Ausschussmitglieder bereits in die heutige Abstimmung zwischen den Fraktionen involviert. Zum zweiten hätten die Ausschussmitglieder bisher stets eine einvernehmliche Lösung für die Vorladungen gefunden, wie aus informierten Kreisen verlautet. Auf FINANCE-Anfrage kommentierten die betroffenen Banken den Sachverhalt nicht.

Wirecard-Ausschuss bohrt bei Brückenkrediten nach

Der Untersuchungsausschuss will mithilfe der Banken vor allem die politischen Aspekte der Wirecard-Pleite aufklären: „Wir wollen wissen, was die teilstaatliche Commerzbank mit Staatssekretär Jörg Kukies im Vorfeld des Insolvenzantrags von Wirecard besprochen hat“, sagt Ausschussmitglied Fabio De Masi von der Linken gegenüber FINANCE. „Außerdem muss geklärt werden, warum die Commerzbank-Analystin Heike Pauls so aggressiv gegen Dan McCrum vorging.“ 

Ein weiteres Thema in dem Ausschuss sollen die Brückenkredite sein, die Deutsche Bank und Commerzbank für den Hermes-Deal von Wirecard in Indien aus dem Jahr 2015/16 bereitgestellt haben, obwohl der Kaufpreis – nach heutigen Erkenntnissen – wohl deutlich überhöht war. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass hier angesichts von jeweils 125 Millionen Euro Kreditvolumen keine Due Dilligence stattfand“, kritisiert der finanzpolitische Sprecher und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken.

„Wir wollen wissen, was die teilstaatliche Commerzbank mit Staatssekretär Kukies im Vorfeld des Insolvenzantrags besprochen hat.“

Fabio De Masi, die Linke

Banken haben bei Wirecard viel Geld verloren

Die vorgeladenen Banker können der Vorladung nicht einfach fernbleiben. Sie können von den Parlamentariern aber auch nicht zu einer Aussage gezwungen werden. Allerdings dürfte es auch im Interesse der Banken sein, dass der Bilanzskandal zügig aufgeklärt wird, schließlich sind sie als Kreditgeber selbst und teilweise auch ihre Kunden Geschädigte. Commerzbank, Deutsche Bank, LBBW und die KfW-IPEX Bank gewährten Wirecard vor dem Zusammenbruch großzügige Kredite im Umfang von zusammen fast 700 Millionen Euro. 

Die Commerzbank stellte Medienberichten zufolge Wirecard eine Kreditlinie über 200 Millionen Euro mit einer Laufzeit bis 2024 bereit. 175 Millionen Euro davon musste das Finanzinstitut im zweiten Quartal 2020 bereits abschreiben. Fast genauso viel Geld setzte die LBBW in den Sand. Die Landesbank aus Baden-Württemberg hatte Wirecard einen Kredit über 200 Millionen Euro gewährt, wovon sie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 160 Millionen Euro abschreiben musste. Zudem sah sich die LBBW gezwungen, ihre Risikovorsorge unter anderem aufgrund des geplatzten Wirecard-Kredits im ersten Halbjahr 2020 zu verfünffachen.  

KfW und Deutsche Bank mussten auch bluten

Die staatliche KfW IPEX Bank gewährte Wirecard 2018 zunächst eine Kreditlinie über 100 Millionen Euro und verlängerte diese trotz kritischer Medienberichte ein Jahr später – scheinbar ohne den Kredit gegen Verluste abzusichern, so der Verdacht. Nach Informationen von „WDR“, „NDR“ und „Süddeutscher Zeitung“ sind von dem Kreditengagement 86 Millionen Euro verloren.

Vergleichsweise glimpflich davon gekommen ist die Deutsche Bank. Sie gab Wirecard eine Finanzspritze von 80 Millionen Euro. Einen Privatkredit an Markus Braun in Höhe von 150 Millionen Euro konnte das Geldhaus offenbar mit Hilfe der Notverkäufe eines Großteils von Brauns hinterlegten Wirecard-Aktien ablösen, wie das „Manager-Magazin“ berichtet.

Den Bankmanagern, die vor den Untersuchungsausschuss treten müssen, bleiben noch gut vier Wochen Zeit, um sich auf ihre Aussage – wenn es denn dazu kommt – vorzubereiten. Die Zeugenaussagen alle sieben Bankvorstände ist in der aktuellen Planung für den 14. Januar 2021 terminiert. Der Untersuchungsausschuss zu Wirecard soll seine Arbeit bis zum Sommer 2021 beenden.

redaktion[at]finance-magazin.de

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Update: 10. Dezember 2020, 15.01 Uhr

Der Untersuchungsauschuss bestätigt die Vorladung der von FINANCE genannten Banker.

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Der Skandal bei Wirecard ist der größte Bilanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Bleiben Sie auf dem Laufenden über die neuesten Entwicklungen bei der Aufklärung des Falls mit unserer Themenseite zu Wirecard.

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