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EEG sorgt für Unmut in der Industrie und negative Preise am Spotmarkt

Das Scheitern der nationalen Regulierung internationaler Energiemärkte führt zu einer Energiewende.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die deutschen Industriekunden freuen sich angesichts des milden Winters über sinkende Energiepreise. Im Dezember sanken die Preise am Spotmarkt, die die Basis auch für längerfristige Kontrakte bilden, pro Megawattstunde um 2,3 Prozent auf unter 46 Euro. Sie drehten sogar kurzfristig in den negativen Bereich – eine Folge des Vermarktungsvorrangs des grünen Stroms. Auch im Januar blieben die Preise an der Europäischen Energiebörse EEX niedrig. Der von Erneuerbaren Energien geflutete billige Spotmarkt macht es möglich und treibt die Nachfrage.  Ein weiterer Grund: Die CO2-Zertifikate, die derzeit im Übermaß vorhanden sind, lösen derzeit keine Risikoaufschläge mehr auf die Stromfutures aus.   

Dennoch ist die Lage mitnichten friedlich. Nach dem bewährten Sankt Florians-Prinzip wehrt sich die deutsche Stahlindustrie gegen die jüngst von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) vorgebrachten Vorschläge zur Subventionskürzung: Verschon mein Haus, zünd’ andere an. Die Altmaier-Pläne ließen die Kosten für die deutsche Stahlindustrie durch das EEG von geschätzten 258 Millionen Euro 2013 auf rund 400 Millionen Euro im Jahr 2014 steigen, rechnet die Wirtschaftsvereinigung Stahl vor. Jeder Arbeitsplatz der deutschen Stahlindustrie würde so mit 4.500 Euro belastet, argumentieren die Lobbyisten. Dies wäre ein klarer Wettbewerbsnachteil in einer ohnehin schwierigen Wettbewerbssituation in Europa. Wer möchte ihnen widersprechen, wenn Konkurrenten wie Voestalpine derzeit etwa die niedrigen Gaspreise in den USA zur (Wieder-)Inbetriebnahme neuer Schmelzen nutzen.

Zudem versuchen die energienintensive Unternehmen ihre Rolle als Buhmann für steigende Endverbraucherpreise zu relativieren. Ohne Ausnahmen für die energieintensiven Industrien etwa wäre die EEG-Umlage in den Jahren 2011 und 2012 rund 0,6 Cent pro Kilowattstunde niedriger ausgefallen. 2013 soll die EEG-Umlage bekanntlich auf 5,3 Cent steigen, dann läge die Differenz ohne Ausnahmen für die energieintensiven Industrien bei  1,06 Cent pro Kilowattstunde.

Fracking verschiebt Gefüge im internationalen Energiemarkt

Immer deutlicher zeigt sich, dass der deutsche Alleingang in der Energiewende ungeahnte Folgen nach sich zieht. Hinzu kommt, dass die Schiefergas-Bonanza in den USA das Gefüge auf den weltweiten Energiemärkten verschiebt. Durch den starken Verfall der Gaspreise in den USA haben viele Unternehmen dort auf das klimafreundliche Erdgas umgestellt. Die US-Volkswirtschaft könnte ihre Reindustrialisierung und den Sprung in die CO2-freundliche Moderne in einem Schritt bewältigen. Diese Rahmenbedingungen sollten bei der Reform des EEG berücksichtigt werden.

Zudem kehrt im Kielwasser des billigen US-Gases die dreckige Braunkohle nach Europa zurück, denn jenseits des Atlantiks ist die Nachfrage für diesen Energieträger stark gesunken. Gestützt wird die wieder erstarkte Wettbewerbsfähigkeit der Kohle durch den Preisverfall bei CO2-Zertifikaten. Davon profitieren neben den Energieversorgern auch Zementhersteller wie Holcim und HeidelbergCement. Die schmutzigen Braunkohlekraftwerke entwickeln sich zum „Rückgrat der deutschen Energiewende“, während klimafreundliche Gaskraftwerke zunehmend unwirtschaftlich werden. Der neue EnBW-Chef Frank Mastiaux bestätigte unlängst die niedrige Auslastung der konzerneigenen Gaskraftwerke. Eon prüft derzeit die Stillegung einiger seiner Kraftwerke.

Standortfaktor Energiepreise

Innerhalb der Industrienationen weist Deutschland vergleichsweise hohe Strompreise auf, die in vielen Sektoren ein wesentlicher Standortfaktor sind. Nach Zahlen des Energieberatungsunternehmens NUS Consulting Group von Juni 2012 lagen die Energiepreise für Industriekunden hierzulande bei 15,15 US-Cent pro Kilowattstunde – von den Industrieländern hat nur Italien höhere. Klar ist, dass die Energiepreise sich sehr stark im Zusammenhang mit der nationalen Marktregulierung bewegen. In den USA und in Frankreich hingegen lagen diese mit 8,89 Cent pro Kilowattstunde deutlich günstiger.

Immer deutlicher werden die vielen offenen Flanken und ungelösten Fragen des Jahrhundertprojekts Energiewende in Deutschland. Diese kann und darf nicht ohne Beteiligung der Industrie stattfinden, denn die Basis unserer Volkswirtschaft steht auf dem Spiel. Es wird Zeit für eine große Reform des EEG und für niedrigere Einspeisevergütungen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de