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Erneute Unruhe bei Grenke

Grenke-Chefin Antje Leminsky verlässt Grenke.
Grenke

Nachdem es vor einem Monat schien, als würde bei Grenke endlich Ruhe einkehren, kommt es zum nächsten Paukenschlag: CEO Antje Leminsky verlässt den Leasinganbieter. Wie Grenke bekanntgab, gibt Leminsky ihr CEO-Amt aus „persönlichen Gründen“ Ende Juni ab. Ihr Vertrag wäre eigentlich noch bis 2023 gelaufen.

Chefin Leminsky arbeitet seit acht Jahren bei dem krisengeschüttelten Leasingspezialisten, davon drei als Vorstandsvorsitzende. „Der Aufsichtsrat dankt Frau Leminsky für ihre wertvolle Arbeit in den letzten Jahren. Wir bedauern sehr, dass sie Grenke verlassen wird“, lässt sich Ernst-Moritz Lipp, Aufsichtsratsvorsitzender von Grenke, zitieren.

Für Leminsky war es laut eigener Aussage der richtige Zeitpunkt für ihren Abschied, nachdem Grenke nach Vorwürfen der Bilanzmanipulation den langersehnten testierten Jahresabschluss vorlegen konnte: „Das uneingeschränkte Testat der KPMG, der achtbare Geschäftsverlauf in den ersten Monaten des Jahres 2021 und die nunmehr abgeschlossenen aufsichtlichen Prüfungen untermauern: Die Grenke AG ist resilient“, sagt sie zu ihrem Abschied.

Grenke-CEO Leminsky hat harte Monate hinter sich

Im September 2020 hatte ein Angriff des berüchtigten Shortsellers Fraser Perring den eigentlich als solide geltenden Finanzdienstleister schwer erschüttert. Ein zentraler Vorwurf war, dass Grenke angeblich M&A-Transaktionen im Volumen von über 100 Millionen Euro mit Unternehmen abgewickelt haben soll, die von Grenke-Managern oder -Insidern geführt wurden. Die zugekauften Assets seien Verlustbringer und würden im „Goodwill“ der Bilanz versteckt, so die Anschuldigung.

Leminsky und ihre Vorstandskollegen reagierten schnell und entschlossen, veranlassten eine Sonderprüfung durch den Abschlussprüfer KPMG sowie eine separate Prüfung durch die WP-Gesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. Die Bafin entsandte Prüfer von Mazars. Einen Großteil der Vorwürfe konnte Grenke mittlerweile entkräften, zudem konsolidierte der Konzern die Franchise-Firmen voll.

Zwar hinterlässt Leminsky Grenke nun mit einem „sauberen“ Testat, dennoch dürften die vergangenen Monate an ihren Nerven gezehrt haben. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ zitiert etwa aus einem Brief von Leminsky an Grenke-Mitarbeiter: „Mir ist bewusst, dass Sie der Umstand an sich und vor allem der Zeitpunkt überraschen werden. Nach all dem, was wir gemeinsam erreicht haben, ist ein solcher Schritt nicht selbstverständlich. Aber er ist richtig.“ Grund für den Wechsel sei ausschließlich ihre persönliche Lebenslage. Sie habe für Grenke den schwersten Kampf ihres Lebens gekämpft.

Kritische Rolle von Wolfgang Grenke

Erste Anzeichen für einen CEO-Wechsel bei Grenke gab es bereits im Mai. Vor rund drei Wochen hatte Leminsky in einer Pressekonferenz auf die Frage, ob es Veränderungen im Vorstand geben werde, keine klare Antwort gegeben. Man befinde sich mitten in der Vorbereitung der Hauptversammlung und warte auf abschließende Informationen vom Aufsichtsrat, sagte sie damals.

Auch im Aufsichtsrat kam es bei Grenke im vergangenen Jahr zu Veränderungen. Unternehmensgründer Wolfgang Grenke lässt sein Aufsichtsratsmandat derzeit noch ruhen, nachdem seine Rolle und Funktion bei Grenke in die Kritik geraten war. Berichten zufolge soll nun Wolfgang Grenkes Sohn seinen Platz im Kontrollgremium einnehmen. 

Michael Bücker wird neuer Grenke-Chef

Einen prominenten Nachfolger für die im Juni abtretende CEO Leminsky hat der Leasinganbieter indes gefunden: Der Ex-BayernLB-Banker Michael Bücker wird das Unternehmen ab August leiten. In der Übergangszeit sollen die anderen Vorstandsmitglieder die CEO-Aufgaben übernehmen.

Im Dezember vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der ehemalige Firmenkundenvorstand der BayernLB das Geldhaus im März dieses Jahres verlässt. Damals hieß es, dass Bücker die Bayern auf eigenen Wunsch hin verlässt und sich beruflich neu orientieren will. 

Neuer Grenke-Chef muss Aktionäre überzeugen

Zwar wurde der Jahresabschluss durch die Sonderprüfer von KPMG testiert, dennoch finden sich noch Unzulänglichkeiten im Bestätigungsvermerk, die für Stirnrunzeln sorgen. Das Vertrauen des Kapitalmarkts ist ebenfalls nicht wiederhergestellt: Notierte die Aktie im August 2020 – also vor dem Shortseller-Angriff – noch bei 73 Euro, ist das Papier momentan nur rund 36 Euro wert. Der anstehende Wechsel von Leminsky zu Bücker sorgte bei den Aktionären nicht für Enthusiasmus: Das Papier sackte nach der Bekanntgabe am Montagabend nachbörslich um 1,6 Prozent ab.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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