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FINANCE-Resterampe: Wie ein CFO Millionen im Casino verzockte

Das Geld im Casino anlegen ist für CFOs keine gute Strategie.
Studio Romantic - stock.adobe.com

Finanzchef einer Studentenverbindung verzockt sich

Es ist so verlockend: Man setzt auf schwarz – und wenn man richtig liegt, verdoppelt man seinen Einsatz. Was kann da schon schiefgehen, wenn man intelligent und zahlenaffin ist? Vielleicht hat man sogar einen Statistikkurs an der Uni gehabt? So oder so ähnlich könnte auch Curtis D. Anderson gedacht haben, ehemaliger Finanzchef der US-Studentenverbindung Kappa Alpha Psi. Er soll die Organisation, die rund 160.000 Mitglieder zählt, um 3 Millionen US-Dollar gebracht haben, indem er Schecks fingiert haben soll.

Das Geld hat er offenbar im Casino verzockt. Der Hausbank Santander war der Betrug im Dezember 2018 zuerst aufgefallen, wie nun vor kurzem Medienberichten zu entnehmen war. Das Institut meldete sich daraufhin beim Vorstand der Verbindung, der CFO Anderson danach zur Rede stellte. Dieser habe seine Taten laut Medienberichten umgehend gestanden und erklärt, unter schweren Glücksspiel- und Alkoholproblemen zu leiden. Der größte Teil des Geldes sei in das Harrah‘s Casino in Philadelphia geflossen, in dem Anderson Stammgast gewesen sein soll.

Andersons Einsatz war höher, als ihm wohl bewusst war. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Finanzchef nun unter anderem Identitätsdiebstahl, Untreue und Computerbetrug vor. Bei Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

Eine SMS, die Millionen kostet

SMS (für die jüngeren Leser: Der Vorgänger von Whatsapp-Nachrichten) galten schon immer als teuer. Zu Beginn des Handyzeitalters und vor den Flatrate-Tarifen verdienten sich Mobilfunker eine goldene Nase mit dem Service. Doch die vielleicht teuerste SMS könnte Markus Jooste, ehemaliger Chef des Skandalkonzerns Steinhoff, verschickt haben: Südafrikas Finanzaufsicht verdonnerte ihn jüngst zu einer Strafzahlung von 122 Millionen Rand, was etwa 6 Millionen Euro entspricht.

Jooste hatte Ende 2017 vier seiner Freunde – unter ihnen auch sein Chauffeur – gewarnt, ihre Aktien zu verkaufen. „Steinhoff wird mit den schlechten Nachrichten aus Amerika länger zu kämpfen haben“, schrieb er, „es gibt bessere Orte, dein Geld zu investieren. Nutze den aktuellen Kurs, lösche diese SMS und ruf niemanden an.“ Nur ein paar Tage später kam der Bilanzskandal richtig ins Rollen, der Aktienkurs brach binnen einer Woche um 60 Prozent ein. Wirtschaftsprüfer belegten später den Verdacht von Bilanzmanipulationen in Milliardenhöhe.

Doch nicht nur der Absender muss blechen: Drei der vier SMS-Adressaten waren damals Joostens Rat gefolgt. Auf sie entfällt eine Gesamtstrafe in gleicher Höhe. Glimpflich kam der Chauffeur davon. Er musste umgerechnet knapp 1.000 Euro bezahlen. Er habe bereitwillig bei den Ermittlungen geholfen, hieß es zur Begründung.

Diversität kommt in der PE-Welt an

„Diversity“ ist ein Schlagwort, das immer wieder gepredigt wird. Trotzdem tun sich Unternehmen in Deutschland oft schwer, Führungskräfte zu finden, die – vereinfacht gesagt – weder weiß noch männlich sind. Viele Konzerne weigern sich zudem, eine feste Frauenquote für den Vorstand zu beschließen. Es scheint wohl schwer bis unmöglich zu sein, unter zigtausenden Mitarbeiterinnen Vorstandsmaterial zu finden, könnte man meinen. Wie kürzlich publik wurde, will die Politik hiesige Unternehmen jetzt gesetzlich zu einer Frauenquote im Vorstand verpflichten.

Dass Finanzinvestoren Dax-Konzernen beim Thema Diversity einen Schritt voraus sein könnten, hätte kaum jemand gedacht. Doch der US-Finanzinvestor Blackstone will mehr Vielfalt in seinen Führungsetagen: In den Vorständen von Unternehmen, an denen sich der Investor mehrheitlich beteiligt, soll künftig jedes dritte Mitglied „divers“ sein, heißt es in einer Mitteilung.

Die Ankündigung beziehe sich auf alle neuen Investments, bei denen der PE-Gigant die Mehrheit halten wird. Die Quote gilt demnach sogar als Teil der Voraussetzung der Akquisition, mindestens eine*r von drei Geschäftsführer*innen soll also nicht weiß, nicht männlich oder nicht heterosexuell sein. Wie man die sexuelle Orientierung im Bewerbungsprozess legal feststellen will, ist indes nicht bekannt.

Ganz uneigennützig ist diese Aktion für Blackstone zudem natürlich nicht: Geldgeber machen zunehmend Druck, dass sich auch die als konservativ geltenden Finanzinvestoren um die Themen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) kümmern sollen. Zudem spielt das Image bei M&A-Verhandlungen bei PE-Häusern mittlerweile eine wichtige Rolle.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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