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Konjunktureinbruch: CFOs unschlüssig

Eine deutsche Autofabrik: Die Kfz-Branche büßte von Juli auf August über 25 Prozent ihrer Produktion ein.
Thinkstock / Getty Images

Die jüngsten Daten aus der Deutschen Wirtschaft sind schlecht. Die Industrieproduktion brach im August um 4 Prozent ein, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Autoproduktion sogar um mehr als ein Viertel, Investitionsgüter um knapp 9 Prozent. Schon seit Monaten kündet der Ifo-Index von einer schwächelnden Konjunktur. Der Dax stürzte unter die 9.000 Punkte-Marke. Keine Frage: Der Aktienmarkt preist eine Schwächeperiode ein.

Klar ist, dass sich die schwache Produktionsentwicklung durch den Sondereffekt der späten Sommerferien beeinflusst wird. Dies erklärt den Rückgang jedoch nur teilweise, so das Statistische Bundesamt.

Schwacher August: CFOs nicht alarmiert

Die Industrie gibt sich indes gelassen. „Starke Einbußen in den Sommermonaten sind für den Maschinenbau wegen der Abrechnung von Großaufträgen generell nichts Ungewöhnliches“, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), gegenüber FINANCE. Dies relativiere sich im Jahresverlauf. Im Zeitraum Januar bis August sei die Produktion der Maschinen- und Anlagenbauer nicht gesunken, sondern lediglich stagniert.

Auch die Automobilindustrie gibt sich betont unaufgeregt: „Man muss den August aufgrund der Betriebsferien mit Vorsicht anschauen“, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. Derzeit sehe man eher eine Erholung im Markt, da Wachstumsimpulse aus den USA und China den Markt stützten. Im September sei bereits wieder ein Auftragsplus in Höhe von 5 Prozent angefallen. Auch die Produktion sei um 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Deutsche Wirtschaft: Einbruch oder bloße Delle?

Doch selbst für Beobachter, die optimistischer sind als der Aktienmarkt, mehren sich die dunklen Wolken über dem deutschen Wirtschaftshimmel. Angesichts des erneuten Nachgebens des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers um 1,4 Zähler auf 10,6 Saldenpunkte setzt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner „ein großes Fragezeichen hinter die deutschen Wachstumsaussichten für dieses und das kommende Jahr“.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2014 nur noch mit 1,3 Prozent Wachstum. Mitte September waren es noch 1,5 Prozent. Für das Jahr 2015 werden gar nur noch 1,2 Prozent, anstelle von 1,8 Prozent prognostiziert.

Von FINANCE befragte CFOs möchten sich nur anonym äußern oder verweisen auf die Quiet Period. „Wir sehen keine klare Tendenz“, räumt ein CFO aus der Technologiebranche ein. Er rechnet mit einer beeinträchtigten Konjunktur bis Mitte 2015.

„Die Unsicherheiten sind zweifellos hoch“, gibt auch VDMA-Mann Wiechers zu. „Die Frage ist, ob wir es mit einer Wachstumsdelle zu tun haben oder mit einer grundlegenden Neueinschätzung der weiteren konjunkturellen Entwicklung.“ Das Verhalten der Aktieninvestoren hingegen spiegelt ein schwindendes Vertrauen in die Konjunkturentwicklung. Dennoch bleibt der Maschinenbau optimistisch. Die Nachfrage aus wichtigen Kundenländern sei insgesamt verbessert. Auch der niedrige Eurokurs stütze die Wettbewerbsfähigkeit auf wichtigen Märkten.

CFOs jedenfalls sollten angesichts der Unsicherheit auf der Hut sein. Damit sind sie auch in vorangegangen Schwächephasen gut gefahren.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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