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Leoni braucht Staatshilfe zum Überleben

Leoni braucht Staatshilfe, weil Factoring als Liquiditätsbeschaffung wegbricht.
Leoni

Gerade erst hat sich der kriselnde Automobilzulieferer Leoni mit seinen Banken auf ein neues Finanzierungspaket verständigt und eine fällige Schuldscheintranche über 170 Millionen Euro planmäßig zurückgezahlt. Doch jetzt kämpfen die Nürnberger wegen der Coronavirus-Pandemie erneut ums finanzielle Überleben.

Deshalb wird Leoni im Rahmen einer Großbürgschaft „einige hundert Millionen Euro Staatshilfe“ beim Bund und beim Freistaat Bayern beantragen. „Der Prozess ist weit fortgeschritten“, erklärte Leoni-Chef Aldo Kamper während der Bilanzpressekonferenz, die das Unternehmen per Webcast durchführte: „Wir benötigen die Staatshilfen, um unsere Geschäftstätigkeit aufrecht zu erhalten.“

Coronavirus verhindert Ausweitung von Factoring

Mit der Staatshilfe will Leoni Liquiditätslücken decken, die im Zuge der Coronakrise entstünden, sagte CFOIngrid Jägering. Das betreffe insbesondere die Möglichkeit über Factoring – also den Verkauf von Kundenforderungen – frische Mittel zu beschaffen. Da mehrere Leoni-Kunden wie Volkswagen und BMW ihre Produktion vorübergehend gestoppt haben, entstünden derzeit kaum neue Forderungen, die Leoni verkaufen könnte. „Dieses Volumen wollen wir mit Staatshilfe kompensieren“, erklärte Jägering.

Das ist dringend notwendig, denn das kürzlich mit den Banken verhandelte Finanzierungspaket sah eigentlich eine „erhebliche Ausweitung“ von Factoring-Programmen vor. Bei voller Ausschöpfung des Programms wollte Leoni auf diesem Wege bis zu 230 Millionen Euro Cash freisetzen. Zum Vergleich: Die Sale-and-Leaseback-Transaktionen von Vermögenswerten in Deutschland und China, die die zweite Säule der Liquiditätsquellen ausmachten, bringen lediglich 58 Millionen Euro Cash.

Leoni hat „Wohlwollenserklärung“ der Banken

Leonis Hausbanken würden den Antragsprozess auf Staatshilfe unterstützen, sagte Leoni-CFO Ingrid Jägering: „Von unseren Hausbanken liegt eine Wohlwollenserklärung vor.“ Eine fixe Kreditzusage der Banken gebe es indes noch nicht, wie die Finanzchefin einräumte: „Wir werden den Prozess in den kommenden Tagen vorantreiben.“

Bei der Ausfallbürgschaft, die Leoni beantragen will, würden der Bund und das Land Bayern 90 Prozent des Kreditrisikos übernehmen. Die verbleibenden 10 Prozent der Haftung müssten jedoch die Hausbanken des Automobilzulieferers übernehmen. Dies dürfte bei einer Gesamtsumme von einigen hundert Millionen Euro zumindest ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag sein. Zu den Hausbanken gehören nach FINANCE-Informationen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die BayernLB, die Unicredit, die HSBC und die Citibank.

Erst kürzlich sind sie dem Unternehmen beigesprungen und haben zugelassen, dass Schuldscheine über 170 Millionen Euro, die am 18. März fällig geworden sind, aus Krediten zurückgezahlt werden.

Leoni-Chef: IDWS6-Gutachten hilft uns

Leoni-Chef Kamper sieht Leoni gut aufgestellt für den Antrag auf Staatshilfe: „Unser Vorteil ist, dass das Sanierungsgutachten IDWS6 gerade bescheinigt hat, dass Leoni ohne die Covid19-Auswirkungen grundsätzlich gesund ist.“ Das ist eine Voraussetzung für die Gewährung von Staatshilfe: Ein Unternehmen darf nicht bereits vorher akut insolvenzbedroht gewesen sein.

Neben der Beantragung von Staatsbürgschaften hat Leoni weitere Maßnahmen ergriffen, um das Cash-Polster zu schonen. So hat der Konzern für 80 Prozent der Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Betriebsbedingte Kündigungen will Leoni dagegen vermeiden, wie Kamper erklärte. Zudem hat Leoni Werksschließungen in Europa, Nordafrika und Amerika angekündigt. Dadurch würden die Sach- und Personalkosten „erheblich sinken“.

Leoni legt Abspaltung von Kabelsparte auf Eis

Die geplante Abspaltung der Kabelsparte liegt dagegen vorübergehend auf Eis. „Aufgrund der jüngsten Entwicklungen auf den Kapitalmärkten kann der strategische Wert unserer Vermögenswerte womöglich kurzfristig nicht realisiert werden“, erklärte das Unternehmen. Wann man den Prozess wieder aufnehme, hänge davon ab, wie sich der M&A-Markt entwickle, so Kamper.

Die gute Nachricht: Etwaige Einkünfte aus einem Abschluss dieses M&A-Deals hat Leoni bislang nicht verplant. Da der Verkauf weder in die Liquiditätsplanung eingerechnet noch im Sanierungsplan vorgesehen sei, entstehe dadurch auch keine Liquiditätslücke: „Wir haben immer gesagt, dass es sich um einen strategischen Schritt handelt.“

 

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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