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Mehr Insolvenzen bei Papier und Automotive

In der deutschen Papierindustrie ist die Anzahl der Großinsolvenzen 2018 gestiegen.
Okea/iStock/Thinkstock/Getty Images

Noch zeigt der Trend der eingereichten Insolvenzanträge in Deutschland nach unten: 2018 ist das neunte Jahr in Folge mit sinkenden Antragszahlen. Aber die Dynamik lässt nach. Gingen die Insolvenzzahlen 2016 und 2017 noch um jeweils rund 7 Prozent zurück, schlägt für 2018 ein Rückgang von nur noch 1,2 Prozent zu Buche. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr in Deutschland rund 19.000 Insolvenzen.

Auch bei den Großinsolvenzen (Unternehmen mit über 20 Millionen Euro Umsatz) gab es zwar einen Rückgang von 106 auf 96, aber im zweiten Halbjahr zog diese Zahl schon wieder an: 40 Großinsolvenzen in der ersten Jahreshälfte folgten in der zweiten 56 Unternehmenspleiten. Dies geht aus dem neuen, heute veröffentlichten FINANCE-Insolvenz-Report hervor, den das Insolvenzberatungshaus Falkensteg exklusiv für FINANCE erstellt und der hier kostenlos heruntergeladen werden kann.

Autozulieferer melden am häufigsten Insolvenz an

Im vierten Quartal mussten gleich drei große Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Europoles, ein Hersteller von Masten und Trägersystemen aus der Oberpfalz, rutschte mit 1.200 Mitarbeitern und 140 Millionen Euro Umsatz in die Pleite. Dahinter folgen gleich zwei Autozulieferer: die Schweizer Group mit 900 Mitarbeitern und 143 Millionen Euro Umsatz sowie Mitec Automotive mit 871 Mitarbeitern und 181 Millionen Euro Umsatz. Insgesamt hat die Autozulieferindustrie im abgelaufenen Quartal sogar sieben Großinsolvenzen erlitten.

Ebenfalls in schwerem Fahrwasser segeln Teile der deutschen Papierindustrie. Jeweils zwei Großinsolvenzen in den Jahren 2016 und 2017 folgten 2018 sogar vier Pleitefälle. Der größte davon war die Papierfabrik Zanders. Von dieser Pleite sind 500 Mitarbeiter betroffen, die zusammen einen Jahresumsatz von 97 Millionen Euro erwirtschafteten. In der Spitze hatte das Unternehmen sogar 3.000 Menschen Arbeit gegeben.

Pensionslasten trieben Papierfabrik Zanders ins Aus

Die Schieflage von Zanders sei nicht nur die Folge eines anhaltenden Preisverfalls gewesen, diagnostiziert Zanders-Insolvenzverwalter Marc d’Avoine im FINANCE-Insolvenz-Report. Bei Zanders seien auch noch hohe, vertraglich zugesagte Pensionsansprüche der Mitarbeiter hinzugekommen. „Einfaches Standardpapier ist in Europa kaum mehr kostendeckend herzustellen“, meint d’Avoine.

D’Avoine ist es vor wenigen Wochen gelungen, für Zanders einen Käufer zu finden. Neuer Eigentümer ist eine skandinavisch-belgische Investorengruppe um den Branchenspezialisten Terje Haglund, der schon andere marode Papierfabriken aufgekauft und zum Teil erfolgreich saniert hat. Mit Hilfe eines Grundstücksverkaufs gelang es D’Avoine, den Geschäftsbetrieb so lange fortzuführen, bis der Verkauf an Haglund unter Dach und Fach gebracht werden konnte.

Haglund setzt darauf, Zanders wieder profitabel zu machen. Schließlich läuft das Geschäft in bestimmten Bereichen der Papierindustrie recht gut. Nach Zahlen des Verbands der deutschen Papierfabriken erlöste die Branche hierzulande im Jahr 2017 Umsätze von 14,7 Milliarden Euro. Die Zahlen für 2018 werden in wenigen Wochen vorgestellt, nach Aussage eines Verbandssprechers geht die Branche von einem Zuwachs aus. 

Finanzinvestor rettet Kettler aus der Insolvenz

Zanders war aber nur das zweitgrößte insolvente Unternehmen, das im vierten Quartal aufatmen konnte: Im Dezember konnte auch für den „Kettcar“-Hersteller mit dem Verkauf an den Turnaround-Investor Lafayette ein Käufer gefunden werden. Es war eine Rettung in letzter Minute: Im November war die Übernahme durch Altera Capital noch missglückt, und das traditionsreiche Unternehmen stand vor dem Aus.

Trotz dieser Erfolge haben die Sanierer und Insolvenzexperten 65 Großinsolvenzfälle mit ins neue Jahr genommen, für die jetzt noch eine Lösung gefunden werden muss.

Jetzt als FINANCE-User den FINANCE-Insolvenz-Report als PDF herunterladen:

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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