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Propagandamaschine BDI

In der Euro-Krise hat der Bundesverband der Deutschen Industrie eine klare Position. Droht der Euro-Ausschluss eines Landes und sei es der hoffnungslose Fall Griechenland, treten industrienahe Ökonomen auf und warnen vor verheerenden Folgen für Deutschland. Dann werden nicht nachprüfbare Zahlen aufgerufen, die vor allem einen Zweck verfolgen: Angst zu machen und eine echte Debatte durch die scheinbare Unvermeidlichkeit der Rettung mangels anderer Optionen abzuwürgen.

Das Ziel ist klar: Als Vertreter der großen deutschen Kapitalgesellschaften hat der BDI vor allem die kurzfristigen Ergebnisse der Unternehmen im Blick. Da macht sich ein Konjunktureinbruch naturgemäß schlecht. Außerdem verdient die deutsche Exportindustrie gut an den Kunden im Euro-Raum, auch wenn deren Zahlungen immer stärker  über den Target-2-Mechanismus finanziert werden – also im Endeffekt mit Krediten der Bundesbank.  Das schert den Lobbyverband wenig, die langfristiger denkenden Familienunternehmerverbände hingegen schon.

Unglaubwürdige Positionen

Ähnlich agiert der BDI, hier übrigens gemeinsam mit anderen Branchenverbänden wie dem VCI oder der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in der Energiewende. Hysterisch wird über steigende Energiepreise und verheerenden Wirkungen für den Industriestandort Deutschland gewarnt. Dabei wird jedoch Entscheidendes einfach unterschlagen: Auch hier zahlen die Privathaushalte die Hauptlast – Großverbraucher sind befreit oder kostenmäßig gedeckelt.

Wie FINANCE herausfand, kann man industrielle Großverbraucher gegenwärtig sogar als Profiteure der Energiewende ansehen.  Dass die Industrie Strom zunehmend über die Börse einkauft (zum Teil sogar zu 100 Prozent), wo der Strompreis dank der Einspeisung von Öko-Strom rekordverdächtig niedrig ist, bleibt unerwähnt. Denn seit Jahren sinkende Preise passen naturgemäß nicht in die Argumentation einer gebeutelten Industrie.
Klar: Jeder ist sich immer selbst der Nächste. Aber dass der BDI so offen offensichtlich gegen das Gemeinwohl gerichtete Interessen verfolgt,  befremdet angesichts der noch immer blendend laufenden Geschäfte vieler Unternehmen. Der Industrieverband beschädigt seine Glaubwürdigkeit.

 

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de