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Restrukturierung und Transformation: Was kommt auf Unternehmen zu?

Transformation und Restrukturierung stehen momentan bei vielen Unternehmen auf der Agenda. Was sind die wichtigsten Treiber?
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Was bleibt von der Pandemie? Wie schnell kann sich die deutsche Wirtschaft erholen und aus dem Corona-Loch wieder empor steigen? Und was müssen Unternehmen jetzt leisten, auch um bestmöglich von den Erfahrungen der Coronakrise zu lernen und vielleicht sogar gestärkt aus der Konjunkturschwäche hervorzukommen?

Mit diesen Fragen hat sich Atreus, die Unternehmen bei Transformations- und Restrukturierungsprozessen berät, beschäftigt. Dafür hat die Strategieberatung im Mai 2021 über 1.325 Interim-Manager sowie Geschäftsführer und Vorstände von Unternehmen mit mindestens 100 Millionen Euro Umsatz befragt.

Hoher Transformationsbedarf im Automotive-Sektor

In der Frage, in welcher Branche der höchste Transformationsbedarf besteht, waren sich die Befragten recht einig: 40 Prozent nannten den Automotive-Sektor. Die Gründe: Der perspektivische Rückgang der Nachfrage und Verkäufe, strengere Regulierungen, Innovationsdruck in Digitalisierung und Nachhaltigkeit aber auch veränderte Kundenbedürfnisse. Hinter der Automobilindustrie folgen die Sektoren Industriegüter, Anlagen- und Maschinenbau sowie der Tourismus- und Luftverkehrssektor.

Die größten Wachstumschancen in den nächsten 12 Monaten wiederum verorten die Studienteilnehmer vor allem in der IT-Branche sowie der Chemie- und Pharmaindustrie. Und auch im Tourismus und Luftverkehr, obwohl hier gleichzeitig auch ein hoher Transformationsbedarf gesehen wird. Mehr als ein Fünftel der Befragten erwartet in diesen drei Sektoren besonders starkes Wachstum und einen hohen Auftragseingang. Dem Bereich der Automotive ordnen die meisten Befragten lediglich durchschnittliche Wachstumschancen zu.

Das sind die Treiber der Transformationsprozesse

Doch was werden die Treiber der Transformation sein? Die Studienteilnehmer nennen diverse Treiber, wie etwa der Innovationsdruck, neue Produkte und Serviceleistungen anzubieten (67 Prozent) sowie Nachhaltigkeit und Klimawandel (58 Prozent). Dahinter folgen veränderte Kundenbedürfnisse (32 Prozent) oder Kostendruck und die weltwirtschaftliche Entwicklung (beide 24 Prozent).

Doch die meisten –  fast drei Viertel – identifizieren die Digitalisierung als größten Treiber von Transformationsprozessen. Geschäftsführer und Manager scheinen die Wichtigkeit der Digitalisierung also erkannt zu haben; die Tatsache, dass rund Hälfte auch eine Veränderung ihrer Geschäftsmodelle durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Welt erwartet, unterstreicht diese Annahme nur.

Durch Corona und das Absacken des ökonomischen Wachstums hat sich aber ein Stau bei vielen Transformationsprozessen eingestellt – zu denen auch so manche Digitalisierungsinitiativen in Unternehmen gehören. Christian Frank, der auch für die Studie verantwortlich zeichnet, fasst es so zusammen: „Viele dieser Digitalisierungsmaßnahmen werden jetzt mit großem Tempo nachgeholt. Das Problem dabei: Die Unternehmenserkenntnisse aus der Pandemie lösen derzeit noch zahlreiche neue Digitalisierungs- und Transformationsprojekte aus, der Druck wächst“.

Digitalisierung beschleunigt Transformationsprozesse

Auch bei der Frage, welche Maßnahmen den Transformationsprozess auf betrieblicher Ebene beschleunigen könnten, steht die Digitalisierung an erster Stelle: Fast 70 Prozent nennen technologische Weiterentwicklung (durch Software oder Künstliche Intelligenz) als unternehmerische Beschleuniger. Auf einen ähnlich hohen Wert kommen Innovationen und neue Geschäftsmodelle, weit vor etwa Organisationsentwicklung (55 Prozent) und Prozessoptimierung (48 Prozent).

„Deutschlands Unternehmen haben nahezu keine andere Wahl, als das Tempo des organisatorischen Wandels mitzutragen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, schlussfolgern die Studienautoren. „Dabei wird deutlich, dass jene Unternehmen, die schon zu Beginn der Krise einen hohen Reifegrad in der Transformation ihrer Geschäftsprozesse hatten, gestärkt aus dieser hervorgehen.“ 

Droht eine Insolvenzwelle?

Restrukturierungs- und Transformationsprozesse sollen Insolvenzen vorbeugen – im Idealfall sogar verhindern. Doch die Angst ist groß, dass es nach dem Aussetzen der Insolvenzpflicht zu einer Insolvenzwelle kommt – das spiegelt sich auch in der Befragung wider.

Mehr als 40 Prozent erwarten einen signifikanten Anstieg an Insolvenzen, fast 55 Prozent immerhin einen leichten Anstieg. Gleichzeitig sind aber auch die meisten Manager und Geschäftsführer (63 Prozent) davon überzeugt, dass die Insolvenzregelung zu einer leistungs- und finanzwirtschaftlichen Stabilisierung innerhalb der deutschen Unternehmenswelt beigetragen hat – zumindest für den Moment. Überzeugt von den Überbrückungshilfen und Krediten waren nur rund ein Fünftel der Befragten.

Hohe Nachfrage ist Bedingung für Aufschwung

Insgesamt hoffen mehr als 71 Prozent der Befragten auf einen wirtschaftlichen Gesamtaufschwung, während fast 10 Prozent sogar von einem Boom ausgehen. Mehr als die Hälfte aller Befragten schätzen, dass das Wachstum bis zu zwei Jahre lang andauern könnte – obendrein könnten sich 18 Prozent gar einen Aufschwung vorstellen, der über die 24 Monate hinaus nachklingt.

Aber es gibt auch Schwarzmaler unter den befragten Managern und Vorständen. Die Anzahl derjenigen, die entweder eine gleichbleibende wirtschaftlichen Lage (11,3 Prozent), einem Abschwung (6,2 Prozent) oder gar eine Rezession (2,1 Prozent) erwarten, summiert sich dementsprechend auf 20 Prozent. Voraussetzung für einen generellen Trend hin zum Aufschwung und einer Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage, welche letzten Endes dann den Unternehmen zugutekäme, sei eine steigende Nachfrage – vorwiegend jene aus China und dem EU-Ausland.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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