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Restrukturierungsnews: Takko, Steag, VfB Stuttgart

Takko hat im Dauer-Lockdown eine Landesbürgschaft beantragt.
Takko

Takko bittet um Landesbürgschaft

Der Modediscounter Takko will sich mit einer Landesbürgschaft Luft verschaffen. Der vom anhaltenden Lockdown getroffene Textilhändler hat beim Land Nordrhein-Westfalen eine Bürgschaft für einen Überbrückungskredit beantragt. Der Kredit soll einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag umfassen.

Takko wird derzeit interimistisch vom vormaligen Beiratschef Karl-Heinz Holland geführt. Voraussichtlich im April soll sein designierter Nachfolger Markus Rech ihn ablösen. Takko, das bereits im Frühjahr 2020 in Finanzierungsnot war, beschäftigt rund 18.000 Mitarbeiter weltweit, davon rund 14.000 in Deutschland.

Interimschef Holland bezeichnete Takko als „wirtschaftlich erfolgreich“, es handle sich um ein gesundes Unternehmen. Die Bürgschaftszusage benötige man nach drei Monaten Lockdown jedoch „so bald wie möglich“, um Arbeitsplätze zu sichern. Holland gab sich „zuversichtlich, die staatlichen Gelder schnell zurückzahlen zu können“. 

Steag will Transformation forcieren

Beim Essener Energieunternehmen Steag soll Carsten König als Chief Transformation Officer den im vergangenen Herbst angestoßenen Konzernumbau vorantreiben. König ist Managing Director bei Alix Partners und hat sich auf die finanzielle und operative Transformation von Unternehmen spezialisiert. Er ist der vierte innerhalb eines Jahres neu berufene Geschäftsführer nach Heiko Sanders (kaufmännischer Bereich), Andreas Reichel (Personal -und Arbeitsdirektor) und Ralf Schiele (Markt und Technik). CEO Joachim Rumstadt ist hingegen schon seit 2009 an Bord.

Der Chief Transformation Officer soll die Neuausrichtung auf Wachstumsfelder jenseits des bisherigen Kerngeschäfts voranbringen. Die Energiewende und der Kohleausstieg setzen Steag unter Druck, das Unternehmen muss in den kommenden Jahren die meisten seiner Steinkohlekraftwerke schließen. Rund 1.000 Stellen werden dadurch wegfallen. Bis zum Beginn des Geschäftsjahres 2022 will Steag eine neue Struktur umgesetzt haben.

KfW-Kredit für VfB Stuttgart bewilligt

Der Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart kann künftig über einen KfW-Kredit auf eine Kreditsumme von bis zu 25 Millionen Euro zurückgreifen. Den Antrag auf die Mittel hatten die Schwaben im Frühjahr 2020 gestellt. Der KfW-Kredit soll Einnahmeverluste infolge der Corona-Pandemie abfedern. Für das zurückliegende Jahr fehlen dem VfB nach eigenen Angaben Einnahmen von über 30 Millionen Euro.

Der Kredit läuft über fünf Jahre und muss in dieser Zeit vollständig getilgt werden. Zudem gibt es weitere Bedingungen: Nimmt der VfB die Finanzierung in Anspruch, muss er im Gegenzug das Gehaltsvolumen im Lizenzspielerkader, im Bereich Profifußball sowie im Management und in der Verwaltung in der Höhe der abgerufenen Mittel reduzieren. Zudem muss der Klub der KfW während der Laufzeit kontinuierlich über seine Finanzlage Bericht erstatten. VfB-CFOStefan Heim, der wenige Tage später seinen Platz räumen musste, kündigte in einem seiner letzten Statements als VfB-CFO noch an, der Klub wolle auf den Kredit „behutsam und mit größter Sorgfalt“ zurückgreifen. 

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ThyssenKrupp bricht Verhandlungen mit Liberty Steel ab

ThyssenKrupp hat die Gespräche über einen möglichen Verkauf der Stahlsparte an Liberty Steel abgebrochen. Ein Verkauf ist damit vom Tisch. Die „Vorstellungen über Unternehmenswert und Struktur der Transaktion“ hätten zu weit auseinander gelegen, sagte Finanzchef Klaus Keysberg zur Begründung. Zu „wesentlichen Anforderungen“ ThyssenKrupps an den Deal habe man keine Lösung gefunden.

Der kriselnde Konzern will das Stahlgeschäft nun aus eigener Kraft zukunftsfähig aufstellen. Für den Bereich haben die Essener vor gut einem Jahr eine „Stahlstrategie 20-30“ ausgerufen, die auf der einen Seite einen zusätzlichen Investitionsrahmen von insgesamt rund 800 Millionen Euro über einen Zeitraum von sechs Jahren umfasst. Auf der anderen Seite soll ein Stellenabbau Einsparungen bringen. Bis 2026 sollen insgesamt rund 3.000 Stellen entfallen. 

Mifa-Folgeunternehmen nach dritter Insolvenz verkauft

Für den insolventen Fahrradhersteller Sachsenring Bike (vormals Mifa) haben sich neue Eigentümer gefunden. Insolvenzverwalter Philipp Hackländer (White & Case) verkaufte den Geschäftsbetrieb an eine Investorengruppe aus namentlich nicht genannten deutschen und internationalen strategischen Investoren. Das neue Unternehmen Zweirad Union E-Mobility übernimmt 75 der bislang rund 120 Mitarbeiter.

Für die Folgeunternehmen der ehemaligen Mifa war es die dritte Insolvenz nach zwei gescheiterten Sanierungsversuchen in den Jahren 2014 und 2017. Das hatte auch Folgen für die Verkaufsverhandlungen: „Nach nunmehr drei Insolvenzen lagen die zur Betriebsfortführung erforderlichen Grundstücke, Fabrikhallen und Maschinen in verschiedenen Firmen“, erklärte Hackländer. Um den Investoren Zugang dazu zu verschaffen, mussten drei Insolvenzverwalter sowie der Landkreis Mansfeld-Südharz einbezogen werden. Den Transaktionsprozesse begleiteten Tillmann Peeters und Georg von Verschuer (Falkensteg Corporate Finance). Die Gläubiger haben dem Verkauf bereits zugestimmt. 

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Der Bodensee-Airport Friedrichshafen hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Im Zuge des gerichtlichen Verfahrens soll die im vergangenen Jahr begonnene und von Roland Berger beratene Umstrukturierung fortgesetzt werden. Die öffentlichen und privaten Gesellschafter wollen den Schritt einer Mitteilung des Flughafens zufolge unterstützen. Darlehenszusagen gelten demnach weiter. Alexander Reus von Anchor wird für die Sanierung als weiterer Geschäftsführer bestellt. Alexander Hubl von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz & Partner ist Sachwalter.

Vier Gesellschaften der auf Recycling spezialisierten Fischer-Gruppe mit Hauptsitz in Achern haben Insolvenzantrag gestellt, insgesamt 160 Mitarbeiter sind betroffen. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Dirk Pehl (Schultze & Braun). Der Antrag umfasst die Gesellschaften Fischer, Fischer Rohstoffe, Fischer Cyclepor Deutschland und Recyplast. Insolvenzverwalter PeIhl sucht nun nach einem Investor. 

Die Commerzbank will im Zuge ihrer „Strategie 2024“ bereits in diesem Jahr wichtige Restrukturierungsschritte umsetzen. So sollen noch im laufenden Jahr 190 Filialen schließen, 2022 und 2023 sollen insgesamt weitere 150 Filialen folgen. Der angekündigte Stellenabbau, dem rund 10.000 Vollzeitstellen zum Opfer fallen werden, soll zu 80 Prozent bis Jahresende 2023 abgeschlossen sein. Im Gegenzug werden 2.500 Stellen neu entstehen, um Kosten für externe Dienstleister einzusparen. Die Kosten der Commerzbank sollen insgesamt im Jahr 2024 im Vergleich zu 2020 um insgesamt 1,4 Milliarden Euro beziehungsweise rund 20 Prozent niedriger liegen. Ein Drittel der Einsparungen soll bereits im Jahr 2022 umgesetzt sein.

Das Metallbau-Unternehmen Blech-und Technologiezentrum Linda (Blectec) mit 185 Mitarbeitern soll über eine Insolvenz in Eigenverwaltung saniert werden. Vorläufiger Sachwalter ist Lucas Flöther (Flöther & Wissing). Jean-Olivier Boghossian (Dornbach) ist Generalbevollmächtigter. Als Ursache für die Krise gibt das Unternehmen zwei M&A-Transaktionen aus den Jahren 2018 und 2020 an, für die Blectec auch seine Finanzierung anpassen musste. Die Investitionen und die Integration der Zukäufe hätten das Unternehmen aufgrund „geringerer Umsatzerlöse, schlechterer Auftragsergebnissen sowie unerwarteter Zusatzinvestitionen“ stärker als gedacht belastet. Zudem habe die Coronakrise zu Umsatzrückgängen im zweistelligen Prozentbereich geführt. Die Sanierung soll bis zum Sommer dieses Jahres über einen Sanierungsplan erfolgen. 

Der Photovoltaik Spezialist Nice Solar Energy will sich über ein Schutzschirmverfahren sanieren. Als Grund nannte das 160 Mitarbeiter zählende Unternehmen starke Einschnitte im Geschäft aufgrund der Corona-Pandemie. Nice will nun einen Restrukturierungsplan erarbeiten. Als Generalbevollmächtigter begleitet Jan Groß (Ebner Stolz) das Verfahren. Andreas Kleinschmidt von White & Case ist als Sachwalter bestellt.

Markus Birkmann (BBL Brockdorff & Partner) hat als vorläufiger Insolvenzverwalter des Dortmunder Stahlproduzenten Blankstahl einen Investorenprozess angestoßen. Die M&A-Beratungsgesellschaft Livingstone Partners spricht potenzielle Investoren an und koordiniert den Verkaufsprozess. Der Mittelständler beliefert vor allem Automobilzulieferer und gehört dem Verbund der Ruhrstahl-Gruppe an. Die anderen Gruppenunternehmen waren vom Insolvenzantrag zunächst nicht betroffen.

Distressed M&A-Deals

Vier Unternehmen der Wurzel Mediengruppe werden in diesen Tagen geschlossen, 120 Mitarbeiter sind betroffen. Ein Kaufinteressent hatte laut Insolvenzverwalter Dietmar Haffa von Schultze & Braun „kurz vor der Vertragsunterzeichnung“ sein Angebot für die Gesellschaften Gmähle-Scheel Print-Medien Esslingen, Digital Repro Druck, Dr. Cantz‘sche Druckerei Medien und Schefenacker zurückgezogen. 30 Arbeitsplätze bei der Gesellschaft Gmähle-Scheel Print-Medien Schwäbisch Hall bleiben dagegen erhalten, diese geht an eine österreichische Unternehmerfamilie.

Der russische Aluminiumproduzent Rusal übernimmt den Geschäftsbetrieb und die Assets des deutschen Herstellers Aluminium Rheinfelden, der seit November eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchlaufen hat, im Zuge einer übertragenden Sanierung. Die Behörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Die Restrukturierung begleiteten Sanierungsgeschäftsführer Detlef Specovius sowie Jürgen Erbe (beide Schultze & Braun). Die Investorensuche leitete PwC. Als Sachwalter von Aluminium Rheinfelden war Holger Leichtle (Görg) eingesetzt. Ein Team der Kanzlei Noerr um Thomas Hoffmann und Andrea Braun hat die Eigenverwaltung der drei operativen Aluminium-Rheinfelden-Gesellschaften Alloys, Carbon und Semis rechtlich beraten. 

Die Mediengruppe Oberfranken-Fachverlage hat den zahnmedizinischen Fachverlag Teamwork Media aus der Insolvenz heraus übernommen. Ein „großer Teil“ der Arbeitsplätze bleibt einer Mitteilung zufolge erhalten, Details nannten die Unternehmen nicht. Teamwork Media hatte seit Oktober eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchlaufen, die Klaus Ziegler (Planer & Kollegen) begleitet hat. Sachwalter war Matthias Hofmann (Pohlmann Hofmann).

Die niederländische Elastofirm übernimmt den insolventen deutschen Automobilzulieferer Poppe. Über den Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Für die einstige Muttergesellschaft Veritas aus Hessen gibt es laut Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner (Brinkmann und Partner) ebenfalls Interessenten. Bei Poppe sollen durch die Transaktion alle 227 Arbeitsplätze erhalten bleiben. 

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Nach einem leichten Anstieg im Dezember sind die Insolvenzen von Unternehmen mit einem Umsatz größer als 10 Millionen Euro im Januar wieder gefallen. Gerade einmal zwölf Unternehmen in dieser Umsatzklasse haben einen Antrag gestellt, zeigt der Insolvenzmonitor der Unternehmensberatung Falkensteg. Zu den umsatzstärksten Unternehmen, die im Januar den Weg zum Insolvenzrichter gehen mussten, gehören die Modekette Adler, die Deutsche Confiserie Holding mit den Marken Arko, Eilles und Hussel sowie die Dortmunder Blankstahl.  

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

Beim Autozulieferer Benteler soll Michael Baur (Alix Partners) die Restrukturierung weiter vorantreiben. Der Vorstand des Branchenverbands TMA Deutschland übernimmt als Chief Restructuring Officer von Arno Haselhorst, der die Position seit Juni 2020 innehatte. Während Haselhorst sich auf die kurz vor Weihnachten umgesetzte Refinanzierung des angeschlagenen Zulieferers konzentriert hatte, soll Baur nun den Fokus auf die operative Neuausrichtung legen. Benteler durchläuft seit 2018 einen Transformationsprozess, der im vergangenen Jahr noch einmal verschärft wurde.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de    

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Mehr zu dem Modehändler in der Krise erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Takko.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.