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Schutzschirm für Kreditversicherer verlängert

Der Schutzschirm für Warenkreditversicherer wird bis Ende Juni 2021 verlängert.
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Gute Nachrichten für deutsche Unternehmen: Der Schutzschirm für Warenkreditversicherungen wird bis zum 30. Juni 2021 verlängert. Wie das Bundesfinanzministerium und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heute mitteilten, haben sich die Regierung und die Kreditversicherer darauf geeinigt. Beteiligt sind unter anderem die Anbieter Atradius, Coface, Credendo, Euler Hermes, R+V und Zurich.

Die Bundesregierung hatte den Schutzschirm gemeinsam mit den Kreditversicherern im April beschlossen, um Lieferantenkredite abzusichern. Konkret übernimmt der Bund dabei eine Garantie für Entschädigungszahlungen der Kreditversicherer in Höhe von bis zu 30 Milliarden Euro.

Das Rettungspaket soll gewährleisten, dass Warenkreditversicherer Deckungszusagen auch für Unternehmen, die schwer von der Coronavirus-Krise getroffen worden sind, aufrechterhalten können. Das stabilisiert Lieferketten und verringert die Gefahr von Zahlungsausfällen für deutsche Lieferanten.

Warenkreditversicherer nehmen mehr Risiko

Auch der neue Rettungsschirm, der von Anfang Januar bis Ende Juni aufgespannt wird, hat wieder ein Volumen von bis zu 30 Milliarden Euro. Allerdings steigt die Selbstbeteiligung der Warenkreditversicherer bei Schäden auf 10 Prozent. Das bedeutet, dass die Kreditversicherer Verluste bis zu einem Betrag von 3 Milliarden Euro selbst tragen müssen. Bislang lag diese Summe bei 500 Millionen Euro. Für Ausfälle, die den Schutzschirm von 30 Milliarden Euro übersteigen, müssen die Versicherer nach wie vor selbst einspringen.

Als Ausgleich für den gestiegenen Risikoanteil müssen die Versicherer im ersten Halbjahr 2021 einen geringeren Anteil ihrer Prämien an den Bund abtreten: 60 statt 65 Prozent. Im Zuge dieser Vereinbarung verpflichten sich die Versicherer dazu, ihre bestehenden Kreditlimite „weitestgehend aufrecht zu erhalten“, so der GVD.

Dass die Warenkreditversicherer in der Neuauflage des Schutzschirms sechsmal so viel Risiko einzugehen bereit sind wie in der aktuellen Variante, um dafür etwas mehr vom Prämienkuchen behalten zu dürfen, verwundert manche Markt-Insider: „Es ist erstaunlich, dass sie nun den Eigenanteil erhöhen, obwohl viele Kreditversicherer aktuell die Gefahren für die weitere wirtschaftliche Entwicklung betonen“, sagte ein Beobachter der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer.

Factoring profitiert vom Schutzschirm

Mit der Verlängerung des Schutzschirms haben mehr als zwei Monate andauernde Verhandlungen ein Ende gefunden. Die EU-Kommission muss der Verlängerung des Pakets zwar noch zustimmen, das gilt aber als Formalie. Somit haben Unternehmen nun wieder Planungssicherheit. Vor allem Factoring-Finanzierungen profitieren davon: Ein Rückzug der Kreditversicherer hätte dazu führen können, dass Unternehmen Factoring als weiteres Instrument zur Liquiditätsbeschaffung vielfach hätten ausschließen müssen, schließlich werden fast alle Forderungen, die über Factoring finanziert werden, auch versichert.

Allerdings könnte die Ruhe schon deutlich vor dem Juni wieder enden, schließlich soll dann definitiv Schluss sein mit dem Schutzschirm. Ab Juli sollen wieder die Marktgesetze gelten, die Versicherer selbst die Risiken übernehmen und damit auch die Bonitätsbewertung ihrer Kunden. Welche Folgen das haben kann, zeigen die Schockwellen, die das Vorgehen von Euler Hermes im September durch den Markt geschickt hatte.

Der Versicherer kündigte damals an, seine Limite für Unternehmen mit schwachen Bonitäten bis zum Jahresende zu befristen, dem damaligen Enddatum des Schutzschirms. Euler Hermes ist in Deutschland Marktführer und besichert rund die Hälfte der gesamten Deckungszusagen von über 400 Milliarden Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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