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Topmanager nutzen Börsen-Crash zum Einstieg

An der Frankfurter Börse herrscht Tristesse, deutsche Topmanager wittern dagegen Einstiegschancen.
Deutsche Börse

Telekom, BASF, Merck, Kuka, LPKF Laser – vielerorts haben CEOs und CFOs den Börsencrash vom Montag genutzt, um ins eigene Unternehmen zu investieren. Das geht aus den Pflichtmitteilungen der Unternehmen hervor (Director’s Dealings), deren Anzahl zu Wochenbeginn nach oben geschossen ist.

Besonders im Kaufrausch waren die deutschen Topmanager am Montag. Während an den Börsen Panik herrschte – der Dax stürzte innerhalb weniger Minuten um mehrere hundert Punkte ab und ging mit minus 4,7 Prozent aus dem Handel – sah die Wirtschaftselite Einstiegschancen und kaufte kräftig zu. Statt einer längeren Kurskorrektur wetten die Manager also auf eine Überreaktion an den Börsen. 

Telekom-Deutschlandchef investiert über 1 Millionen Euro

Am Montag, als die Panik herrscht, greifen gleich mehrere Topmanager zu. Das größte Vertrauen in die Märkte und das eigene Unternehmen beweist Niek Jan van Damme: Der Deutschlandchef der Telekom steigt am Montag zum Kurs von 14,28 Euro ein und investiert insgesamt 1,07 Millionen Euro. Zumindest vorläufig war seine Einschätzung richtig: Heute morgen geht die Telekom-Aktie mit 15,15 Euro in den Handel. Auch der neue US-Chef von BASF, Smith Wayne, beweist Zuversicht und kauft Aktien im Wert von knapp 800.000 US-Dollar.

Etwas bescheidener agieren Merck-Chef Karl Ludwig Kley, der am Montag rund 50.000 Euro investiert, sowie Rainer Martens, COO beim MDax-Konzern MTU Aero Engines, der mit 75.400 Euro einsteigt. Auch Martens‘ Frau schlägt zu – allerdings schon am Freitag und da noch zum Kurs von 79 Euro. Zumindest für sie aktuell kein guter Deal: Gestern schloss der MTU-Kurs bei knapp 77 Euro.

Mit dabei sind auch zwei Finanzchefs: Kuka-CFO Peter Mohnen erwirbt in zwei Transaktionen am Montag Anteile im Wert von 19.000 Euro, LPKF-CFO Kai Bentz  kauft zum Preis von 7,10 Euro 800 Aktien.

Schwarzer Montag: Vorstände steigen ein

Auch am Dienstag geht die Kauflaune weiter, allerdings etwas weniger ausgeprägt. Das überrascht nicht: Schließlich macht der Dax seinen Verlust vom schwarzen Montag wieder wett und schließt bei 10.128 Punkten. Nach derzeitigem Kenntnisstand investiert am Dienstag nur Metro-CEO Olaf Koch in eigene Aktien: Er kauft für rund 128.000 Euro zu. Allerdings könnte die Zahl der Deals noch zunehmen – Unternehmen müsse Geschäfte von Führungspersonen innerhalb von fünf Tagen veröffentlichen.

Zwar gab es zuletzt auch ein paar Verkäufe, allerdings nach derzeitigem Stand nur in der vergangenen Woche: Tui-Vorstand William Waggott trennte sich von Aktien im Wert von rund 634.000 Euro. Bei Norma stieß Bernd Kleinhens 13.553 Anteilsscheine zu einem Kurs von 46,06 Euro ab – heute steht die Aktie bei 42 Euro.

Insiderbarometer auf höchstem Stand seit November 2011

Der Montag war aber nur die Kulmination eines seit einigen Wochen anhaltenden Trends. Bereits seit Anfang August kaufen Deutschlands Topmanager kräftig zu. Das Insiderbarometer, das misst, welche Vorstände und Aufsichtsräte Aktien des eigenen Unternehmens kaufen oder verkaufen, notiert derzeit mit 154 Punkten auf dem höchsten Stand seit November 2011. Ein Stand über 110 gilt als deutliches Kaufsignal für Aktien. Das Barometer wird alle zwei Wochen vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) mit der Commerzbank Wealth Management im Auftrag des Handelsblatts erhoben. Unter anderem griffen die Vorstände von Linde, Fraport und Stabilus bei eigenen Aktien zu.

Es wird spannend sein, wie sich die deutschen Topmanager in den kommenden Tagen verhalten werden – und ob sie mit ihrer Einschätzung recht behalten, dass sich um eine Überreaktion handelt, die mit fundamentalen Daten kaum zu begründen ist. Am Mittwoch ging das Auf und Ab beim Dax jedenfalls erstmal weiter.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de