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Weniger Risikokapital für Biotech

Die Biotech-Branche hat es nach wie vor schwer, an Risikokapital zu kommen.
Alexander Raths/iStock/Thinkstock/Getty Images

Deutschen Biotechnologieunternehmen sind in einer kritischen Finanzierungssituation. Während andere Unternehmen derzeit zu viel Liquidität aufweisen, kommen Biotechs immer noch schwer an Geld. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Zahl deutscher Biotech-Unternehmen ist laut EY im vergangenen Jahr leicht gesunken. Nur noch 401 Unternehmen der Biotech-Branche gibt es derzeit, 2013 waren es noch sechs Unternehmen mehr. Auch der Gesamtumsatz der Unternehmen ist um 3 Prozent zurück gegangen. Noch stärker von schlechten Umsatzzahlen seien börsennotierte Biotech-Gesellschaften betroffen, bei denen der Umsatz sogar um 11 Prozent abnahm.

Nach Einschätzung von EY fehlt es derzeit an Risikokapital, die Geldgeber sind vorsichtig geworden. Die Venture-Capital-Investitionen in dieser Branche sind im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 155 Millionen Euro gesunken. Damit liegt Deutschland weit hinter Ländern wie Großbritannien und der Schweiz. In Großbritannien hat sich das Investitionsvolumen in zwei Jahren um 155 Prozent gesteigert und liegt bei 447 Millionen Euro. In der Schweiz geben die Investoren etwa 308 Millionen Euro.

Risikokapital für Biotech-Firmen nimmt ab

Doch nicht alle teilen die düstere Einschätzung der Beratungsgesellschaft. Die Jahresbilanz von biotechnologie.de kommt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu einem anderen Ergebnis. Laut dieser Umfrage unter 536 Unternehmen, also mehr als EY der Branche zuzählt, ist der Gesamtumsatz in 2014 erstmals über 3 Milliarden Euro gestiegen, was einem Plus von 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
 
Studienautor Siegfried Bialojan von EY erklärt sich die Diskrepanz vor allem mit einer unterschiedlichen Auswahl der betrachteten Unternehmen. EY schließt zum Beispiel alle nicht-deutschen Unternehmen aus der Untersuchung aus. „Auch ein Unternehmen wie Qiagen aus Hilden bei Düsseldorf fällt aus unserer Analyse heraus, da der Sitz der Holding in den Niederlanden ist“. Diese unterschiedliche Auswahl könne zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen führen. „Die Grundtendenzen der Studien sind jedoch dennoch ähnlich.“ Auch EY sieht derzeit – trotz des sinkenden Umsatzes – ein positives Momentum für die Wachstumschancen der Biotech-Branche in Deutschland. Fraglich sei nur, wie robust es ist. Positive Anzeichen sind unter anderen die großen Ausnahmen von der Zurückhaltung der Investoren durch prominente Unterstützung für die Branche.

Gates und Hopp investieren

Der bekannteste Investor ist Bill Gates, der über seine Stiftung 42 Millionen Euro in den Tübinger Impfstoff-Spezialisten Curevac investierte. Das eigentliche Investitionsvolumen dürfte noch weit darüber liegen, da die Stiftung zusätzlich verschiedene Programme der Impfstoffentwicklung finanzieren wird. Auch der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp beteiligte sich über sein Investitionsvehikel dievini Hopp BioTech mit 21 Millionen Euro.

Hopp beteiligte sich auch an der Kapitalerhöhung des Biopharmazie-Unternehmens Wilex, das 4,16 Millionen Euro einsammelte. Wilex ist eines der wenigen Biotech-Unternehmen, das bisher einen Börsengang in Deutschland gewagt hat. Das Unternehmen hatte sich 2006 an den IPO getraut und war damit nach Angaben von EY der letzte Börsengang einer Biotech-Firma in Deutschland.

IPO-Chancen für Biotechs im Ausland

Beide Studien sehen jedoch positive Bewegung am Markt für Börsengänge in der Biotech-Branche. Da sich das Parkett in Deutschland momentan für Biotech nicht zu eignen scheint, haben zwei Unternehmen im vergangenen Jahr den IPO im Ausland gewagt. Das Heidelberger Unternehmen Affimed sammelte mit dem IPO in den USA 42,2 Millionen ein, Probiodrug aus Halle erhielt 23,2 Millionen Euro aus dem Börsengang in Amsterdam.
 
Trotz einiger Wachstumsimpulse bleibt die Finanzierung für die Biotech-Branche nach wie vor anspruchsvoll. Gerade kleineren Unternehmen dürfte die Zurückhaltung von Investoren in Deutschland weiterhin einige Steine in den Weg legen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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