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Wie EZB-Chef Draghi den Euro-Anstieg stoppen kann

EZB-Chef Mario Draghi: Besorgt über die Stärke des Euro
EZB

Der Herr gibt’s, der Herr nimmt’s, die Volatilität bleibt: Im Lauf der Woche sank der Euro gegenüber dem Dollar von 1,37 auf 1,34. Doch angesichts des vorangegangenen Kursanstiegs ist der Rückgang nur marginal – seit Mitte Juli ist der Euro zum Dollar um über 10 Cent auf 1,34 gestiegen (siehe Graphik).

Die Ursache für die leichte Abkühlung ist die gleiche, die den Höhenflug des Euro auch angefacht hat: die Rhetorik der Europäischen Zentralbank. EZB-Chef Mario Draghi zeigte sich in der Fragestunde nach der gestrigen EZB-Ratssitzung „besorgt“  über die Stärke des Euro. Der Wechselkurs könne ein „Abwärtsrisiko“ für die Inflation und die Konjunktur sein – prompt reagierten die Märkte.

Wacker Chemie: Starker Euro, weniger Gewinn

Vielen Unternehmen macht der starke Anstieg des Euro  bereits zu schaffen, schließlich wertete die Währung nicht nur gegenüber dem Dollar auf, sondern auch um rund 5 Prozent gegenüber einem breiten Währungskorb. Größter Währungsverlierer ist der japanische Yen, der in den letzten drei Monaten zum Euro satte 18 Prozent nachgab. Europas CFOs sind gerade dabei, den Ertragsschub wieder einzubüßen, den ihnen der schwächelnde Euro ein knappes Jahr lang beschert hatte.

Einer der ersten Finanzchefs, der die Ausmaße der Ertragseinbußen durch den Euro-Anstieg konkret beziffert, ist Joachim Rauhut, CFO des Solar- und Halbleiterzulieferers Wacker Chemie: Jeder Anstieg des Euro/Dollar-Wechselkurses um 1 Cent koste das Unternehmen im Jahresverlauf 2 Millionen Euro operativen Gewinn (EBITDA), rechnete er vor. Gemessen an den Wechselkursen für das zweite Halbjahr 2012 entspreche das (aufs Jahr hochgerechnet) rund 20 Millionen Euro.

Damit frisst die Euro-Stärke mehr als die Hälfte der Einsparungen auf, die Rauhut mühsam mit tiefen Kosteneinschnitten erreicht hat – die Schließung von zwei Werken und der Abbau von 1.000 Beschäftigten stützten die Gewinne um 40 Millionen Euro. Das Gesamtjahres-EBITDA summierte sich auf 787 Millionen Euro.  

HSBC-Chefvolkswirt Schilbe: „Keine Intervention in Sicht“

Draghis Möglichkeiten, die Aufwertung zu verhindern, sind allerdings begrenzt. „Der steigende Euro-Kurs ist eine Reaktion darauf, dass die Bilanzsumme der EZB zu schrumpfen begonnen hat, während die Notenbanken in Japan und den USA ihre Bilanzen immer weiter aufblähen“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt der HSBC. „Entsprechend müsste EZB-Chef Draghi seinerseits die Bilanzsumme der EZB ausweiten, wenn er den Euro wieder schwächen will, zum Beispiel durch den Ankauf von Anleihen oder durch neue Finanzierungsgeschäfte mit den Banken.“

Ein möglicher Schritt: Draghi könnte den Banken erneut Liquidität zur Verfügung stellen, verknüpft mit der Auflage, die Kreditvergabe an ihre Kunden anzukurbeln, so wie es in Großbritannien getan wurde. Doch viele Banken sind bereits dabei, ihre bestehenden EZB-Ausleihungen zu tilgen – die Nachfrage seitens der Finanzwelt nach neuen Tendern dürfte folglich gering sein. Ohnehin glaubt Schilbe nicht, dass die EZB schon bereit ist, diesen Weg zu gehen: „Ich kann mir eine Intervention erst dann vorstellen, wenn der Euro sich kurzfristig noch einmal schnell und stark verteuern würde“. Für wahrscheinlich hält der HSBC-Chefvolkswirt dies nicht. 

Es ist fraglich, ob die konventionellen Instrumente zur Schwächung der Währung, Verbalinterventionen und Zinssenkungen, auch jetzt wieder funktionieren würden. Denn mit ihren Anleihekäufen in Billionenhöhe haben die Notenbanken rund um den Globus die Spielregeln der Geldpolitik neu definiert. Inzwischen gilt: Je aggressiver die Notenbank Assets aufkauft, desto schwächer ist die Währung. Und dabei hinkt Europa den meisten anderen Währungsräumen hinterher.

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