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Wire and fire

Der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin – für mehr Transparenz hat er bislang nicht gesorgt.
picture alliance/dpa/Reuters Images Europe/Pool/Fabrizio Bensch

Das Château Petit Versailles ist eine feudale Anlage aus dem 14. Jahrhundert, die auf dreieinhalb Etagen über eine zweigeschossige Kapelle und ein eigenes Theater mit Muschelgrotte verfügt, wie in einem Werbevideo zu sehen ist. Schloss Frohsdorf, wie der richtige Name des Prachtbaus lautet, liegt vor den Toren Wiens. Umgeben ist es von einem Wassergraben und einem Ziergarten, in den eine Freitreppe führt. So illuster die Immobilie, so hochkarätig die Klientel: Anfang 2017 erwog auch der damalige Wirecard-CEO Markus Braun, die Immobilie zu beziehen, wie aus E-Mails einer Immobilienmaklerin hervorgeht, die FINANCE vorliegen.

Der Name „Klein-Versailles“ sagt viel darüber aus, in welchen Dimensionen der einst gefeierte Tech-Guru dachte und wie sich Braun gerierte. Der Möchtegern-Sonnenkönig aus Österreich entschied sich letztlich gegen das Schloss. Obdach fand er stattdessen in zwei Nobelvillen in Wien und Kitzbühel wie auch in seinem Feriendomizil in der Nähe des französischen Jetset-Hotspots Saint-Tropez. All diese Immobilien sind aber harmlos im Vergleich zu dem Luftschloss namens Wirecard, an dessen Errichtung Markus Braun mutmaßlich mitgewirkt haben soll.

Vor gut zweieinhalb Jahren war der aufstrebende Finanzdienstleister an der Börse mehr als 21 Milliarden Euro wert und überflügelte damit die Deutsche Bank. Top-KPIs, Spitzenmargen und eine Dauer-Hausse bildeten in Tateinheit mit namhaften Kunden und Business-Fantasien das Fundament für einen Skandal, der so großkotzig, aberwitzig und wirr ist wie kein anderer in Deutschland zuvor.

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