Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Transformation Deutschland Zweifel am Tod von Wirecard-Partner Christopher B.

Zweifel am Tod von Wirecard-Partner Christopher B.

Im Fall Wirecard zweifeln die Ermittler am Tod von Jan Marsaleks Vertrautem Christopher B. in Manila.
Roman/stock.adobe.com

Im Kriminalfall um Wirecard tun sich den Ermittlern immer neue Abgründe auf. Nun verstärken sich die Zweifel am angeblichen Tod des früheren Wirecard-Partners und engem Vertrauten von Mastermind Jan Marsalek, Christopher B. Dieser hatte 2007 die erste asiatische Niederlassung des insolventen Zahlungsdienstleisters eröffnet und später eine jene dubiosen Drittpartnerfirmen geführt, die offiziell für einen Großteil des Wirecard-Geschäfts in der Region sorgten.

Während Pay Easy mit 262 Millionen Euro Schulden der größte Kreditnehmer der Münchner war, erwirtschaftete Christopher B.´s Pay Easy Solutions 2018 angeblich 15 Prozent des Umsatzes von Wirecard. Damit war der Busunternehmer, der auch das lokale Reisebusunternehmen „Fröhlich Tours“ betrieb, einer der wichtigsten Hintermänner im Drittpartnergeschäft (Third Party Acquiring, kurz TPA) von Wirecard, das sich später als Bluff erwies.

Nicht nur bei Pay Easy verschwanden viele hundert Millionen Euro an Wirecard-Geldern. In Manila verliert sich auch die Spur des angeblich 1,9 Milliarden Euro großen Treuhandvermögens des Skandalkonzerns, das am Ende von den Wirtschaftsprüfern nicht nachgewiesen werden konnte. Dies geschah Mitte Juni vergangenen Jahres. Kurz darauf, am 27. Juli, wurde bekannt, dass Christopher B. in Manila angeblich verstorben sei – im Alter von 44 Jahren an einer Lebensmittelvergiftung. An dieser Information gibt es nun neue Zweifel.

Sonderermittler läuft ins Leere

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, stellt nun auch der Ermittlungsbeauftragte des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Wieland (Bündnis 90/Die Grünen), den Tod des Marsalek-Vertrauten in Frage. Bedenken hinsichtlich des Todes hätten „bedauerlicherweise nicht ausgeräumt werden“ können, schreibt Wieland in einem Bericht, der der Zeitung vorliegt.

Im Zuge seiner Untersuchungen sollte Wieland ermitteln, welche Informationen zum Tod von Christopher B. der Bundesregierung vorliegen. Ergebnis: „Von deutscher Seite gibt es keine Informationen über eine Überprüfung dieser Angelegenheit.“ Auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft in München verfügt offenbar über keinen belastbaren Nachweis, dass B. tatsächlich tot ist.

Demnach hätten die philippinischen Behörden ihren deutschen Kollegen zwar einige Dokumente zur Verfügung gestellt, darunter eine Kopie der Sterbeurkunde und eine Bescheinigung über eine Einäscherung. Es fehlen jedoch der medizinische Bericht des Krankenhauses, in dem B. angeblich verstarb, und es gibt auch keine Fotos von der Leiche. So lässt sich nicht sicher feststellen, dass B. tatsächlich tot ist. Der Verdacht, die Information könnte falsch sein, wird auch dadurch genährt, dass es auf den Philippinen ein Leichtes ist, sich gefälschte Sterbeunterlagen zu verschaffen. Diese sind auf dem Schwarzmarkt für weniger als 100 Euro zu haben.

Wirecard-Aufklärer sind irritiert

Die Politiker im Wirecard-Untersuchungsausschuss sind nicht zufrieden damit, wie die Nachforschungen zu dem angeblichen Tod der Schlüsselfigur B. ablaufen. „Die Arbeit der Sicherheitsbehörden wirkt nachlässig, ihre Rolle hinterlässt bei mir große Fragezeichen“, zitiert das „Handelsblatt“ den Linken-Politiker und Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss, Fabio de Masi.

De Masi hat „wenig Verständnis dafür, dass sich die deutschen Behörden auf die dünne Beweislage verlassen“. Der Untersuchungsausschuss hat nun weitere Fragen an das Bundeskriminalamt gerichtet, die Licht in das Verschwinden von Christopher B. bringen sollen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

Info

Alle News und aktuelle Entwicklungen rund um den Finanzskandal des Jahrzehnts finden Sie auf unserer Themenseite Wirecard.

Einen tiefen Einblick in die Abgründe des Skandals gibt unsere laufende Enthüllungsserie. Alle Artikel finden Sie auf unserer Spezialseite zu den „Wirecard Files“. Im zweiten Teil geht es auch um die Rolle von Christopher B.

+ posts

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

Unternehmen
Newsletter

FINANCE Daily

Mit dem FINANCE Daily erhalten Sie täglich eine redaktionelle Zusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse in der Finanzwelt direkt in Ihr Postfach.

Jetzt anmelden