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Big Data: Viele Unternehmen auf dem Irrweg

„Heute reicht es nicht mehr, Daten zu sammeln – man muss sie interpretieren können“, meint Gernot Leinenbach, CFO Commercial Business Microsoft Deutschland.
iStock/Thinkstock/Getty Images

Mehr Daten, mehr Wissen, bessere Entscheidungen: Die Möglichkeiten, die Big Data verspricht, scheinen unendlich. Viele Finanzchefs haben jedoch Probleme damit, sich durch die riesige Masse an unstrukturierten Daten zu kämpfen und diese gewinnbringend zu nutzen.

„Unternehmen und CFOs befinden sich oft in einem Spannungsfeld aus Datensammlung und der Analyse der gewonnen Daten“, beobachtet Gernot Leinenbach, CFO Commercial Business bei Microsoft Deutschland. Er sieht, dass viele Unternehmen zunächst riesige Datenberge anhäufen und im Nachhinein erst überlegen, wie diese genutzt werden könnten.

Aus seiner Sicht ist das aber kein effizienter Ansatz: „Man muss die relevanten Fragen definieren, dann gezielt die benötigten Daten identifizieren um anschließend die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.“ So müssten CFOs dann nicht mehr die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen.

Microsoft nutzt Big Data für Budgetierung und Vertrieb

Big Data hat in den vergangenen Jahren einen großen Schub erfahren. Seitdem ist es der Technologienische entwachsen. Sich bei der Führung eines Unternehmens Big-Data-Lösungen zu bemächtigen, ist für Top-Manager kein cleverer Kniff mehr, um sich vom Wettbewerb abzusetzen, sondern schon beinahe Standard.

Controller Leinenbach sieht Microsoft Finance schon einen Schritt weiter. Er selbst nutzt Big Data und Business Intelligence Lösungen vor allem auf operativer Seite: „Wir kombinieren Finance-Informationen mit Business-Informationen und erstellen auf dieser Grundlage unsere Forecasts oder unterstützen die Steuerung des Tagesgeschäfts. Dazu schauen wir auch auf Vertriebsinformationen wie beispielsweise Sales Leads und Discounts“, sagt Leinenbach.

Dadurch könne er nicht nur die Performance seines Segments Commercial Business verbessern, sondern auch die Beratung der Unternehmenskunden. „Früher konnten wir für bestimmte Informationen, zum Beispiel weltweite Kundendaten oder Non-Standard Reports, nur unsere Zentrale in den USA anfragen und mussten hoffen, dass die gewünschten Berichte zur Verfügung gestellt werden.“ Heute können Unternehmen, die große vernetzte Datenlager haben, diese Information direkt vor Ort, das heißt in der lokalen Tochtergesellschaft abrufen und verarbeiten.

„Controller müssen aus ihrer Komfortzone“

Weil die Ansammlung von Daten dank der reifenden Technologie und Nutzer-Feedbacks immer einfacher wird, verändern sich durch Big Data auch die Aufgaben im Finanzbereich. „Heute reicht es nicht mehr, Daten zu sammeln – man muss sie interpretieren können. Da verlässt der eine oder andere Controller seine Komfortzone“, meint CFO Leinenbach, der 2008 aus der Automobilbranche zu dem Softwareriesen wechselte.

Auf dem Jobmarkt beobachtet Leinenbach aber gerade im strategischen Bereich einen Engpass: „Viele Controller sind noch nicht dahin gehend ausgebildet oder trainiert, ihr Unternehmen und ihren CFO auch bei strategischen Entscheidungen zu unterstützen.“

Immer mehr Big-Data-Anbieter drängen auf den Markt

Aus seiner Sicht sollte die gesamte Finanzabteilung das Unternehmen bei der Weiterentwicklung vorantreiben. Das gehe allerdings nur, wenn die Unternehmen und die CFOs willens sind, auf Big Data zu zurückzugreifen. Eine nennenswerte Anzahl von Unternehmen scheuen aber die hohen Anfangsinvestitionen. Noch: „Immer mehr Unternehmen werden sich die Datensammlung leisten wollen“, prognostiziert Leinenbach.

Microsoft will sich von diesem stark wachsenden Kuchen ein großes Stück abschneiden, aber das haben auch andere Tech-Riesen vor. Zudem etablieren sich immer kleine Big-Data-Spezialisten, die sich auf bestimmte Nischenaspekte konzentrieren oder glauben, besser als die Großkonzerne kleinere Firmenkunden bedienen zu können.

Leinenbach erwartet eine scharfe Konkurrenz auf dem wachsenden Markt: „Es werden in den kommenden Jahren immer mehr Player in diesen Softwaredienstleistermarkt strömen.“

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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