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Das bewegt CFOs bei der digitalen Transformation

Drei CFOs und zwei Berater haben auf der Structured FINANCE 2022 über die Digitalisierungstransformation diskutiert. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn & B. Hartung

Künstliche Intelligenz, APIs und End-to-End-Prozesse: Die Transformation der Finanzabteilung in Richtung Digitalisierung steht für viele Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Doch der Weg dorthin wird auch aufgrund der zahlreichen Krisenherde beschwerlich, wie sich die Experten der Podiumsdiskussion auf der 18. Structured FINANCE in Stuttgart einig waren.

Sebastian Niemeyer, Senior Director des Softwarehauses Coupa Pay, ist sich dennoch sicher: „Die Krisen sind als ein positiver Brandbeschleuniger in Richtung Digitalisierung zu sehen.“ Derzeit seien Unternehmen aber noch weit von einer durchdigitalisierten Finanzabteilung entfernt.

Unternehmen müssen Datenbasis schaffen

Vor allem das Thema Datenhygiene bewegt die Experten. „Ich frage mich manchmal, wo sind denn eigentlich die Daten? Haben wir wirklich auf alle Zugriff?“, gibt Matthias Heiden, Finanzchef der Software AG, Einblick in seine Gedanken. Viele Unternehmen befinden sich dem Podium zufolge noch in der Grundlagenarbeit, um erst einmal eine Datenbasis für den Transformationsprozess zu schaffen.

Auch Sebastian Hirsch, Finanzvorstand des Finanzdienstleisters Grenke, ist der Meinung, dass die Aufbereitung der Daten essentiell sei, um anschließend neue Softwarelösungen und Applikationen einsetzen zu können. Wichtig ist laut dem CFO, Schnittstellen zwischen den verschiedenen Einheiten im Unternehmen wie Treasury, Accounting und Controlling zu schaffen. Auch Rolf Epstein, Lead CFO Program Germany and Senior Partner Finance & Performance bei Deloitte, sieht eine „Veränderung der Organisationsstruktur im Finanzbereich“ im Zuge der Digitalisierung. Der Austausch und die Abstimmung mit anderen Bereich, auch außerhalb der Finanzabteilung, wird somit wichtiger.

Welche Daten sind relevant?

Coupa-Manager Niemeyer plädiert dafür, dass CFOs sich bei Digitalisierungsbemühungen vorab wichtige Fragen stellen sollten: „Woher kommen die Daten im Unternehmen? Zu welchen Daten habe ich tatsächlich Zugriff? Und wie können wir die unterschiedlichen Datenströme für das Unternehmen gewinnbringend, wertschöpfend einsetzen ?“

Das Problem vieler Finanzabteilungen sei, dass sie bereits eine hohe Anzahl an Daten haben und viel Datenmüll produzieren, meint Hirsch. Daher sollten sich CFOs die Frage stellen: „Macht diese Information meine Entscheidung wirklich besser?“, so der Grenke-CFO.

„Ich bin überzeugt davon, dass nicht alles notwendig ist, was wir an Daten und Informationen erheben.“

Sebastian Hirsch, CFO von Grenke

Besonders die derzeitigen Krisen seien hilfreich, um zu schauen welche Informationen entscheidend sind. „Ich bin überzeugt davon, dass nicht alles notwendig ist, was wir an Daten und Informationen erheben“, so Grenke-Finanzchef Hirsch. Die Kategorisierung der Daten in wichtig und unwichtig sei dabei nicht immer einfach.

Digitalisierung steigert Cyberkriminalität

Durch einen höheren Digitalisierungsgrad wird jedoch auch das Einfallstor für Hacker größer, das Risiko von Cyberangriffen steigt derzeit exponentiell. Was können CFOs dagegen tun? „Es ist utopisch zu glauben, man könne sich umfänglich dagegen schützen“, meint Deloitte-Berater Epstein. Und auch Peter Rüth, CFO des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, sieht keine 100-prozentige Sicherheit. Man müsse konsequent an der Sicherheit arbeiten, wobei die Digitalisierung wiederum auch genutzt werden könne, um die Sicherheit zu steigern.

Konkret bedeute das, die Mitarbeiter regelmäßig zu schulen und einen Plan herauszuarbeiten, wie man im Ernstfall vorgeht. Außerdem sei ein schnelles Handeln seitens des Managements von enormer Bedeutung. Denn bei einem Cyberangriff zählt jede Minute. Daher ist es den Experten zufolge wichtig, den Notfallplan einmal durchzuspielen, um sich auf den Ernstfall einzustellen.

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Cybercrime

Ob Hacker-Attacke oder Angriff mit Schadsoftware: Finanzabteilungen sind regelmäßig von Cybercrime bedroht. FINANCE hat zusammengetragen, welche Strategien die Angreifer nutzen und wie CFOs ihre Daten vor Attacken schützen können.

Digitalisierung: Die Finanzabteilung der Zukunft

Und wie wird die moderne, digitale Finanzabteilung der Zukunft aussehen? „Wir werden sehr vorausschauend arbeiten müssen. Wir werden Szenarien entwickeln müssen, sodass wir sehr schnell komplexe Antworten finden“, ist sich Amprion-CFO Rüth sicher. „Damit wir auf schnell ändernde Umfeldbedingungen antworten können.“ Epstein sieht zukünftig mehr Automatisierung in den gesamten transaktionalen und Operationsbereichen sowie im Controlling. Er hofft auf weniger manuelles Reporting, sondern mehr auf Analytics.

Auch wenn sich Software-AG-Finanzchef Heiden nicht festlegen will, ist er sich sicher, dass sich die kommende Finanzer-Generation mehr trauen wird bezüglich Forecasting mit Künstlicher Intelligenz. Es werde in der Zukunft weiterhin „hochintelligente und hochmotivierte Menschen“ in der Finanzabteilung geben. Der Faktor Mensch bleibt also wichtig.

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.