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Eurex, Nasdaq, Goldman Sachs: IT-Pannen legen Handel lahm

Bei einem Computerausfall steht der Börsenhandel still.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Wenn die IT streikt, dann geht häufig gar nichts mehr. So auch vor einigen Tagen an der Eurex, dem Derivatehandelsplatz der Börse in Frankfurt. Eine Computerpanne unterbrach den Handel für etwas mehr als eine Stunde. „Die Aussetzung wurde durch eine fehlerhafte Zeit-Synchronisierung im System verursacht“, teilte die Tochter der Deutschen Börse mit. Der IT-Ausfall ereignete sich ausgerechnet kurz nachdem die Börse die Einführung des neuen Produktsegmentes Währungsderivate für Oktober angekündigt hatte. „Mit diesem Schritt leisten wir einen weiteren maßgeblichen Beitrag zur Erhöhung der Transparenz und Sicherheit der Finanzmärkte“, sagte Eurex-Vorstandsmitglied Peter Reitz zwei Tage vor dem Blackout.

IT-Aussetzer häufen sich in letzter Zeit und das nicht nur in Deutschland. Die US-Hightech-Börse Nasdaq traf unlängst der längste Blackout ihrer Geschichte. Für knapp drei Stunden ließen sich Aktien und Optionen nicht mehr handeln. Der Grund: Ein Verbindungsproblem im Securities Information Processor, dem zentralen Datenknotenpunkt des Handelsplatzes.

Auch der Investmentbank Goldman Sachs spielte die IT einen teuren Streich. Die Computer der Bank versendeten fälschlicherweise Orders auf Aktienoptionen an die Handelsplätze. Laut Medienberichten ist der Bank dadurch ein Schaden von etwa 100 Millionen Dollar entstanden. Ähnliches widerfuhr dem US-Aktienhändler Knight Capital im vergangenen Jahr. Das Computerchaos sorgte für einen Verlust von einer halben Milliarde Dollar. Der Aktienhändler musste schließlich von Investoren vor der drohenden Pleite gerettet werden. Auch bei der spanischen Börse Bolsas y Mercados Espanoles und der Börse in Tokio spielten 2012 die Rechner verrückt.

Teure IT-Pannen

Diese Beispiele zeigen deutlich, dass Computerausfälle weit mehr als eine lästige Lappalie sind. Das finanzielle Risiko in der IT steigt insgesamt. Im vergangenen Jahr kündigte ThyssenKrupp als erstes deutsches Unternehmen an, eine Versicherung gegen Hackerangriffe abschließen zu wollen. Doch der finanzielle Schaden lässt sich bei Unternehmen, anders als bei den Börsenpannen, häufig nicht genau umreißen.

 

Ist die Börse lahmgelegt, verunsichert das auch die Kunden. An der Nasdaq gerieten zunächst Banken in Panik, die ihren Kunden über den Ausfall berichten mussten. Broker reagierten frustriert. Sie befürchten vor allem einen Imageschaden durch solche Blackouts.

Die Häufung von Börsenpannen zeigt aber auch die stetig wachsende Abhängigkeit von der IT. Diese ist an Handelsplätzen hochkomplex. Die Systeme müssen Unmengen an Transaktionen, Order und Daten in immer höherer Geschwindigkeit austauschen. „Früher haben wir Finanz-IT mit der von Atomkraftwerken oder der Flugzeugindustrie verglichen“, sagte Veronica Augustsson, CEO von Cinnober, einem schwedischen Handelstechnologieunternehmen, im Interview mit Bloomberg. Doch mittlerweile habe sich die Qualität im Finanz-IT-Sektor verschlechtert. „Es gibt viel zu tun in der Softwareindustrie und man muss sich auf Qualität fokussieren“, sagte Augustsson weiter. Die Serie von IT-Pannen scheint ihrer Beobachtung Recht zu geben.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de